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Anna Gorskih

Die Linke 17.12.2020 Sitzungen 7/20

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der uns vorliegende Antrag enthält viele Forderungen, die sich auch im Koalitionsvertrag wiederfinden lassen. Wir hätten aber erwartet, dass einige Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Pandemie in den Antrag einfließen. Grundsätzlich ist aus unserer Sicht das Lehramtsstudium an vielen Stellen reformbedürftig. Deutlicher denn je zeigt sich das in diesen schwierigen Pandemiezeiten. Stichwort Digitalisierung, beispielsweise bei der Ausgestaltung von digitalen Unterrichtsformaten, der entsprechenden methodischen und didaktischen Planung oder bezüglich der Gestaltung eines inklusiven Unterrichts, der jeden Schüler und jede Schülerin mitnimmt und auf ihre unterschiedlichen Bedürfnisse eingeht, obwohl sie gar nicht in der Schule und schwer zu erreichen sind. Wir hätten erwartet, dass sich solche Erfahrungen und Lehren aus Krisensituationen in einem Antrag wiederfinden, bei dem es schließlich um eine zukunftsfähige Ausrichtung der Lehramtsstudiengänge gehen soll. Sie fordern in Ihrem Antrag unter Punkt II eine dauerhaft den Bedarf deckende Kapazität an Lehramtsstudienplätzen aufrechtzuerhalten. Unter Punkt III fordern Sie eine weitere temporäre Kapazitätsaufstockung in Verbindung mit der Einrichtung von Modellstudiengängen auf bis zu 2 700 Lehramtsstudienplätze. Ja, wir haben einen Mangel an Lehrerinnen und Lehrern. Wir benötigen dringend mehr Lehrkräfte. Mehr Lehramtsstudierende wären nicht nur wünschenswert, sondern sie werden auch dringend gebraucht. Wir als LINKE haben schon in früheren Legislaturperioden auf den Mangel an Lehrerinnen und Lehrern hingewiesen und die Staatsregierung zum Handeln aufgefordert, leider vergebens. Nun zur Machbarkeit der Kapazitätserhöhung bei den Lehramtsstudienplätzen. Im Dezember 2017 verkündete die damalige Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange, dass das Ende der Fahnenstange erreicht sei, was die Zahl der Lehramtsstudienplätze angeht. Der Freistaat könne nicht mehr als 2 375 Studierende pro Jahr einschreiben. Weder seien genug räumliche Kapazitäten dafür vorhanden, noch seien personelle Ressourcen verfügbar. Mich würde interessieren, ob sich hierbei in den letzten drei Jahren etwas wesentlich geändert hat; denn anderenfalls, fürchte ich, wäre eine Kapazitätserhöhung nur auf Kosten der Qualität umsetzbar. Im Januar 2020 verkündete Herr Wissenschaftsminister Gemkow einen Beschluss der Staatsregierung, wonach die Zahl der Studienplätze im Lehramt von jährlich 2 400 auf 2 700 steigen soll. Dafür wolle man verlässliche Rahmenbedingungen an den Hochschulen gewährleisten. Finanziert werden soll das über den Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“. Frau Maicher hat auch noch einmal wiederholt, dass die Kapazitätssteigerung aus den Mitteln des Zukunftsvertrages finanziert werden soll. Diese neuen Aufgaben lassen sich aus unserer Sicht keineswegs aus den Mitteln des Zukunftsvertrages finanzieren. Die finanziellen Ressourcen aus dem Zukunftsvertrag werden doch jetzt schon für die Kernaufgaben an den Hochschulen gebraucht. Dabei geht es noch nicht einmal um eine Kapazitätserhöhung, sondern um einen bedarfsgerechten Kapazitätserhalt, eine Verbesserung der Betreuungssituation, eine Steigerung der Lehrqualität und Qualitätssicherung. Bei der Finanzierung Ihrer ambitionierten Vorhaben blicken nicht nur wir sehr besorgt auf die Haushaltsverhandlungen, sondern das sehen auch die Uni Leipzig, die TU Dresden und die TU Chemnitz so. Die Direktoren der drei lehrerbildenden Hochschulen schreiben dazu in einem Brief: „Neue Aufgaben müssen mit neuen Finanzmitteln ausgestattet werden.“ Das sehen wir auch so. Bei der Verstärkung der Lehramtsausbildung, bei der Erhöhung der Kapazität der Studienplätze und bei gleichzeitiger Steigerung der Lehrqualität müssen entsprechend zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Ohne diese finanzielle Untersetzung kann jedes noch so ambitionierte Vorhaben nicht funktionieren. Wir brauchen nicht nur mehr Lehrerinnen und Lehrer, sondern vor allem auch qualitativ gut ausgebildete Lehrkräfte. Das kann nur gelingen, wenn zum Beispiel der Betreuungsschlüssel stimmt, wenn der Raum für kritische Perspektiven auf Bildung vorhanden ist. Trotz dieser ganz grundsätzlichen Kritik sind aus unserer Sicht alle Anstrengungen, um den Mangel an Lehrerinnen und Lehrern zu beheben und neue Wege im Lehramtsstudium zu gehen, zunächst zu begrüßen. Ob Sie Ihre Vorschläge finanziell und personell untersetzen, werden wir bei den Haushaltsverhandlungen sehr kritisch begleiten. Deshalb werden wir uns bei Ihrem Antrag der Stimme enthalten. (Beifall bei den LINKEN)

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