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Holger Mann

SPD 17.12.2020 Sitzungen 7/20

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Zur Bedeutung der Lehrerausbildung wurde hier schon viel Richtiges von Frau Firmenich und Frau Dr. Maicher gesagt. Das gibt mir nur kurz Gelegenheit, in Erinnerung zu rufen, dass die Staatsregierung seit Regierungseintritt der SPD im Jahr 2014 kontinuierlich in diesem Feld handelt, und das ist wichtig. Denn in der Lehrerausbildung brauchen wir zuvorderst Verlässlichkeit, eine langfristige Bildungsplanung zu Bedarfen und Ausbildungsplatzkapazitäten und nicht zuletzt Ausdauer. Die Ausbildung einer Lehrerin oder eines Lehrers dauert sieben Jahre. Das heißt, das, was wir für das kommende Jahr in den Haushaltsplan schreiben und womit wir sicherlich wieder die Kapazitäten erhöhen, ernten wir frühestens im Jahr 2028 und damit unsere Nachfolgerinnen und Nachfolger. Zu den konkreten Zahlen und Entwicklungen verweise ich ausdrücklich auf die umfangreiche Stellungnahme der Staatsregierung. Festhalten können wir an dieser Stelle nur, dass die Hochschulen bei den aktuell vorliegenden Zahlen von 2017/2018 im dreistelligen Bereich über dem aktuellen Plan liegen. Das ist – ich glaube, für alle sprechen zu können – ein gutes Signal. Deshalb an dieser Stelle auch mal danke an alle Professor(innen)en und Mitarbeiter(innen) an den lehrerbildenden Hochschulen sowie an die Mitarbeiter(innen) im Wissenschafts- wie auch im Kultusministerium. Ich rechne fest damit, dass der folgende Bericht weitere Details und Trends zutage fördern wird. Gestern debattierten wir schon beim Bildungsstärkungsgesetz über die Fiktion, den Klassenteiler zu senken, und stellten dabei gemeinsam fest, dass es dafür mehr Lehrkräfte braucht. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wir benötigen bereits jetzt mehr Lehrkräfte. Aus den im Schulausschuss vorgestellten Daten zum Schuljahr 2021 geht hervor, dass wir es inzwischen zwar besser schaffen, den Grund- und Ergänzungsbereich abzudecken, es leider jedoch weiterhin Lücken gibt. Diese Lücken müssen wir mittelfristig schließen und können wir auch schließen, wenn wir diesen Weg, den wir bisher beschreiten, Schritt für Schritt vorangehen. Ich sprach von Verlässlichkeit. Wir stehen im Wort, das Lehramtsstudium weiter als Staatsexamen zu führen. Das schafft Sicherheit bei den Abiturienten, bei den Studierenden und auch bei den Hochschulen. Wir stehen aber auch im Wort, das Referendariat nahtlos an das Studienende in Sachsen anschließen zu lassen, sodass es die Studierenden antreten können. Auch das gelingt uns seit dem letzten Jahr immer besser. Wir stehen im Wort, den Zugang zum Lehramtsstudium zu befördern. Auch da haben wir – Frau Firmenich hat bereits darauf hingewiesen – mit dem Bonus für das FSJ Pädagogik einen Fortschritt erzielt. Zur langfristigen Bildungsplanung könnte meine Kollegin Sabine Friedel viel intensiver ausführen. Klar ist: Die aktualisierte Lehrerbedarfsprognose wird kontinuierlich fortgeschrieben, berücksichtigt die derzeit steigenden Kinderzahlen und bildet sowohl den Grund- als auch den Ergänzungsbereich ab. Daran orientiert bildet Sachsen aus und stellen wir aus dem Zukunftsvertrag „Studium und Lehre“ dauerhaft Ressourcen zur Verfügung. Das Bildungspaket mit seinen 306 Stellen wird fortgesetzt und weitere 34 Vollzeitäquivalente sollen hinzukommen. An dieser Stelle soll insbesondere für den größten lehrerbildenden Standort in Sachsen, die Universität Leipzig, betont werden: Auch wenn der Hochschulpakt am 31. Dezember 2020 stufenweise in den Zukunftsvertrag übergeht, gibt es hier keinen Abbruch. Auch der verspätete Haushaltsbeschluss wird in diesem Bereich keinen Einfluss haben, da die Ressourcen der Hochschulen über eine achtjährige Zuschussvereinbarung abgesichert sind. Deshalb können wir miteinander nach vorn blicken. Die Koalition hat sich in den Verhandlungen zu einer weiteren Aufstockung der Studienplätze auf 2 700 verständigt. Dies soll auch mit einem Innovationsschub für die Lehrerbildung einhergehen. Deshalb sollen verschiedene Modellstudiengänge entstehen. Als SPD-Fraktion wollen wir vor allen Dingen die Region Südwestsachsen stärken. Uns ist es wichtig, dass sich die Grundschullehrerausbildung an der TU Chemnitz weiterentwickelt. Wir wollen dort eine Primarstufe Plus ausbilden, das heißt, es soll eine Ausbildung entwickelt werden, die am Ende Primarstufe und Sekundarstufe I, also Klassen 1 bis 10, miteinander verbindet. Man studiert ein vertieftes Fach und kann so am Ende neben der Grundschule auch an Oberschulen, Oberschule Plus oder Gemeinschaftsschule eingesetzt werden. Dieses Modell hat aus unserer Sicht die Chance, den Übergang nach Klasse 4 auch in der Lehrerbildung zu verbessern. Vor allen Dingen ist es aber auch ein Modell, das die bestehenden Fächer an der TU Chemnitz passfähig nutzt, nämlich Deutsch, Mathematik, Englisch, Sport, Ethik und WTH, die dort bereits bestehen. Die Primarstufe Plus ist unsere Antwort auf den aus der Region halbjährlich durchaus wechselnden Ruf nach einer wahlweisen Oberschulen-, neuen Gymnasial- oder neuen Berufsschullehrerausbildung. Werte Kolleginnen und Kollegen! Sie finden im Antrag auch einen Modellstudiengang, der eine Kooperation zwischen Universität und Fachhochschule vorsieht. Das ist ein Modell, um die Ausbildung in der Fläche und in den Regionen zu stärken. Es kann ganz gezielt ganz bestimmte Schularten stärken. Wir sehen dabei am ehesten die Ausbildung im beruflichen Lehramt, insbesondere in den technischen Bereichen. Wir wollen in den kommenden Jahren die Ingenieurs-, Wirtschafts- und Gesundheitspädagogik stärken, um gut qualifizierte Lehrkräfte, den Nachwuchs in diesen Branchen zu haben. Aber auch das Förderschullehramt und die Verknüpfung zu Inklusionsstudien oder Heilpädagogik werden stärker in den Fokus rücken. Meine Damen und Herren! Sicherlich werden wir nach Vorlage der Konzepte und spätestens mit Beschluss des Doppelhaushaltes erneut über dieses Thema sprechen. Dies heute ist also eher der Auftakt für die Debatte in den kommenden Monaten, aber ein wichtiger Meilenstein auf unserer langen Roadmap für eine stabile und verlässliche Lehrerbildung. Die SPD-Fraktion wirbt deshalb um Zustimmung für diesen Antrag. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und den BÜNDNISGRÜNEN)

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