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Iris Firmenich

CDU 17.12.2020 Sitzungen 7/20

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Corona beschäftigt uns aktuell jeden Tag. Das sind Herausforderungen, auch im Bereich Bildung, Schule und Hochschule. Trotzdem dürfen wir langfristige Prozesse nicht aus den Augen verlieren. Unser Antrag zur Weiterentwicklung des grundständigen Lehramtsstudiums lenkt deshalb den Blick auf eines der wichtigsten Themen in unserem Land: auf die Bildung. Sie ist die wichtigste Investition in die Zukunft, und dafür brauchen wir ausreichend gut qualifizierte und hoch motivierte Lehrkräfte. Wir haben schmerzhaft erfahren, wie es ist, wenn es daran mangelt, und wir haben daraus gelernt und die Weichen gestellt, um die Lehrerversorgung bedarfsgerecht absichern zu können. Dazu gehören die Anhebung der Vergütung und die Angleichung der Vergütung zwischen den Schularten ebenso wie die Verbeamtung seit Beginn 2019, die Einstellungsgarantie für Referendare sowie die Zahlung von Anwärter-Sonderzuschlägen als Anreiz für die Tätigkeit an einer Schule im ländlichen Raum. Dies alles setzt aber voraus, dass sich genügend junge Menschen für den Beruf eines Lehrers oder einer Lehrerin begeistern lassen, dass sie sich entscheiden, ein Studium an einer Universität in Sachsen aufzunehmen und dann möglichst auch noch die Fächer und Schularten zu studieren, die gebraucht werden. Der Schlüssel für eine auskömmliche Lehrerversorgung ist die möglichst bedarfsgerechte Lehrerausbildung. Diese gilt es so gut wie möglich zu steuern, deshalb wurden 2012 zum ersten Mal Sonderzielvereinbarungen mit den lehrerbildenden Universitäten abgeschlossen, um ab dem Herbstsemester 2012/2013 die Zahl der Studienanfänger möglichst so zu lenken, dass sie die Schularten und Fächer studieren, die wir an unseren Schulen brauchen. Im Jahr darauf nahm die TU in Chemnitz die Ausbildung der Grundschullehrer wieder auf. Die Sonderzielvereinbarungen wurden inzwischen fortgeschrieben, und die Zahl daher die Fraktion DIE LINKE, ob sie eine Schlussabstimmung wünscht. – Sie wird nicht gewünscht. Damit ist die zweite Beratung abgeschlossen, und der Tagesordnungspunkt ist beendet. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, ich rufe auf zukunftsgerecht weiterentwickeln Fraktionen CDU, BÜNDNISGRÜNE und SPD, der Staatsregierung der Studienanfänger bzw. Studienanfängerplätze hat sich seit 2011 inzwischen mehr als verdoppelt. Sie beträgt aktuell 2 400. Obwohl seit einigen Jahren sogar mehr als diese 2 400 jungen Lehramtsstudentinnen und -studenten an sächsischen Unis eingeschrieben sind, gelingt es nicht in allen Bereichen so zu steuern, dass die Zielvorgaben genau erfüllt werden. Nach wie vor entscheiden sich mehr junge Leute, das Lehramt für Gymnasium zu studieren, als dort gebraucht werden, und beim Lehramt für Oberschulen fehlen sie uns. Während sich dies später an den Schulen ausgleichen lässt, weil ein Lehrer für Gymnasium auch an einer Oberschule unterrichten kann, sieht es bei den Berufsschullehrern schon etwas differenzierter aus. Von den an der TU Dresden verfügbaren Studienplätzen für das Lehramt an beruflichen Schulen bleiben regelmäßig viele frei, obwohl der Bedarf an den Berufsschulen ständig wächst. Anders beim Lehramt für Sonderpädagogik. An der Uni Leipzig gibt es sogar mehr Studienanfänger, als die Zielvereinbarung vorsieht. Trotzdem fehlen sie uns in den Regionen im Land. Dort liegt das Problem woanders: Die jungen Menschen haben die Stadt Leipzig offenbar am Ende ihres Studiums so liebgewonnen, dass sie von dort nicht mehr wegwollen und sich schlecht in den ländlichen Raum locken lassen. Beim Lehramt für Musik gelingt es der Hochschule für Musik in Dresden leider auch nicht, die wenigen verfügbaren Studienplätze mit Studierenden zu besetzen. Es sind nicht viele, doch von den 29 Studienplätzen für Musik für Oberschule und Gymnasium bleiben zehn unbesetzt, und dann ist es eben doch etwa ein Drittel. (Unruhe bei der AfD) Auch der Blick auf die Fächerverteilung ist aufschlussreich. Nach wie vor gilt die Fächerkombination Deutsch/ Geschichte als besonders attraktiv. Bei Mathematik und Naturwissenschaften gleichen sich die Unis Dresden und Leipzig ganz gut aus. Durchgängig zu wenige Studienanfänger interessieren sich jedoch für das Fach Kunst, und das macht mir – ebenso wie Musik – große Sorgen. – So weit zu den Studienanfängern. Nun zu den Absolventenzahlen. Leider besteht offenbar weder an den Hochschulen noch in der landesweiten Statistik ein genauer Überblick über die Zahl derer, die das begonnene Lehramtsstudium abbrechen. Jeder, der den Studiengang, die Hochschule, die Hochschulart oder den -ort wechselt, ist statistisch gesehen kein Studienabbrecher. Das hilft uns allerdings nicht bei der Einschätzung des Studienerfolgs. Nach den Angaben der fünf Hochschulen, die Lehrer ausbilden, liegt die Studienerfolgsquote bei 75 % und damit im Mittel der allgemeinen Erfolgsquote. Für eine zielgenaue Steuerung wären allerdings detailliertere Angaben wünschenswert. Meine Hoffnung liegt da auf der Weiterentwicklung der Digitalisierung, zum Beispiel durch die Einführung eines digitalen Student Life Cycle an den Hochschulen, mit dessen Hilfe man solche Analysen durchaus erstellen kann. Obwohl in der Stellungnahme der Staatsregierung in Bezug auf die vorgelegten Zahlen immer mit der Einschränkung der relativen Ungenauigkeit wegen zeitlicher Verschiebungen und aufgrund von Datenschutz argumentiert wird, denke ich, kann man trotzdem daraus erkennen, dass sich das Verhältnis bei den Absolventenzahlen zwischen Oberschule und Gymnasium langsam zugunsten der Oberschulen etwas verschiebt. Das ist sehr positiv. Sorgenkind bleiben die Berufsschulen, bei denen seit 2016 eine rückläufige Tendenz erkennbar ist. Es gibt aber auch Grund zur Freude: Offensichtlich bleiben immer mehr Absolventen hier, treten in den grundständigen Vorbereitungsdienst, also die zweite Stufe der Lehramtsausbildung ein und bleiben auch danach noch im Schuldienst in Sachsen. Das ist ganz entscheidend für die Lehrerversorgung an unseren Schulen. Unser Maßnahmenpaket entfaltet also seine Wirkung. Im vergangenen Jahr haben fast genauso viele junge Lehrer ihren Vorbereitungsdienst in Sachsen angetreten, wie es Absolventen gab. Allerdings tut das nur ungefähr ein Drittel der frischgebackenen Sonderpädagogen. Wie gesagt: Keiner will weg aus Leipzig. Hier müssen wir mit der Ausbildung in die Region gehen und versuchen, die Studierenden dann dort zu halten. Wir wollen mit unserem Antrag darüber hinaus wissen, wie sich die Zentren für Lehrerbildung an den Unis entwickelt haben. Auch dort sieht die Bilanz sehr positiv aus. Die Zentren für Lehrerbildung sind Koordinatoren für die Lehrerausbildung. Aber sie leisten darüber hinaus noch vieles mehr. Sie kümmern sich um Lehrerfortbildung, führen eigene Lehrangebote durch, engagieren sich für die wissenschaftliche Forschung, entwickeln gemeinsam das Praktikumsportal, unterstützen den Bereich schulpraktischer Übungen und beeinflussen mit ihrem breiten Aufgabenspektrum die Qualität der Lehramtsausbildung ganz maßgeblich. Hervorheben möchte ich hier ganz besonders die TU Chemnitz; denn das Zentrum für Lehrerbildung wurde 2019 für die exzellente Lehre im Studiengang Lehramt an Grundschulen mit dem Lehrpreis der TU Chemnitz ausgezeichnet und damit als Institution insgesamt gewürdigt. Das muss man auch einmal sagen dürfen. (Beifall bei der CDU und der SPD) – Genau. Wie reagieren wir nun auf den Mangel an Berufsschullehrern? Um die Situation zu verbessern, hat man an der TU Dresden in den vergangenen zehn Jahren verschiedene Projekte durchgeführt. Dazu gehören die Projekte KAtLA und KAtLA+. Dabei handelt es sich um Studienmodelle, die die TU Dresden in Kooperation mit der HTW Dresden entwickelt hat. Akademische und berufliche Ausbildung werden miteinander verbunden und ein Übergang von der HTW an die TU Dresden ins Lehramtsstudium ermöglicht. Das Projekt OptLA baut auf den Erfahrungen beider vorgenannter Modelle auf und bezieht in die Kooperation weitere Hochschulen ein, so die Westsächsische Hochschule Zwickau, die Hochschule Mittweida und die Hochschule Zittau/Görlitz. Auch hier ist es das Ziel, geeignete Studiengänge so zu entwickeln, dass sie eine Durchlässigkeit hin zum Lehramt für berufliche Schulen ermöglichen. Wir erhoffen uns damit, mehr Studieninteressenten zu gewinnen. Als sächsisches Erfolgsmodell erweist sich offenbar das FSJ Pädagogik. Darin können sich Abiturienten ausprobieren, ob ihnen der Beruf als Lehrer liegt, und sie haben auch die Chance, dort Schularten kennenzulernen, die sie innerhalb ihrer Schulbiografie selbst gar nicht besucht haben. Die Zahl der Bewerber für das FSJ Pädagogik ist ständig gestiegen, zumal die Unis inzwischen dafür einen Bonus in Form der Aufwertung der Durchschnittsnote für die Hochschulzulassungsberechtigung gewähren. Das Resümee im Ganzen gesehen ist also gar nicht schlecht. Jetzt kommt es darauf an, sich den Problemfeldern noch mehr zuzuwenden und das grundständige Lehramtsstudium zukunftsgerecht weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, soweit es im kommenden Doppelhaushalt darstellbar ist, die Zahl der Studienplätze temporär um weitere 300 auf 2 700 aufzustocken und damit verschiedene Modellstudiengänge zu konzipieren und zu ermöglichen. Dabei geht es uns um die Regionalisierung der Lehramtsausbildung durch Kooperationen, unter anderem der Uni Leipzig mit Hochschulen für angewandte Wissenschaften, speziell am Standort Görlitz, und ebenso um die Verstetigung bzw. Ausweitung von KAtLA und KAtLA+. Bis Ende März 2021 sollen weiterhin Konzepte für einen Modellstudiengang Primarstufe Plus entsprechend dem Lehramtstyp 2 an der TU Chemnitz sowie ein Modell für die Stufenausbildung gemäß KMK Lehramtstyp 4 an der Uni Leipzig erstellt werden. Ebenfalls in Leipzig soll die Wirtschaftspädagogik verstetigt und ein Lehramtsstudiengang eingeführt werden. Im Koalitionsvertrag haben wir uns darauf verständigt, zur Förderung der Qualität in der Lehramtsausbildung die Einrichtung einer School of Education zu prüfen. Wir bitten die Staatsregierung, über die Erfahrungen anderer Länder, die über eine solche School of Education verfügen, zu berichten und zu prüfen, ob das für Sachsen eine sinnvolle Option ist. Das Streben nach einer möglichst hohen Studienerfolgsquote, unterstützt durch geeignete Maßnahmen, um Studienabbrüche zu verhindern, sehen wir ebenso als eine Daueraufgabe an wie die kontinuierliche Begleitung der Umsetzung der Zielvereinbarungen an den einzelnen Hochschulen und die Berichterstattung darüber in dem zuständigen Landtagsausschuss. Dafür bitte ich Sie um Ihre Zustimmung und bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU, der SPD und der Staatsregierung)

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