Ingo Flemming
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Stärkung des Holzbaus in Sachsen – ein sehr guter Antrag, wie ich finde. Der Umgang mit Holz als nachhaltige Ressource hat in Sachsen eine jahrhundertealte Tradition. Der Begriff der Nachhaltigkeit selbst stammt aus der sächsischen Forstwirtschaft. Bis weit in das 19. Jahrhundert war Holz der wichtigste Baustoff und wichtigste Energielieferant des Menschen. Holz war leicht zu beschaffen, in der Region erhältlich, leicht zu transportieren, leicht zu verarbeiten und nach einer Nutzung immer noch als Brennstoff zu verwenden. Das können wir heute mit dem Begriff der Nachhaltigkeit bezeichnen. Ein Höhepunkt handwerklich gefertigter Holzbauten waren die Fachwerkbauten und die Umgebindehäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Viele der heutigen Kenntnisse über die Eigenschaften und das Potenzial von Holz haben ihren Ursprung in dieser Zeit. Allerdings wurde während der industriellen Revolution das handwerklich leicht bearbeitbare Material Holz in großem Umfang durch andere Baustoffe, beispielsweise Stahl, ersetzt, die schnell zu Protokoll ben Olaf Scholz und seine Kabinettskolleg(innen) Wort gehalten und den kommunalen Solidarpakt auf den Weg gebracht. Mit dem vorliegenden Gesetz bringen wir die Prozesse des Bundes mit unseren sächsischen in Einklang und setzen den Solidarpakt um. Konkret heißt das: Sachsen und der Bund übernehmen die Gewerbesteuerausfälle der Kommunen jeweils zur Hälfte. Der sächsische Teil wurde bereits am 17. August ausgezahlt. Nun wird vor Jahresende der Bundesanteil – insgesamt 156 Millionen Euro – als pauschale Zuweisung an die Kommunen weitergereicht. Das entlastet die Haushalte und gibt unseren Städten und Gemeinden etwas Luft zum Atmen. Die Ausführung des Bundesgesetzes erfordert eine rechtliche Grundlage auf Landesebene, die wir heute schaffen wollen. Ich bitte Sie um Zustimmung zum Gesetzentwurf. Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Meine Damen und Herren! Ich rufe auf Holzbaus in Sachsen CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD, der Staatsregierung und in großen Mengen herstellbar waren und nicht erst nachwachsen mussten. Ein großes Problem war traditionell der Brandschutz. Da die Fachwerkhäuser im 18. und 19. Jahrhundert als besonders brandgefährlich galten, wurde zum Beispiel die Verputzung der Fachwerkfassaden angeordnet. Verheerende Stadtbrände lieferten dafür ausreichend Gründe. Ein weiterer Vorbehalt gegen die Holzbauweise war der bäuerliche Charakter, den in dieser Zeit viele als ärmlich empfanden. Diese Geringschätzung des Fachwerks blieb bis ins 20. Jahrhundert bestehen. Holz nahm in seiner Bedeutung ab und blieb nur einer von vielen Baustoffen. Konstruktiv stehen heute in Mitteleuropa Beton, Mauerwerk und Stahl deutlich vor dem Holz im Mittelpunkt des Bauens. In anderen Regionen der Welt hat der Holzbau weniger von seiner Bedeutung eingebüßt. Wenn man nach Nordamerika in die USA oder nach Kanada schaut, so werden dort nach wie vor und traditionell sehr viele Gebäude in konstruktiver Bauweise mit Holz errichtet, beispielsweise Wohngebäude fast standardmäßig, zumindest im ländlichen Raum, aber auch mehrgeschossige Verwaltungsgebäude. Die Zeiten ändern sich glücklicherweise auch bei uns. Heute sind Fachwerk- oder Umgebindehäuser wieder modern. Die historischen Häuser werden umfassend erhalten, denn Fachwerkneubau erlebt eine Renaissance. Auch neue und moderne Tafel- und Modulbauweisen basieren auf dem Baustoff Holz. Als Bauingenieur weiß ich, dass Holz einen hohen Vorfertigungsgrad ermöglicht. Das begünstigt die Modulbauweise und damit das serielle Bauen. Das kann zu erheblichen Bauzeitverkürzungen und Kosteneinsparungen führen und bei Typenbauweisen sogar die Planung und Genehmigung erheblich vereinfachen. Vorbehalte gegenüber dem Holz, zum Beispiel der Brandschutz, können heute entkräftet werden. Ausreichende Feuerwiderstandszeiten können stofflich und konstruktiv gewährleistet werden. Auch die bauphysikalischen Eigenschaften können sich messen lassen. Ausreichender Schallschutz wird mit entsprechenden Konstruktionen erreicht, und in Sachen Wärmedämmung und Isolierung ist Holz Baustoffen wie Beton, Mauerwerk und Stahl weit überlegen. Vorbilder für modernen Holzbau gibt es in der heutigen Zeit ausreichend – national und international. Ich will nur eines benennen: Das HoHo Holzhochhaus in der Stadt Wien, das weltweit höchste Hochhaus in Holzbauweise bei immerhin 84 Metern Höhe und 24 Geschossen, hat eine Investitionssumme von 75 Millionen Euro – und das bei 25 000 Quadratmetern Geschossfläche. Das bedeutet, wenn man es umrechnet: 3 000 Euro auf den Quadratmeter in schlüsselfertiger Bauweise. Das sind Kosten, die sich mit konventionellen Bauweisen durchaus messen können. Dort kombiniert sich eine moderne Arbeitswelt mit der Wärme und Tradition von Holz. Es ist ein Meilenstein des derzeitigen internationalen Holzbooms. Uns führt es vor Augen, welche Hochleistung der natürliche Werkstoff heute im konstruktiven Holzbau erbringen kann. Es ist höchste Zeit, dieses Thema auch in Sachsen voranzutreiben. Wir als Koalitionsfraktionen haben deshalb das Thema Holzbau in unserem Koalitionsvertrag fest verankert. Wir wollen die Verwendung von Holz, aber auch von anderen nachwachsenden und ökologischen Baustoffen, insbesondere recycelter und wiederverwendbarer Materialien, in den bauinvestiven Förderprogrammen unterstützen. Hierzu müssen aber noch einige rechtliche Hemmnisse bei der Nutzung dieser Materialien geprüft und möglichst beseitigt werden. Das betreibt die Koalition gerade mit der Überarbeitung und der Neuauflage der Sächsischen Bauordnung. Insbesondere werden die Brandschutzanforderungen dabei den heutigen Erkenntnissen zum Stand von Wissenschaft und Technik angepasst und der Holzbau bis zur Hochhausgrenze ermöglicht. Das sind immerhin 22 Meter. Das heißt, damit wären also 6-geschossige Wohn- und Verwaltungsgebäude möglich. Um die Kompetenzen in der Planung sowie beim Bauen mit Holz zu bündeln und Referenzprojekte für Interessenten zugänglich zu machen, soll ein Sächsisches HolzbauKompetenzzentrum errichtet werden. Auch das ist Inhalt dieses Antrags. Damit können bereits vorhandene Potenziale im Holzbau gehoben und vernetzt werden. Bei der Umsetzung von Bauprojekten der öffentlichen Hand soll der Freistaat mit gutem Beispiel vorangehen und innovative Baustoffe nutzen. Zur weiteren stofflichen und energetischen Nutzung werden Netzwerke, zum Beispiel simul+, LignoSax oder Wood for Industry, unterstützt. Lassen Sie uns Sachsen zu einem Musterland des modernen Holzbaus machen! Das ist ein wirklich sinnvoller Schritt zu mehr Nachhaltigkeit beim Bauen. Damit können wir Sachsen, beispielsweise mit dem aus Sachsen kommenden Carbonbeton, auf diesem Gebiet zu einem Innovationstreiber machen. Ich bedanke mich. (Beifall bei der CDU) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Vielen Dank an Kollegen Flemming für die CDU-Fraktion. Für die BÜNDNISGRÜNEN spricht Herr Kollege Löser; bitte.
