André Barth
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Am 15. November 1989, sechs Tage nach dem Mauerfall, sollte die DDR-Fußballnationalmannschaft den damaligen Fußballzwerg Österreich bespielen – das letzte WM-Qualifikationsspiel zur WM 1990. Die DDR als klarer Favorit verlor 0 : 3 in Wien und verpasste somit die zweite WM-Teilnahme. Westliche Spielerberater hatten den DDR-Fußballern den Kopf verdreht und mit lukrativen Verträgen für die Bundesliga geworben. Tatsächlich fand danach ein Ausverkauf statt: Dynamo Dresden – achtfacher DDR-Meister, siebenfacher FDGBPokalsieger, 98 Europapokalspiele, UEFA-Cup-Halbfinalist 1988/89; Matthias Sammer – für 2,6 Millionen DM zu Stuttgart gewechselt, Stuttgart verkaufte ihn ein Jahr später für 12 Millionen DM an Inter Mailand; Ulf Kirsten – für 3,6 Millionen DM zu Bayer Leverkusen gewechselt; beim BFC Dynamo: Thomas Doll, Wechsel für 2 Millionen DM zum Hamburger SV, Hamburg transferierte ihn elf Monate später für 15 Millionen DM zu AS Rom und hat sich allein durch diesen Spieler von allen Schulden befreit; HFC: Dariusz Wosz für 800 000 DM zu Bochum gewechselt, Bochum transferierte ihn später für 5,4 Millionen DM zu Hertha BSC; Chemnitzer FC: Rico Steinmann – für 2,8 Millionen DM zum 1. FC Köln gewechselt; Lok Leipzig: Uwe Zötzsche – wechselte zu Racing Straßburg; Olaf Marschall – wechselte zum SC Wacker Wien. Alle genannten Spieler waren Nationalspieler der DDR-Nationalmannschaft 1989/90. Eine Quote für die 1. und die 2. Bundesliga gab es bis Platz 8 der DDR-Oberligatabelle; wir haben das alles schon gehört. Nun ein paar Fakten zu Dynamo Dresden: Einige Jahre 1. Bundesliga; immer gegen den Abstieg gespielt; eine Saison mit innersächsischen Duellen gegen den VfB Leipzig; 1994/95 erfolgte ein 4-Punkte-Abzug wegen Erschleichens der Lizenz in der Otto-Ära; Klassenerhalt mit Sigfried Held; erneuter Abgang von Schlüsselspielern – Maucksch, Schößler, Jeremies –, um den Schuldenberg zu minimieren; in der Saison 1995/96 dann der letzte Platz, Lizenzverweigerung wegen Schulden von 10 Millionen DM, Abstieg in die drittklassige Regionalliga Nordost; Tiefpunkt 2000: Dynamo verpasst die Qualifikation für die zweigleisige Regionalliga und spielt wieder in der Oberliga, nunmehr viertklassig, unter anderem auch gegen den Dresdner DSC. Es folgte ein innerstädtisches Duell gegen den ehemaligen Reichsfußballmeister von 1943 und 1944; erst 2002 Wiederaufstieg in die Regionalliga – 3. Liga; 2004 Aufstieg in die 2. Liga; 2005: rund 20 000 Dresdner Fans in der Münchner Allianz Arena sehen das 2 : 1 gegen den TSV 1860, womit Dynamo der erste Auswärtssieger in der Allianz Arena wurde; am vierten Spieltag dann tatsächlich der dritte Tabellenplatz der 2. Bundesliga; im Mai 2006 trotz 3 : 1-Auswärtssieg gegen den FC Hansa Rostock mit 41 Punkten aus der Bundesliga abgestiegen; 2008: akute Finanzierungslücke – die Stadt Dresden sprang mit einem Darlehen von 1,2 Millionen Euro ein; 2011: erneuter Aufstieg; 2014: weiterer Aufstieg in die 2. Liga; 2016: als Drittligameister erneut aufgestiegen; 2020: Abstieg infolge von Corona. (Dirk Panter, SPD: Der Fußballstatistik-Mann!) Insgesamt gab es 37 Trainer, die die Mannschaft seit 1990 mindestens einen Spieltag lang betreut haben. Was wir brauchen, ist auf jeden Fall mehr Kontinuität in einigen ostdeutschen Fußballvereinen, eine gerechtere Verteilung von TV-Geldern, vor allem an Drittligisten, sowie mehr Solidarität unter den Proficlubs – das hat die Corona-Zeit gezeigt. Was wir aber nicht brauchen, sind Balla-Balla-Anträge von den LINKEN. Recht herzlichen Dank, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD)
