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Albrecht Pallas

SPD 01.10.2020 Sitzungen 7/15

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Angesichts drängender Probleme in Ostdeutschland drängt sich die Frage auf, warum DIE LINKE ausgerechnet diesen Schwerpunkt setzt. Wir haben von den Vorrednern zur Lage im ostdeutschen Fußball schon einiges gehört, und ich will nicht wiederholen, wie gut so mancher ostdeutsche Fußballverein ist. Warum also macht DIE LINKE mit ihrer Debatte den ostdeutschen Fußball so schlecht? Warum diese Debatte? Wenn es um die Probleme in Ostdeutschland geht, warum benennen Sie sie dann nicht? Ich sehe eigentlich drei Möglichkeiten, warum Sie es so machen: Erstens: Die LINKE versucht sich in Identitätspolitik und möchte über den Sport Heimatgefühle schaffen. Zweitens: DIE LINKE möchte über den Fußball ihr Verhältnis zum Kapitalismus neu definieren und wirbt um solvente Großinvestoren für klamme Ostvereine. Dritter Weg: DIE LINKE möchte auf die missliche Wirtschaftslage im Osten hinweisen und bemüht dafür als Einstieg den Fußball; denn Fußball ist anschlussfähig. Ob der erste Weg, die Identitätspolitik, eine gute Idee ist, darf bezweifelt werden. Der eigene Verein als völkisch aufgeladene Trutzburg gegen System und Westen führte nicht nur in den Baseballschlägerjahren, sondern auch in der jüngeren Vergangenheit zu widerlichen Auswüchsen. Mir fallen spontan Cottbus, Chemnitz, Lok, aber leider auch Dresden ein. Vereine schaffen Orte des Zusammenlebens. Sie sind soziale Orte, wenn sie offen und tolerant sind. Das ist aber unabhängig von den Debatten über Auf- oder Abstieg. Auch der zweite Weg – DIE LINKE möchte mit neuer Nähe zum Kapitalismus in die Bundesliga vorstoßen – ist nicht der wahrscheinlichste. Es gibt genau einen Verein im Osten der Republik, der es geschafft hat, schnell in die Bundesliga zu kommen und dort nachhaltig zu bleiben: RB Leipzig. Mit viel Geld und dem ganzen turbokapitalistischen Know-how von Red Bull wurde ein kleiner Vorstadtverein in Rekordzeit durch die Ligen transferiert. Der Verein RB hat übrigens bis heute lediglich 19 Mitglieder. Schnell nach oben geht also mit viel Geld, möglichst wenig störender Vereinsdemokratie und, ja, es muss auch jemand das Geld gut einsetzen, und das immerhin sei RB zugestanden. Sie müssen sich also entscheiden, ob Sie den Kapitalismus überwinden wollen oder jammern, dass die Kapitalisten Sie nicht mitspielen lassen. Andere Ostvereine versuchen es mit lokalen Sponsoren, was mich zur dritten Variante führt. DIE LINKE möchte auf die missliche Lage im Osten hinweisen, und da muss ich Ihnen entgegenhalten: Es gibt Vereine, die probiert haben, mit mehr oder weniger seriösen Investoren aus dem Westen den schnellen Erfolg zu erkaufen. Die Namen Otto und Kölmel prägten Vereine und ihre Schuldenberge nachhaltig. Davon erholen sie sich bis heute zum Glück. Mit lokalen Sponsoren wachsen sie organisch und investieren maßvoll und mit Weitsicht in Infrastruktur und den eigenen Nachwuchs. Es gibt auch Rückschläge, aber die Vereine sind so nicht mehr in ihrer Existenz bedroht. 30 Jahre nach der Wende haben es einige geschafft, auf gesunden Füßen zu stehen, und haben gute Aussichten. Davor habe ich Respekt. Meine Damen und Herren! All diese Möglichkeiten überzeugen mich nicht. Auch aus den Redebeiträgen oder der Einbringung durch die Kollegin Tändler-Walenta werde ich nicht schlauer. Ich finde resümierend: Sie haben mit dieser Debatte sowohl dem Ostfußball als auch der Debatte um die Herausforderungen 30 Jahre nach der Wiedervereinigung einen Bärendienst erwiesen. Darum möchte ich die Gelegenheit nutzen und für die SPD-Fraktion Danke sagen: Danke an alle Ehrenamtlichen in den Vereinen, die das Fundament des Fußballs hier bei uns sind! Ich möchte auch denen Danke sagen, die sich als Sponsoren einbringen, als Funktionäre, Schiedsrichter(innen), Nachwuchsleiter(innen) und Rasenpfleger(innen). Danke für euer nachhaltiges Engagement! Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und der Staatsregierung)

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