Albrecht Pallas
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Sport verbindet uns Menschen auf eine einzigartige Weise. Dabei ist es gleich, ob und in welcher Intensität man ihn selbst betreibt. Er stiftet Identität mit dem Team, in dem wir spielen, oder dem Team, auf das wir halten, mit dem Verein, in dem der Sohn kickt, mit den Mitspielern der Tochter oder mit der Natur, in der wir uns sportlich bewegen. Sport vermittelt uns Respekt, Respekt vor Herausforderungen und vor Leistungen, auch denen der sportlichen Gegner. In Sachsen gibt es rund 4 500 Sportvereine, in denen über 600 000 Menschen gemeinsam Sport treiben. An der Stelle möchte ich mit einem sprachlichen Bild aufräumen, das wir heute schon mehrfach gehört haben und das ich und meine Fraktion durchaus schon oft benutzt haben. Es geht um das Bild der größten Bürgerbewegung Sachsens, und das vor allem deshalb, weil ich heute darauf gestoßen wurde, dass allein die evangelische Kirche in Sachsen 660 000 Mitglieder hat. Insofern ist der Superlativ einfach nicht passend; dennoch soll es keinesfalls die Bedeutung des Sports für Bewegung und für den Zusammenhalt im Freistaat Sachsen schmälern. (Beifall bei der SPD) Der organisierte Sport leistet nicht nur einen enormen Beitrag zur Förderung der Gesundheit; Sportvereine sind ein wichtiger Bestandteil einer lebendigen Demokratie und wichtig für eine gelingende Integration verschiedener sozialer Gruppen in die und in der Gesellschaft. Bereits jetzt hat die Inklusion besonders für Menschen mit Behinderung durch den Sport eine große Bedeutung. Beim Sport übernehmen Menschen Verantwortung füreinander und für gemeinsame Ziele und Projekte. Sie stellen sich demokratischen Wahlen, schaffen geregelte Zusammenarbeit und sorgen für die Teilhabe aller Mitglieder am Vereinsleben. All das geschieht nahezu vollständig ehrenamtlich und auf der freiwilligen Basis gemeinsamer Begeisterung. Aus SPD-Sicht sind dafür auch die Projekte für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch die Demokratie-Trainerinnen und -Trainer im organisierten Sport wichtig. Diese gilt es deshalb auch zu verstetigen und zu stärken. Sportvereine sind alles in allem für uns wichtige Partner für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt in Sachsen. Deshalb steht die Unterstützung der 100 000 Sportfreundinnen und Sportfreunde und ihrer Vereine schon länger im Mittelpunkt unserer Politik. So haben wir im letzten Doppelhaushalt insgesamt 119 Millionen Euro in den Sport investiert. Wir haben damit das hohe Investitionsniveau bei der Unterstützung der Vereine und Kommunen gehalten, das es auch weiterhin zu halten gilt. Eines muss auch einmal ausgesprochen werden: Auch bei einem hohen Investitionsniveau ist nicht alles, was gebraucht wird, auf einmal möglich. Der Freistaat Sachsen mit seiner Sportförderung und die Kommunen mit ihrer Sportförderung müssen natürlich bei der Abarbeitung der Bauprojekte Prioritäten setzen. Insofern kann ich die häufige Prioritätensetzung bei der Unterstützung kommunaler Sportstätten oder auch Vereinssportstätten durchaus verstehen. Wir haben Förderverfahren bereits jetzt vereinfacht und die Förderquote auf 50 % angehoben. Ich möchte aber auch deutlich machen, dass es eine Daueraufgabe ist, hier besser zu werden. Wer sich schon einmal für einen Verein eingesetzt und einen Förderantrag für eine Baumaßnahme gestellt hat, der weiß, wovon ich spreche, und der weiß auch, wie viel Frustpotenzial dahintersteht, wenn es aufgrund nicht transparenter Problemlagen und Argumente auf Behördenseite nicht vorangeht oder sich eine Maßnahme nochmals verändert bzw. verzögert. Da müssen wir alle miteinander besser werden, damit dieser Frust möglichst kleingehalten wird. Im Koalitionsvertrag haben wir eine weitere gute Grundlage für die Unterstützung des Sports und der Aktiven im Land verankert. Für die SPD-Fraktion war und ist es wichtig, die sächsischen Strukturen im Sport langfristig und verlässlich zu finanzieren. Aktuell bleibt es zwar erst einmal bei der Finanzierung auf der Basis von Zuwendungsverträgen; es bleibt aber auch bei unserem langfristigen Ziel, ein sächsisches Sportfördergesetz zu schaffen, selbst wenn es in dieser Koalition mit der CDU und den GRÜNEN derzeit nicht mehrheitsfähig ist. Wir haben aber einige andere wichtige Schritte vereinbaren können. So werden wir zur Förderung des Ehrenamts im Sport die Übungsleiterpauschale an die Ehrenamtsförderung des Programms „Wir für Sachsen“ angleichen. Warum das ein sehr entscheidender Schritt ist, möchte ich kurz darlegen; denn dahinter steht ein großes Problem. Während die Anzahl der organisierten Sportlerinnen und Sportler im Freistaat Sachsen durchaus kontinuierlich steigt, sinkt die Zahl derer, die bereit sind, sich ehrenamtlich mit solchen Verpflichtungen zu engagieren. Deshalb brauchen wir verschiedene Elemente, mit denen es gelingt, Motivation zu schaffen und Anreize zu setzen, damit wir auch bei den Trainerinnen und Trainern, bei den Übungsleiterinnen und Übungsleitern ausreichend Nachwuchs bei der steigenden Anzahl von Sportlerinnen und Sportlern bekommen. Die Basis für den Zusammenhalt, das Gemeinschaftserlebnis, aber auch die sportlichen Erfolge in Sachsen sind die vielen Sportlerinnen und Sportler vor allem im Breitensport. Ihnen gilt zu Recht unsere volle Aufmerksamkeit. Der Breitensport muss deshalb weiterhin ausreichend gefördert werden. Gemeinsam mit den sächsischen Kommunen wollen wir deshalb die Förderung des Breitensports, zum Beispiel durch Investitionszuschüsse für kommunale und Vereinsstätten, auf hohem Niveau halten. Uns ist aber auch die Förderung des Spitzensports wichtig, denn er hat nun einmal die große Strahlkraft auf die dahinterliegenden Breitensportstrukturen und die Nachwuchsförderung. Damit Training, Wettbewerbe und Berufsleben unter einen Hut passen, schaffen wir die Möglichkeit einer dualen Karriere für Spitzensportlerinnen und -sportler. Ein weiterer wichtiger Punkt für uns als SPD ist die Errichtung eines Hauses des Sports in Leipzig; gern auch in Kooperation mit dem Sportamt der Stadt sowie weiteren Sportakteuren in der Region; denn wir wollen für die Unterstützung der Sportstrukturen eine gute räumliche Ausstattung für den Landessportbund und die Landesfachverbände gewährleisten. Zusammen mit den Möglichkeiten für unbefristete Arbeitsverträge, die wir bereits in der letzten Legislaturperiode geschaffen haben, sorgen wir insgesamt für gute Arbeitsbedingungen für die hauptamtlichen Beschäftigten im organisierten Sport. Davon haben letztlich auch die Sportfreundinnen und Sportfreunde in allen Sportarten, vor allem im Breitensport, etwas. Denn mit besseren Arbeitsbedingungen steigt die Zufriedenheit, steigt die Motivation, aber auch die Leistungsbereitschaft der Hauptamtlichen, um das Ehrenamt besser zu organisieren. An der Stelle möchte ich ein zweites Mal auf das Grundproblem hinweisen, dass wir im Nachwuchsbereich unbedingt etwas machen müssen. Es sind nicht nur die Anreize für Übungsleiterinnen und Übungsleiter, die wir im Blick haben müssen, sondern wir müssen auch im Jugendbereich schauen, dass das, was nachkommt, neben der sportlichen Betätigung auch den Weg in die ehrenamtliche Arbeit im Verein findet. Deshalb ist es eine sehr schöne Entwicklung, dass es in nahezu allen Landkreisen, bis auf zwei, in den Kreissportbünden Jugendbildungsreferenten gibt. Ich bin sicher, dass wir in Bälde sagen können, dass es in allen Landkreisen der Fall sein wird. Meine Damen und Herren! Dieses Jahr ist für unsere Gesellschaft, auch für den Sport, ein besonderes gewesen. Corona hat besonders den Breitensport vor große Herausforderungen gestellt. Viele Ehrenamtliche in den Vereinen konnten zunächst kaum noch aktiv Sport treiben. Sie mussten von heute auf morgen komplett umdenken: Trainingsmöglichkeiten fielen weg, ebenso die Einnahmen für die Vereine. Darum hat die Sachsen-Koalition mit dem Schutzschirm für den sächsischen Sport gegengesteuert. Das war eine Hilfe sowohl für gemeinnützige Vereine als auch für solche mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb, für den Breitensport, aber auch für den Profisport. Wir konnten sie vor wirtschaftlichen Schäden bewahren und letztlich ihre Existenz retten. Ich bin froh, dass wir uns mit der zielgenauen Unterstützung für besonders betroffene Vereine gegen ein Gießkannenprinzip durchsetzen konnten. Aber die jetzt vor uns liegende kalte Jahreszeit birgt wohl noch größere Herausforderungen für die Sportfreundinnen und Sportfreunde. In den nächsten Wochen wird es jahreszeitenbedingt wieder mehr Sport in der Halle anstatt draußen geben. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf das zumindest theoretische Infektionsrisiko. Ich bin aber zuversichtlich, dass alle vernünftig sind, sich an die Regeln halten und es deshalb auch in den nächsten Monaten möglich sein wird. Bei sportlichen Großveranstaltungen ist es besonders wichtig, diese Regeln einzuhalten. Damit ist der Blick vor allem bei den Profivereinen und den Fans von Klubs – Beispiel Dynamo Dresden und RB Leipzig –, die hier eine größere Vorbildfunktion haben, der sie auch grundsätzlich nachkommen. Ich möchte noch kurz auf die Rede der Kollegin TändlerWalenta mit ihrem Exkurs zu Dynamo eingehen. An dieser Stelle herzliche Grüße an die Kollegin Maiwald, die möglicherweise daran eine kleine Aktie hat. Ich möchte die Kritik, der Freistaat habe sich nicht ausreichend dafür starkgemacht, dass Dynamo wieder spielen kann usw., und sei deshalb implizit schuld am Abstieg, nicht ganz so stehen lassen. Ich möchte noch einmal vor Augen führen, dass in dieser Zeit eine krasse Abwägung zu treffen war, in diesem Fall zwischen den Interessen von 23 000 Vereinsmitgliedern und vier Millionen Sächsinnen und Sachsen, die vor einer Infektion zu schützen waren. (Marika Tändler-Walenta, DIE LINKE: Es ging um den Abbruch!) – Ich weiß, ich habe das verstanden. Trotz allem ist das Bedauern bei mir als Dresdner natürlich riesengroß, dass der Verein jetzt in der 3. Liga kickt. Ich denke, wir werden eine gute Entwicklung erleben, aber das Bedauern ist natürlich groß. Ich wollte diesen implizierten Vorwurf an dieser Stelle nur so nicht stehen lassen. Meine Damen und Herren! Wir haben die erste CoronaWelle gemeinsam gemeistert und den sächsischen Sport geschützt. Gemeinsam werden wir unser Land und den sächsischen Sport weiterhin gut durch die Pandemie steuern. Die SPD ist sowohl in der Koalition als auch als Partei an der Seite des Breitensports und der Aktiven in der Sportlandschaft. Ich bin sicher, dass es in Zukunft für über 700 000 Menschen weiter heißen kann: Sport frei! Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung)
