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Holger Hentschel

AfD 30.09.2020 Sitzungen 7/14

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir reden über Sport als tragende Säule der Gesellschaft. Eine tragende Säule steht in der Regel auf einem stabilen Fundament. Prüfen wir das Fundament als tragende Säule des Sports auf seine Festigkeit. Woraus besteht dieses Fundament? Es besteht aus Ehrenämtern, wie zum Beispiel dem Jugendwart, dem Kassierer, dem Übungsleiter und dem Trainer, dem Schriftführer, dem Gruppenleiter, dem Gerätewart, dem Platzwart, dem Betreuer und den Kampfrichtern, den Schiedsrichtern, dem Hallenwart, dem Mannschaftsfahrer, dem Vereinsmanager und vielen anderen Ehrenamtlern. Das Fundament sind die rund 100 000 Ehrenamtlichen mit über 15 Millionen unbezahlten Arbeitsstunden in circa 4 500 Sportvereinen in ganz Sachsen. 100 000 zuverlässige, verantwortungsbewusste und pünktliche Leute mit Organisationstalent, Durchsetzungskraft und Durchhaltevermögen. Diese fleißigen Leute schulen so wichtige Dinge wie Fairness, Hilfsbereitschaft, Kommunikation, Kooperation und Eigenverantwortung bei ihren jungen Schützlingen. Das sind positive Seiten, die oftmals prägend für das ganze Leben sind. Sie formen Persönlichkeiten. Der Verein ist oftmals die zweite Familie. Dann ist ja alles bestens, oder? Hört man sich in den Vereinen um, so erfährt man leider, dass es immer schwieriger wird, Freiwillige, also Ehrenamtler, für diese wichtigen Aufgaben zu finden. Warum? Was ist denn daran so schlimm, mal eine oder zwei Stunden als Trainer einer Jugendfußballmannschaft mit den Kindern über den Rasen zu laufen und gleichzeitig die eigene Fitness zu trainieren? Nehmen wir Andreas. Er ist Trainer einer Fußballkindermannschaft in seinem Heimatort. Zweimal pro Woche trainiert er sein Team für 1,5 Stunden. Er tut dies mit Herzblut. Für viele dieser Kinder ist er die zweite Familie. Bevor das Training aber beginnen kann, hat er bereits die Bälle geholt und aufgepumpt, einigen Schriftkram und die Vorbereitung des nächsten Spiels erledigt. Nach dem Training räumt er auf, pflegt die Homepage, organisiert den Wettkampf am Wochenende und muss sich nebenbei mit Dingen wie Förderanträgen, Datenschutz, Versicherungen und Abrechnungen auseinandersetzen. All das macht er für seine Schützlinge – natürlich ehrenamtlich. Ist er als Schiedsrichter eingesetzt, kann es passieren, dass sein selbstloser Einsatz mit übelsten Beschimpfungen belohnt wird. Das muss er wegstecken können – ehrenamtlich. Seine Familie braucht viel Geduld. Termine für Familienfeiern und Urlaubsreisen richten sich nach dem Plan für die anstehenden Spiele. Doch Andreas hat Glück. Der Opa von Erik, einem seiner eifrigsten Spieler, übernimmt Wochenende für Wochenende den Transport der kleinen Mannschaft quer durch ganz Sachsen zu den anstehenden Spielen mit seinem privaten Kleinbus – ehrenamtlich. Wer zählt die Stunden und Kilometer, welche dieser Opa nicht nur für seinen eigenen Enkel opfert? Wer fragt nach den Kosten des Transports? Das muss man sich erst einmal leisten können oder wollen. Für viele Leute gebe es sicherlich eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten, ihre Freizeit zu verbringen. Umso mehr sollte dieser oft selbstlose Einsatz gewürdigt werden. 40 Euro bei durchschnittlich 20 Stunden im Monat, wie es das Programm „Wir für Sachsen“ vorsieht, und die Ehrenamtskarte sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie decken nicht im Mindesten den Aufwand, den viele aus der eigenen Tasche bezahlen. Am 5. Dezember ist weltweiter Tag des Ehrenamtes. Große Internetauftritte, Dankeschön-Veranstaltungen mit ausgewählten Leuten, Blumen und Medaillen sind zwar schön, nutzen aber der Allgemeinheit nur wenig. Die damit verbundenen Aufrufe zur ehrenamtlichen Betätigung locken wohl auch die wenigsten hinter dem Ofen hervor. Laut der Onlinezeitung „idowa“ vom 5. Dezember 2019 warb die CDU-Vorsitzende, Frau Kramp-Karrenbauer, dafür, das Ehrenamt als einen Bewerbervorteil anzusehen, und forderte, dass Deutschland mehr tun müsse, um sich bei den Millionen Helden unseres Landes zu bedanken. Es ist schwer, Leute für ein Ehrenamt zu gewinnen. Noch schwerer ist es aber, sie dauerhaft zu halten. Wer möchte dem Unternehmer vorschreiben, das Engagement als Bewerbervorteil anzusehen, wenn der Jugendtrainer zum Beispiel wegen eines Auswärtsspiels seine Arbeit ein oder zwei Stunden eher verlassen muss? Es ist an der Zeit, sofern das Ehrenamt gerettet werden soll, für die Möglichkeit zu sorgen, wenigstens einen Teil des persönlichen finanziellen Aufwands ersetzt zu bekommen. (Beifall bei der AfD) Am Geld kann es nicht liegen. 2,5 Millionen Euro werden von der Staatsregierung bis zum Jahr 2024 zur Einrichtung eines sogenannten Demokratieinstitutes Sachsen eingeplant. Für sogenannte Integrationsprojekte liegen laut sächsischem Sozialministerium Förderanträge in Höhe von 57 Millionen Euro vor. Das sind 30 % mehr als im Vorjahr. Über das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“ wurden im Jahr 2019 über 4,5 Millionen Euro für Integrationsvereine à la couleur ausgereicht. Das sind circa 700 000 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Deshalb frage ich Sie Folgendes: Hat ein Sportverein an der Basis einfach die falschen Mittlerziele? Ist die Vermittlung von Fairness, Eigenverantwortung, Hilfsbereitschaft, Kommunikation und Kooperationsfähigkeit gegenüber der viel beschworenen Weltoffenheit und Toleranz nichts wert? (Beifall bei der AfD) Ist die vermeintlich richtige politische Einstellung dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden und der Gesundheit vorzuziehen? Meine sehr verehrten Damen und Herren auf der Regierungsbank! Selbst hoch bezahlte Profisportler – ich rede nicht nur vom Fußball – haben ihre Karriere einst als Kinder in einem Dorfverein begonnen, einem Verein, der von ehrenamtlichen Trainern und Betreuern gemanagt wurde. Diese Vereine sind das Fundament und die Basis der großen nationalen und internationalen Erfolge. Kommen wir aber zu dem Bild der tragenden Säule zurück. Der unterste Teil, die Basis, bröckelt. Meine Damen und Herren, tragen wir also etwas für diesen Teil bei, der nicht so stabil ist, wie er sein sollte. Es ist allerhöchste Zeit, ein Landesprogramm Ehrenamt aufzusetzen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)

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