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Susan Leithoff

CDU 16.07.2020 Sitzungen 7/13

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit Ihrem Antrag bezwecken Sie die Feststellung einer besonderen Schwere der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die naturwissenschaftliche Bildung unserer Kinder. Sie möchten diese dadurch ausgleichen, dass ab dem kommenden Schuljahr die Stundentafel zulasten des geistes- und sozialwissenschaftlichen Lernens – speziell zuungunsten der politischen Bildung – angepasst werden. Das ist gleich aus mehreren Gründen abzulehnen. Zum einen gibt es für Sachsen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei belastbare Daten darüber, welche Gruppe welche Lerndefizite aufgrund des eingeschränkten Schulbetriebes infolge der Corona-Pandemie aufweist. Folglich können inmitten der Pandemie, in der wir uns zweifelsohne noch befinden, kaum ernsthafte und sinnvolle Lösungen für Bildungsdefizite beschlossen werden, die so noch nicht einmal festgestellt worden sind. Zudem verkennen Sie mit Ihrem Antrag, dass allein eine Reduzierung auf vermeintliche Defizite in Mathematik und im naturwissenschaftlichen Bereich nicht hilft. Ihre pauschale Forderung – mehr Mathe, weniger Geschichte und Politik – passt in das Bild der einfachen und unreflektierten Lösungen, mit denen Sie glauben machen wollen, auch die komplexesten Probleme lösen zu können. (Beifall bei der CDU) Unsere Kinder sollten uns jedoch mehr als einen derartigen Schnellschuss wert sein. Für uns ist es wichtig, dass im kommenden Schuljahr die Schulen selbst anhand ihrer jeweils eigenen besonderen Situation die Lernstände der Schüler konsequent analysieren. Nur darauf aufbauend kann ein an die vor Ort bestehenden Bedürfnisse angepasstes Instrumentarium entwickelt werden, das die Auswirkungen der Pandemie auf die Bildung der sächsischen Schülerinnen und Schüler – und zwar in allen Grundlagenfächern – entsprechend mindert. Richtig ist, dass uns die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schulschließungen einige Schwachstellen unseres Schulsystems deutlich vor Augen geführt haben. Allerdings sind die Konsequenzen, die wir daraus ziehen sollten, andere als die Ihres Antrages. Die Rezepte der Vergangenheit werden uns heute nur bedingt weiterhelfen. Aus diesem Grund gehen wir mittlerweile neue Wege, beispielsweise durch die freiwilligen Angebote der Sommerschule. Lassen Sie uns nach vorn schauen und noch konsequenter insbesondere an der umfassenden Digitalisierung unserer Schulen arbeiten. Die vergangenen Wochen und Monate haben uns die Vorteile der digitalen Medien explizit aufgezeigt. Noch ein Wort zu der von Ihnen, Frau Penz, betonten Vorrangstellung von Mathematik und Naturwissenschaften: Speziell diese Fächer waren in den vergangenen Wochen, als die Digitalisierung des Unterrichts notwendigerweise einen Schub bekam, gegenüber geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern klar im Vorteil. So sind in einem Video oder mittels Livestream mathematische Formeln und Funktionen vergleichsweise einfach zu vermitteln. Die Besprechung eines Gedichts oder die Analyse eines Buches, die einer höheren Wechselwirkung zwischen Lehrer und Schüler bedarf, ist demgegenüber ungleich schwieriger. Zudem wurde in den letzten Wochen des eingeschränkten Präsenzunterrichts der Schwerpunkt seitens der Schulen gerade auf die Kernfächer – also auch und gerade auf die mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer – gelegt. Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, weswegen Sie die Naturwissenschaften im Hintertreffen sehen. Nicht zuletzt ist Ihr Antrag auch deswegen abzulehnen, weil er augenscheinlich nur als Vorwand dient. Sie versuchen, mutmaßlich höherwertige Bildung gegen Ihrer Meinung nach unnütze Fähigkeiten auszuspielen. Ihre Ziele sind dabei offensichtlich. Unsere freiheitliche Demokratie lebt von der gestalterischen Mitwirkung der Menschen. Unser erfolgreiches Gemeinwesen basiert wesentlich auf selbstbestimmten und verantwortungsvollen Menschen. Neben Familie, Freunden und Vereinen kommt der Schule und speziell der politischen Bildung eine wesentliche Rolle zu. Sie soll die Menschen in die Lage versetzen, die gesellschaftliche Wirklichkeit selbstständig zu erkennen, zu beurteilen und zu beeinflussen. Sie indes hoffen, aus dem Zurückfahren, insbesondere der politischen Bildung, für unsere Kinder politisches Kapital zu schlagen. Sie haben offensichtlich Angst davor, dass politisch gebildete Menschen Ihren Populismus und Ihre meist sehr dünnen Lösungsvorschläge erkennen können. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD)

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