Anna Gorskih
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“. Wir sprechen hier bereits im Titel von einem Zukunftsvertrag, von der Qualität für die Zukunft, von der Qualität in der Lehre, was auch ein gutes Lehramtsstudium bedeutet. Mittlerweile – das habe ich vorhin schon in meiner Rede ausgeführt – werden aber sehr viele Stimmen laut, die von einer Verschlechterung der Qualität der Lehre an den Hochschulen berichten. Aber wenn ich Herrn Kollegen Mann richtig verstanden habe, sieht man zumindest ein, dass die Uni Leipzig hier Strukturen schafft, die zumindest so nicht intendiert waren. Das haben Sie gesagt. Ich hoffe deshalb, dass Sie sich hier tatkräftig dafür einsetzen werden, um die Situation zu klären und die Qualität der Lehre an der Uni Leipzig zu sichern. Andernfalls passiert an der Uni Leipzig Folgendes: Vielen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern droht Ende des Jahres die Arbeitslosigkeit. Mitten im Semester würden dann ihre Verträge auslaufen. Das bedeutet für die Studierenden ganz konkret, dass sie kaum eine Chance haben, eine Betreuerin oder einen Betreuer für ihre Abschluss- oder Hausarbeit zu finden. Außerdem geht mit der Entfristung der Stellen für Lehrkräfte für besondere Aufgaben eine drastische Anhebung der Lehrverpflichtung einher. Dadurch wird die Lehre komplett von der Forschung entkoppelt. Das heißt, es gibt kaum noch aktuelle forschungsbasierte Lehre, stattdessen gibt es Wiederholungen und Überalterung von Seminarinhalten, weil die Dozierenden natürlich aufgrund der hohen Lehrverpflichtung nicht noch nebenbei forschen können und folglich Jahr für Jahr auf bereits Erarbeitetes zurückgreifen werden müssen. Ich hoffe, dass es hier auch bei der Koalition auf offene Ohren stößt, dass man eine qualifizierte Lehre so nicht absichert. Ich finde, das Vorgehen der Uni Leipzig ist hier höchst unverantwortlich. Mindestens genauso unverständlich empfinde ich das intransparente Vorgehen des Ministeriums, bei welchem Verantwortung zwischen Rektorat und Ministerium hin und her geschoben wird. Wenn hier nicht zügig umgelenkt wird, haben wir in ein paar Jahren vielleicht zahlenmäßig mehr Lehrkräfte, die wir auf den Arbeitsmarkt schicken, die aber bei Weitem nicht so gut ausgebildet werden konnten, wie es eigentlich sinnvoll wäre. Dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn immer noch der Polylux ins Klassenzimmer gerollt wird. Denn neue Ansätze für digitale Lehrmethoden sind heute schon im Studium kaum vorhanden, und es wird sie unter den jetzt an der Uni Leipzig geschaffenen Bedingungen auch nicht mehr geben. Ich muss hier noch einmal kritisch anmerken, dass die Staatsregierung und das zuständige Ministerium es offensichtlich versäumt haben, frühzeitig Akteurinnen und Akteure aller Mitgliedergruppen an Hochschulen einzubeziehen. Bis heute liegt kein Konzept vor, welches allen Mitgliedergruppen an Hochschulen die Planung und Umsetzung des Zukunftsvertrages in der nächsten Zeit aufzeigen würde. Wir brauchen hier transparente Lösungsvorschläge vonseiten des Ministeriums, die offen kommuniziert und mit allen kritisch diskutiert werden müssen. Statt voreilig Entscheidungen über Stellen mit sehr hoher Lehrverpflichtung festzuzurren, sollte die Personalstruktur erst einmal evaluiert werden. Gemeinsam mit allen Mitgliedergruppen an Hochschulen sollte an Lösungen gearbeitet werden, die wirklich eine dauerhafte Qualität der Lehre absichern. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Vielen Dank, Anna Gorskih. Gibt es weiteren Redebedarf? – Das sehe ich nicht, dann Herr Staatsminister Gemkow, bitte.
