Jörg Markert
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Kumpf, wenn Sie sagen, dass die Regierung einen Totalausfall der Branche in Kauf genommen hat, dann frage ich mich natürlich: Warum hat die AfD-Fraktion in unserer letzten Sondersitzung im ICC der Feststellung einer außergewöhnlichen Notsituation für den Freistaat Sachsen aufgrund der Pandemie zugestimmt? Das passt doch nicht zusammen. (Beifall bei der CDU und der SPD) Wir können uns doch nicht hinstellen und sagen, das ist alles ganz anders, die Regierung fährt das Land runter und macht mutwillig irgendwelche Betriebe zu. So ist es nicht. Ich bitte schon darum, dass wir bei den Realitäten bleiben. Gleichwohl ist es heute ein Tag, an dem wir viel über Tourismus sprechen. Wir hatten heute früh die Demonstration der Reiseveranstalter und Reisebüros vor dem Haus. Wir erleben in diesen Tagen, wie vielfältig die Tourismus- und Reisebranche ist. Ich denke, es ist auch gut, dass wir das ein Stück weit mehr wahrnehmen als sonst; denn die Vielfältigkeit ist sehr groß. Ich denke zum Beispiel bei der Beherbergung nicht nur an Hotels und Gasthöfe, sondern wir haben auch die Jugendherbergen oder die christlichen Freizeitheime, bei der Mobilität an die Dampfbahnen oder an Caravaning, Bootstourismus, Campingplätze, Freizeit- und Kulturmöglichkeiten. Es zählen auch die Heilbäder dazu. Wir haben eine sehr vielfältige Branche, und nicht jeder in dieser Branche bekommt in diesen Tagen Gehör. Deswegen will ich noch einmal sagen, dass uns die Vielfältigkeit dieser Branche bekannt ist. Ich denke auf der einen Seite an die kleine Touristinformation mit ihrem Touristenführer und auf der anderen Seite auch an große Incoming-Partner wie die Flughäfen, die den Tourismus für uns mitgestalten und organisieren. Tourismus ist eine Querschnittsaufgabe, nicht nur im Einzelhandel, im Gastgewerbe, bei Zulieferbetrieben oder im Bereich von Dienstleistern. Was die Struktur des Tourismus angeht, sollte man vielleicht auch einmal erwähnen, dass über 50 % – nämlich 51 % – des Bruttoumsatzes in Sachsen durch Tagesreisen erwirtschaftet werden und 35 % im gewerblichen Bereich. An dritter Stelle steht dann schon der Bereich der Besuche von Freunden und Verwandten in Höhe von 8 %. Das ist ein Bereich, der sehr vom Tagestourismus abhängig ist. Deswegen muss es für uns im Fokus sein, wenn wir über Lockerungen reden. Corona hat die Branche insgesamt zum Stillstand gebracht. Stornierungen und ein Einbruch sind an der Tagesordnung. Das wissen wir alle. Krise heißt aber auch – wenn man sich nach den Zahlen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes für März und April richtet – 2,6 Milliarden Euro Einbuße an Umsätzen allein in diesen zwei Monaten. Wir alle wissen nicht, wie lange die Reise noch dauert. In den ostdeutschen Destinationen ist Corona wie in ganz Deutschland ein großes Problem. Fakt ist: Diese Verluste sind nicht aufholbar, denn ein Schnitzel, was Sie nicht gegessen haben, und eine Übernachtung, die Sie nicht gebucht haben, kann man nicht einfach nachholen. Ich denke aber auch an die vielen Familienfeiern, an Hochzeiten und an Lebensereignisse, die geplant wurden und jetzt nicht stattfinden können. Dort hängen eine Menge Emotionen dran, und ich kann den Menschen in unserem Land nur sagen: Wir wissen das. Es tut uns leid, wie sich das jetzt entwickelt hat, aber der Maßstab ist momentan das Virus und die Suche nach einem Impfstoff. Das ist der Spagat, in dem wir uns bewegen. Ziel ist der Schutz der Gesellschaft und der Gesundheit der Menschen. Wir müssen das natürlich abwägen. Auf der einen Seite haben wir den Schutz der Gesundheit und auf der anderen Seite eine gewisse Mobilität und die Freiheit der Menschen, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen und zu entscheiden, was man in seiner Freizeit macht. Das müssen wir abwägen. Wir wollen selbstverständlich zur Stärke des Tourismus zurückkehren, aber wir sollten uns nichts vormachen: Das ist ein langer Weg. Wir brauchen dafür sehr viel Geduld. Wenn wir Lockerungen vornehmen können und wenn wir auf einem guten Weg sind, dann wollen wir wieder gute Gastgeber sein und dahin zurückkehren, dass wir wie im letzten Jahr über 20 Millionen Übernachtungen und 8,2 Millionen Gästeankünfte hatten und das Kulturreiseland Nummer eins in Deutschland waren. Und ja, wir bekennen uns zum Tourismus als Wirtschaftsfaktor. Das erleben wir in diesen Tagen mehr als sonst. Das ist ein Bereich, für den die IHKs immer wieder gefordert haben, dass es ein Bekenntnis zum Tourismus als Wirtschaftsfaktor gibt. Wie kann man das machen? Wir müssen uns überlegen, welchen Weg man jetzt gehen kann. Dafür gibt es gute Vorschläge aus allen Tourismusbereichen, zum Beispiel vom Deutschen Tourismusverband. Man fordert bundeseinheitliche Grundsätze zum Einhalten von Schutz- und Hygieneregeln sowie Mindestabständen, zum Anlegen von Mundund Nasenschutz und zur Kundenlenkung. Alles Weitere will ich in der nächsten Runde ausführen. Danke. (Beifall bei der CDU und der Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Vielen Dank, Herr Markert. Nun die Fraktion DIE LINKE; Frau Feiks, bitte schön. (Die Rednerin spricht vom Saalmikrofon aus.)
