Holger Gasse
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Einmal mehr beschäftigen wir uns heute mit einem eher rückwärtsgewandten Antrag der AfD-Fraktion. (Lachen bei der AfD – Carsten Hütter, AfD: Da müssen Sie doch selber lachen!) Frei nach der Devise: Wie schön war es doch in der guten alten DDR. (Oh-Rufe von der AfD) Unter diesen Vorzeichen wird von Ihnen die flächendeckende Einrichtung von Schulgärten gefordert, finanziert durch den Freistaat Sachsen. In denen sollen dann alle Grundschüler zu Spaten und Harke greifen und Gemüse anbauen, welches der Konsum gerade nicht anbietet. So ist das verklärte Bild der Kollegen der AfD. Nun hat sich aber in den letzten 30 Jahren die Welt ein wenig weitergedreht. Mit ihr hat sich auch die Bildungspolitik im Freistaat Sachsen positiv entwickelt. Schulgartenunterricht findet nicht mehr statt und ist stattdessen Bestandteil des Sachkundeunterrichts in unseren Grundschulen. Schüler sollen also nicht nur wissen, wie eine Möhre angebaut wird, sondern vielleicht auch wie eine Kuh gemolken wird. Ich fände es jetzt besonders witzig, wenn wir in jeden Schulgarten noch eine Kuh stellen würden. (Carsten Hütter, AfD: Das wäre doch mal ein Änderungsantrag!) Sie erfahren im Sachkundeunterricht die Zusammenhänge von Natur und Umwelt, erschließen sich die Welt wesentlich komplexer, um in ihrem künftigen Leben auf die Herausforderung unserer Gesellschaft vorbereitet zu sein. Hierbei spielen sicherlich auch Themen des Klimawandels, der veränderte Wasserhaushalt, das Wachstum der Pflanzen, der Pflanzenschutz sowie die Entwicklung neuer Arten und Umwelteinflüsse eine Rolle – Themen also, die wichtig sind, um die Zukunft unseres Freistaates verantwortungsvoll mitzugestalten. Sicherlich kann zur Verbesserung fachlicher Kompetenzen und individueller Erfahrungen auch ein Schulgarten, aber auch ein spezielles Umweltprojekt oder die Zusammenarbeit mit Kleingartenvereinen, Umweltverbänden oder Vertretern der grünen Berufe geeignet zu sein, um dies zu erfahren, vor welchen Herausforderungen die Landwirtschaft, der Gartenbau oder die Forstwirtschaft – wir haben heute schon darüber gesprochen – in Deutschland stehen. Insofern stellt auch ein Schulgarten ein mögliches Instrument dar, also ein außerschulischer Lernort. So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Schulträger im Freistaat Sachsen gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern auf den Weg machen, Schulgärten in Grundschulen einzurichten, um das im Sachkundeunterricht Erlebte und Erlernte erlebbar zu machen. Ähnliches organisieren auch unsere Pädagoginnen und Pädagogen im Rahmen von Exkursionen in den sächsischen Wald oder in Landwirtschaftsunternehmen, auch vor dem Hintergrund, die hinter diesen Branchen stehenden Berufsbilder zu präsentieren und Interesse für eine spätere berufliche Laufbahn bei den Schülerinnen und Schülern zu wecken. Seit 1993 existiert im Freistaat Sachsen der sächsische Schulgartenwettbewerb für alle allgemeinbildenden Schulen. Er wird durch Preisgelder und Fortbildung begleitet. Mehr als 1 000 Schulen mit weit über 100 000 Schülerinnen und Schülern haben sich bis heute am Wettbewerb beteiligt. Auch in diesem Jahr erfreut sich der 11. Sächsische Schulgartenwettbewerb großer Beliebtheit. Sie sehen, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Auseinandersetzung mit Umwelt, Natur, Land- und Forstwirtschaft und Ernährungswirtschaft funktioniert, auch ohne ein gesondertes Fach Schulgarten und die staatliche verordnete Einrichtung von Schulgärten. Die Vermittlung entsprechender Kompetenzen im Sachkundeunterricht der Grundschule ist der entscheidende Indikator, um die Interessen der Schülerinnen und Schüler zu wecken. Auch im Bereich der Ganztagsangebote gibt es eine Vielzahl von sehr guten und nachhaltigen Projekten in den Bereichen Natur, Umwelt sowie Gartenbau. Diese Projekte gilt es zu unterstützen. In diesem Rahmen hat sich die Koalition in dieser Legislaturperiode dazu entschieden, Schulträger bei der Einrichtung von Schulgärten im Rahmen der Förderrichtlinie zur Schulinfrastruktur zu unterstützen und diese Möglichkeit auch explizit in der Förderrichtlinie zu verankern, ohne dass es hierzu extra eines Antrages der AfD-Fraktion bedurft hätte. Insofern werden wir Ihren Antrag ablehnen. Er trägt weder zur Verbesserung der Situation bei noch enthält er neue oder verwertbare Ansätze, um unsere Grundschulen und den bereits guten Unterricht weiter voranzubringen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Vielen Dank, Herr Gasse von der CDU-Fraktion. – Nun die Fraktion DIE LINKE; Frau Neuhaus-Wartenberg, bitte schön.
