René Hein
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Ich bin sehr dankbar, dass die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dieses Thema aufgebracht hat, denn es herrscht, wie man den Vorrednern entnehmen konnte, keinerlei Dissens bei der Wichtigkeit dieses Themas. Vorab: Ich stehe hier nicht nur als Abgeordneter der AfD, um über dieses Thema zu sprechen, sondern auch als Betroffener der derzeitigen Entwicklung. Meine Familie gehört zu den Tausenden privaten Kleinstwaldbesitzern in Sachsen, die nicht in einer Forstbetriebsgemeinschaft organisiert sind. Die Probleme, die daraus resultieren, sind mir also nicht fremd und deshalb bin ich auch sehr froh, über dieses Thema sprechen zu können. Es ist schon sehr viel gesagt worden. Kollege Zschocke hat eine aus meiner Sicht sehr sinnvolle Analyse der derzeitigen Situation gebracht. Ich wäre sehr dankbar, wenn er vielleicht seinen Einfluss bei der Fridays-forFuture-Bewegung dazu nutzen könnte, die Kinder und Jugendlichen dazu zu bringen, dass sie etwas Sinnvolles gegen den Klimawandel tun und in den betroffenen Gebieten pflanzen gehen. Das wäre wirklich ein sehr guter Ansatz. (Beifall bei der AfD) Wir haben eine Situation, dass durch die – wie schon eingangs von vielen Vorrednern angesprochen – lang anhaltende Trockenheit und den daraus resultierenden Borkenkäferbefall der Holzpreis massiv gesunken ist. Damit ist jede Art von monetärem Nutzen durch den Verkauf von Holz, der dem Kleinstwaldbesitzer bisher noch zugutegekommen ist, obsolet. Sie haben auch nicht das Geld, um Wiederaufforstungsmaßnahmen, die im Privatwald wie im Staatswald notwendig sind, zu tätigen. Ich habe gestern mit Verwandtschaft im Elbsandsteingebirge gesprochen, die 3 Hektar Wald haben, der vom Borkenkäfer befallen ist. Sie können es sich einfach nicht leisten, ohne Fördergeld oder monetären Zuschuss seitens des Freistaates Sachsen wieder aufzuforsten. Wir wissen, wie groß der Anteil der Klein- und Kleinstwaldbesitzer an der Waldfläche in Sachsen ist. Hier besteht Handlungsbedarf. Ich bin auch dem Staatsminister sehr dankbar, dass er mit den 52 Millionen Euro einen Anfang gemacht hat, wobei ich den Verdacht habe, dass das Hilfe zur Selbsthilfe ist und der größte Teil beim Staatsforst ankommt. Das ist legitim und auch wichtig, aber wichtig ist wirklich auch, die Klein- und Kleinstwaldbesitzer entsprechend zu unterstützen, damit sie ihrer Aufgabe nachkommen können. Sie machen das auch nicht für sich selbst. Das sollte jedem klar sein. Sie machen das nicht, um kurz-, mittel- und langfristig einen Nutzen zu haben. Sie werden den Nutzen ihrer Aufforstungsmaßnahme, wenn sie diese denn vornehmen, nie genießen können. Das machen sie für ihre Kinder und für unsere Gesellschaft. Dafür sollten sie unterstützt werden. 52 Millionen Euro sind ein sehr schöner Beginn; aber wenn wir uns die Zahlen ansehen, was die Wiederaufforstungsmaßnahmen kosten, sollte jedem klar sein, dass das bei Weitem nicht reicht. (Beifall bei der AfD) Bei den Handlungsschwerpunkten, Herr Staatsminister, herrscht – so denke ich – überwiegend Einigkeit: Ja zur multifunktionellen Waldbewirtschaftung, Ja zu größeren Anstrengungen für Waldbesitzer, Ja zur Stärkung und Professionalisierung forstlicher Strukturen, Ja zur Verbesserung der Forstholzlogistikkette. Darüber hinaus sollten Projekte zur Erzeugung hochwertigen Forstvermehrungsgutes einen höheren Stellenwert bekommen, auch die Einbringung trockenresistenter Leitbaumarten, beispielsweise aus Süd- bzw. Osteuropa sollte weitgehend erforscht und praktisch angewandt werden. Meine sehr geehrten Damen und Herren! All diese Handlungsschwerpunkte skizzieren den Rahmen einer multifunktionalen selbsttragenden Forstwirtschaft und lassen gleichzeitig die stärkere Gemeinwohlorientierung im Staatswald nicht außer Acht. In dem Sinne wollen wir gemeinsam unseren Naturreichtum, den sächsischen Wald aller Eigentumsformen, bewahren und fördern. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)
