Sevim Kaya-Karadağ
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte heute vor allem einen Punkt hervorheben: Wer ehrlich über Gewalt an Schulen sprechen will, darf nicht so tun, als entstehe die Gewalt plötzlich im Klassenzimmer. Schulen spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen wider: Verrohung im gesellschaftlichen Diskurs, soziale Unsicherheit, Perspektivlosigkeit, digitale Gewalt und fehlender sozialer Halt wirken sich auf Kinder und Jugendliche aus. Genau darauf weist die aktuelle UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern in wohlhabenden Ländern hin. Sie macht deutlich, wie eng Kinderarmut, soziale Ungleichheit und fehlende Teilhabe mit Bildungs- und Zukunftschancen zusammenhängen. Besonders alarmierend ist, nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik. Bei Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien sind es sogar nur 46 Prozent. Deshalb kann Gewaltprävention niemals isoliert betrachtet werden. Wer Gewalt nachhaltig bekämpfen will, muss auch ihre sozialen Ursachen in den Blick nehmen - Kinderarmut, Ausgrenzung, feh- (Abg. Kaya-Karadağ (SPD)) lende Teilhabe und mangelnde Unterstützung im Alltag. Prävention beginnt dort, wo Kinder Sicherheit, Perspektiven und echte Chancen bekommen. Natürlich gibt es Herausforderungen an unseren Schulen. Lehrkräfte berichten von wachsender Respektlosigkeit, psychischer Belastung und zunehmenden Konflikten. Schülerinnen und Schüler erleben Mobbing, Ausgrenzung und digitalen Druck. Das dürfen wir nicht kleinreden, aber ich finde, es hilft auch nicht, unsere Schulen permanent so darzustellen, als würde grundsätzlich nichts mehr funktionieren. (Abg. Schmitt-Lang (CDU): Das sagt auch keiner.) Die Realität ist: Lehrkräfte leisten jeden Tag unglaublich viel. Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter fangen Konflikte auf. Viele Schulen leisten mit großem Engagement Präventionsarbeit. Genau deshalb greift der CDU-Antrag an entscheidenden Stellen zu kurz, denn wer vor allem neue Statistiken und zusätzliche Dunkelfeld-Analysen fordert, beschreibt Probleme, löst sie aber nicht. Entscheidend ist doch die Frage: Was hilft konkret vor Ort? Was kann man tun, damit es gar nicht erst zu Gewaltfällen kommt? Genau da setzen wir an und deshalb finde ich es bemerkenswert, dass ausgerechnet vonseiten der CDU große Forderungen formuliert werden, während auf Bundesebene bei Demokratie und Präventionsprojekten gekürzt wird. (Zuruf der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) Davon sind auch Projekte im Saarland betroffen, beispielsweise das Projekt Kommunalheld*innen von Juz United, das Beteiligungsstrukturen für junge Menschen stärkt und demokratische Teilhabe fördert, oder CheckUp der FITT gGmbH, ein Projekt, das Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe dabei unterstützt, diskriminierungskritische Strukturen aufzubauen. Eine Einstellung der Projekte bedeutet den Wegfall von fünf Vollzeitstellen. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Sie sprechen in Ihrem Antrag von einer effektiven Struktur der Präventionsangebote und besserer Vernetzung. Gleichzeitig werden Projekte infrage gestellt, die genau diese Arbeit jeden Tag leisten.
