Pascal Conigliaro
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Liebe Gäste! Von den Gästen haben wir einige auch schon bei der Anhörung gesehen. - Nach den Vorrednerinnen der antragstellenden Fraktionen Réka Klein, Christina Baltes und Anja Wagner-Scheid - es handelt sich ja um einen gemeinsamen Antrag von SPD und CDU, was sehr zu begrüßen ist - möchte ich nun kurz auf die Bereiche Wissenschaft, Scientific Method und den Standort Saarland eingehen. Bei meinem Beitrag geht es um einen Rückblick: Was ist in dieser Wahlperiode, seit 2022, passiert, und was läuft konkret im Saarland und am Forschungsstandort Homburg zu dem Thema? Wo sind Fortschritte und wo gibt es noch Bedarfe? Auf die Erkrankung Endometriose, welche aufgrund der besonderen Anatomie nur bei Frauen auftritt, oder auf Unterschiede in der Schmerzwahrnehmung bei Frauen und Männern, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt, oder auf die Häufigkeit des Auftretens von Erkrankungen des Nervensystems - hier treten Alzheimer und Depressionen eher bei Frauen und Parkinson und Autismus eher bei Männern auf - will ich hier nicht näher eingehen. Zu den Themen Schmerzen und Belastungen der Betroffenen haben wir von den Vorreden schon einiges gehört. Die Fragestellung ist jetzt also: Wo stehen wir heute und was ist seit 2022 passiert? Es ist nach wie vor so - und das geht aus dem gemeinsamen Antrag hervor -: Die geschlechtsspezifische Medizin ist deutschlandweit noch viel zu wenig präsent und es besteht noch ein enormer Aufholbedarf, bis alles, was damit zusammenhängt, auf einem angemessenen Stand ist. Da ist es sehr erfreulich, dass das Saarland anderen Ländern bereits einen Schritt voraus ist. Wir haben das Endometriose-Zentrum und das CGBM in Homburg, also das Centrum für geschlechtsspezifische Biologie und Medizin, und wir sind seit Anfang der Wahlperiode gut vorangekommen; es freut mich, dass sich die demokratischen Fraktionen im Saarland seit Anfang dieses Jahres der Sache noch mal verstärkt angenommen haben. Zum letztgenannten Punkt. Bereits zu Beginn der Wahlperiode wurden in Gesprächen wichtige Signale zu der Sache geschlechtsspezifische Medizin von Parlamentariern der Mehrheitsfraktion und von der Regierung an die Universität ausgesendet, und es kam in der Folge im Jahr 2023 zur Gründung des CGBM. Das war ein riesiger Schritt für die geschlechtsspezifische Medizin und für unseren Standort hier im Saarland. Und nun zu dem Punkt, was seit Anfang des Jahres passiert ist. Das Parlament hat hier sehr gute Arbeit geleistet und es zeigt sich, dass bei bestimmten Themen sehr gut parteiübergreifend zusammengearbeitet werden kann. Was wurde also gemacht? Es wurden zahlreiche Anhörungen durchgeführt, und als Ergebnis steht dieser gemeinsame Antrag mit einem umfangreichen Forderungskatalog an Landesregierung und Bundesregierung. Auf die Forderungen im Antrag will ich jetzt nicht in Gänze eingehen, aber kurz zu den beiden folgenden Punkten etwas sagen. Die weitere Unterstützung des CGBM in Homburg und das Saarland als Modellregion würden sich sehr gut in die aktuelle Forschungslandschaft im Saarland einfügen. Warum? Ganz einfach weil das Saarland, wie zuvor schon erwähnt, einen Schritt weiter ist als andere. Das will ich am Beispiel des CGBM in Homburg ausführen. Das Ganze wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, was alles schon in der kurzen Zeit seit Gründung erreicht worden ist. Erstens: Ich erinnere an die Teams mit 25 Forschungsgruppenleiterinnen und -leitern. In den Bereichen Naturwissenschaft und Technik in Saarbrücken und in (Abg. Conigliaro (SPD)) der Medizinischen Fakultät in Homburg haben sich die Teams verpflichtet, die Forschungsfelder alle unter die Aspekte der geschlechtsspezifischen Biologie und Medizin zu stellen. Konkret werden somit alle Publikationen aus diesen Bereichen, also zum Beispiel von einer Pharmakologin aus Saarbrücken, mit dem Zusatz CGBM veröffentlicht und somit nach außen hin transparent gemacht. Mit einem bisherigen Volumen von 40 Publikationen seit Gründung ist hier schon sehr gut gearbeitet worden. Die Fachwelt liest von uns! Und sehr beachtlich dabei ist, dass alles aus eigenen Ressourcen gestemmt werden konnte. Zweitens: Weitere Erfolge bestehen darin, dass die Vernetzung und das Thema Sichtbarkeit des Forschungsstandorts Saarland vorangetrieben worden ist. Ich habe dazu im März vom Entstehen des internationalen Netzwerks mit Zentren in China, Japan, Südkorea, Brasilien, Kanada und Frankreich gesprochen. Drittens: Auch im Bereich der Translation, also bei der Übertragung von Forschungsergebnissen in die Praxis, geht es voran. Noch im November 2025 wird das Thema „Neues aus der Gendermedizin - Erkenntnisse für die hausärztliche Praxis“ beim 39. Saarländischen Hausärztetag vom CGBM vorgestellt. Unser Kollege Frank Schmidt wird vor Ort unsere Fraktion vertreten. Viertens: Sehr große Erfolge konnten dadurch verbucht werden, dass ganz aktuell nationale und internationale Forschungsgelder für die Grundlagenforschung ins Saarland geholt werden konnten. Wie kommt das? Im Sommer 2023, also kurz nach der Gründung des CGBM, hat der Nationale Wissenschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland klar geäußert, dass mehr institutionalisierte Geschlechterforschung in Deutschland gebraucht wird. Seither konnte schon einiges gelingen, ich nenne einige Beispiele. Professorin Sandra Iden vom CGBM forscht seit 2025, also seit diesem Jahr, am Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Heterotypische Zell-Zell-Interaktion in epithelialen Geweben“ beziehungsweise vereinfacht ausgedrückt in der Zellbiologie. Dazu steht ein Budget zuzüglich Pauschale von rund 7 Millionen Euro für einen Zeitraum von sechs Jahren zur Verfügung. Das ist Geld, das ins Saarland fließt. Professorin Julia Schulze-Hentrich begleitet ab nächstem Jahr, 2026, das DFG-Schwerpunktprogramm SEXandGLIA. Die Berechnung ergibt bei Verteilung des Gesamtbudgets auf die acht Programme zuzüglich Pauschale dann 8,4 Millionen für drei Jahre, und es kommen weitere Gelder für weitere drei Jahre danach noch einmal hinzu. Professor Frank Kirchhoff, der Sprecher des CGBM, hat bei der EU aktuell einen Forschungsmittelantrag unter dem Titel „Geschlechtsspezifische Rolle von Glia im Hirn“ gestellt. Auch hier sind höhere Summen zu erwarten, wenn das genehmigt wird. - So viel zu den Forschungsgeldern. Es bewegt sich also schon sehr vieles im Saarland. Und mit Blick auf die Zukunft - so viel darf man an der Stelle verraten, und so habe ich Professor Kirchhoff diese Woche am Telefon und zuvor beim Tag der Deutschen Einheit im Saarland am Infostand des CGBM verstanden - ist neben dem Wunsch nach einem Landesforschungsförderungsprogramm eine eigene Forschungsinfrastruktur mit einem eigenen Gebäude für das CGBM das Ziel. Was die Umsetzung angeht, gibt es eine klare Positionierung in dem gemeinsamen Antrag, und es besteht zudem die Möglichkeit, dass nach einer erfolgreichen Evaluation durch den Wissenschaftsrat eine Bundesförderung ins Haus stehen kann und in der Folge ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft in Homburg entstehen könnte - und dies verbunden mit der positiven Folge von 150 bis 200 neuen Arbeitsplätzen am Standort. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich komme zum Schluss. In der Debatte sind zwei Aspekte sehr deutlich geworden. Erstens: Mit Blick auf den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Endometriose zeigt sich, wie bedeutsam die Forschung gerade in der geschlechtsspezifischen Medizin heute ist und dass Fortschritte gerade in diesem Bereich besonders wichtig sind. Zweitens: In dem Bereich der geschlechtsspezifischen Medizin sind wir im Saarland bereits auf einem guten Weg, und es steckt eine große Chance darin für unseren Forschungsstandort. - Abschließend bedanke ich mich für die gute Zusammenarbeit bei dem gemeinsamen Antrag von SPD und CDU. Ich bitte um Zustimmung. - Vielen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD und bei der CDU.)
