Anja Wagner-Scheid
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Liebe Gäste! Frauen sind keine kleinen Männer. Frauen sind anders krank. Frauen brauchen oft eine andere Dosis bei Medikamenten. Medikamente werden aber meistens an Männern getestet. Frauen brauchen oft eine andere Behandlung. Zum Beispiel bei einem Herzinfarkt sind die Anzeichen bei Frauen ganz anders als bei Männern. Frauen gehen in der Regel später zum Arzt. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir uns hier im saarländischen Parlament mit geschlechtersensibler Medizin und geschlechtersensibler Therapie beschäftigen. Meine Kolleginnen haben schon ausgeführt, welchen Weg wir mit der Behandlung hier im Plenum im Frühjahr und der Anhörung gemeinsam gegangen sind. Ich werte die heutige Debatte als einen weiteren wichtigen Zwischenschritt. Wir haben einen Zwischenschritt genommen - das ist schon mal ganz toll -, sind aber noch lange nicht so weit, dass die Versorgung für die Frauen im Saarland und in Deutschland optimal wäre. Endometriose ist die Krankheit mit den Tausend Gesichtern, über die man noch viel zu wenig weiß und bei der noch viel in Forschung, in die richtige Behandlung und die richtige Therapie investiert werden muss. 10 bis 15 Prozent aller Frauen sind betroffen. - Über die Schmerzen und die Ungewissheit haben meine Kolleginnen bereits berichtet. Wir wollen gemeinsam konkrete Schritte gehen, um die Situation im Saarland zu verbessern. Wir wollen auch wichtige Impulse Richtung Berlin setzen, um eine nationale Endometriose-Strategie auf den Weg zu bringen. Wir wollen im Saarland Vorreiter sein und in unserem kleinen Bundesland vieles ausprobieren, was für den Rest der Republik beispielhaft sein kann. Ich möchte einige Aspekte aus unserem Antrag nennen, die meine Vorrednerinnen noch nicht genannt haben. Ganz wichtig für die Frauen, die an Endometriose leiden oder unerklärliche Schmerzen und Beschwerden haben, ist es, überhaupt den richtigen Arzt/die richtige Ärztin zu finden. Wir haben im Saarland ein zertifiziertes Endometriose-Zentrum an der Uniklinik. Wir setzen uns in dem Antrag dafür ein, dass ein zweites zertifiziertes Zentrum hinzukommt. Das DRK-Krankenhaus in Saarlouis ist bereits in einem Zertifizierungsprozess. Ich glaube, wenn dieses Krankenhaus am Start ist, dann werden die angebotenen Ambulanzzeiten schnell belegt sein. Es ist zu schauen - Magnus Jung ist leider gerade nicht da -, wie sich das im neuen Krankenhausplan widerspiegeln muss. Zusätzlich, als weitere Stufe, wäre es natürlich segensreich, hätten wir wieder eine zertifizierte Endometriose-Praxis, als Zwischenebene zwischen der normalen gynäkologischen Facharztpraxis und dem Krankenhaus. Wir brauchen Aufklärungskampagnen an den Schulen, in den Betrieben und auch in den Social Media über das Thema Menstruation und Schmerzen. Wir sollten uns orientieren an der Charité. Wir haben ja von Frau Professor Mechsner der Charité gehört, dass man dort ausgebildete Fachkrankenschwestern hat, Endo-Nurses genannt. Um so etwas zu etablieren, könnten wir auf Ressourcen im Saarland zurückgreifen, auf Ressourcen an der htw, wo Pflegewissenschaften gelehrt werden. Ich glaube, das könnte auch für uns ein guter Ansatzpunkt sein. Ferner setzen wir uns dafür ein, dass in der Gleichstellungsstrategie auch das Thema der frauenspezifischen Krankheiten konkret benannt wird, neben der Endometriose auch die Wechseljahrbeschwerden. Wir brauchen BGM- und BEM-Verfahren, auch im öffentlichen Dienst im Saarland sollte in den BGM- und BEM-Verfahren durch die Arbeitgeberseite ein einschlägiges Angebot gemacht werden. Wir sollten uns im Saarland um Forschungsgelder bewerben, um Endometriose besser erforschen zu können. Wir diskutieren gerade im November-Plenum miteinander, stehen also nur wenige Tage vor dem Dezember-Plenum, in dem über den Haushalt 2026/2027 entschieden werden wird. Wollen wir einen Schwerpunkt beim Thema geschlechtersensible Medizin und damit auch bei Frauenmedizin setzen, sollte sich das auch im nächsten Haushalt widerspiegeln. Ich habe bei den Haushaltsberatungen Herrn Minister Magnus Jung darum gebeten, der CDU-Fraktion konkret zu benennen, wo die Landesregierung im Haushalt entsprechende Schwerpunkte setzt. Ich warte dazu noch auf eine Zulieferung. Ich meine, es sollte hier im Parlament nicht nur Lippenbekenntnisse dazu geben, vielmehr sollte sich das auch konkret in Haushaltstiteln wiederfinden. Es geht zum Beispiel darum, dass sich Angebote aus der Selbsthilfe ans Ministerium wenden können, dass sich auch andere darauf berufen können. Wir müssen einfach sagen: Wenn das Saarland Vorbild sein will, wenn wir im Saarland Modellregion sein wollen, können wir nicht allein auf den Bund vertrauen, sondern müssen auch eigene Vorleistungen erbringen. (Beifall von der CDU.) (Abg. Wagner-Scheid (CDU)) In der Anhörung wurde mehrfach die Bitte nach einem Landesregister analog dem Krebsregister geäußert. Das findet sich nun nicht in dem Papier wieder, darauf konnten wir uns nicht einigen. Ich möchte aber doch anmerken, dass wir dieses Thema weiterhin gemeinsam verfolgen sollten. Ich begrüße ausdrücklich, dass die Bundesregierung bis zu 22 Millionen Euro zur Verfügung stellt, um diese Krankheit besser zu erforschen. Sobald erste Ergebnisse vorliegen, sollte auch das Saarland noch einmal vorstellig werden und den Modellcharakter des Landes hervorheben. Bis dahin sollten wir aber auch unsere Hausaufgaben gemacht haben. Werden die eben beschriebenen Schritte im Saarland absolviert, werden wir ganz selbstbewusst in Berlin anklopfen und mitteilen können, dass wir schon sehr viel machen und das Saarland daher eine Extraförderung benötigt. Ich begrüße ferner ausdrücklich, dass unsere Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in dieser Legislaturperiode beim Thema geschlechtergerechte Medizin einen Schwerpunkt setzen will. Das finde ich wunderbar, vorher im Amt befindliche Gesundheitsminister haben das nicht getan. Ich habe nun die Hoffnung, dass sich in den vier Jahren der Legislaturperiode einiges tun wird. (Beifall von der CDU.) Wir sind, ich sage es noch einmal, gut beraten, unsere Hausaufgaben hier im Saarland zu machen und alles dafür zu tun, dass wir Modellregion werden und die Frauen bei uns optimal versorgt werden. Als Parlament gehen wir mit dem heute vorgelegten Antrag einen weiteren Zwischenschritt, um bei anstehenden Debatten sagen zu können, dass wir im Saarland vorbildlich sind und alle, die sehen wollen, wie Endometriose gut behandelt wird, sich bei uns ein Scheibchen abschneiden können. In diesem Sinne: Bitte gehen Sie den Weg mit! Es geht darum, dass wir nicht mehr gefragt werden, „Endo, was ist das überhaupt?“ Sie sind und ihr seid nun bestens darüber informiert, sprecht über das Krankheitssymptom! Verharmlost diese Erkrankung nicht! Nehmt Frauen mit Beschwerden, die darüber reden wollen, wirklich ernst! Auch das zu tun ist eine Aufgabe, die man in diesem Parlament hat. Deshalb vielen Dank für die Unterstützung unseres Antrags. Frauengesundheit ist ein wichtiges Thema. In diesem Sinne bitte ich um Unterstützung für unseren Antrag. (Beifall von der CDU.)
