Christina Baltes
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Heute befassen wir uns mit einem sehr wichtigen Thema in der Frauenmedizin: der Krankheit Endometriose, einem Leiden mit vielen Facetten. Endometriose ist ein klassisches Beispiel für die strukturellen Ungleichheiten im Gesundheitssystem. Diese chronische, oft stark schmerzhafte Erkrankung betrifft Millionen von Frauen. Doch der Forschung und medizinischen Versorgung hinken wir nach wie vor hinterher. Jeder von uns kennt jemanden mit der Krankheit Endometriose - vielleicht eine Kollegin oder die Schwester, vielleicht die Freundin oder die eigene Tochter. Endometriose betrifft in Deutschland 2 Millionen Menschen. Im Saarland sprechen wir von 77.000 Betroffenen. Endometriose ist mehr als starke Regelschmerzen. Es ist eine chronische, oft schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst, zum Beispiel an den Eierstöcken, im Bauchraum oder sogar an anderen Organen. Dieses Gewebe reagiert auf den monatlichen Zyklus und blutet ins Körperinnere, wo das Blut nicht abfließen kann. Es entstehen Entzündungen, Narben und Verwachsungen. Die Folgen sind gravierend, verbunden mit starken Schmerzen, Verdauungsproblemen, Erschöpfung, und gehen bis zur Unfruchtbarkeit. Es ist leider ein jahrelanger Leidensweg, bis endlich die richtige Diagnose gestellt wird. In Deutschland dauert es im Durchschnitt sechs bis zehn Jahre, bis Betroffene endlich wissen, was mit ihnen los ist. Junge Mädchen und Frauen gehen in dieser Zeit quasi durch die Hölle. Das darf doch nicht sein, liebe Kolleginnen und Kollegen! Hier müssen wir Abhilfe schaffen. (Beifall von der SPD und der CDU.) Während dieser Zeit entstehen oftmals Zweifel, Missverständnisse und auch Abwertung. Es fallen die Worte „Das sind doch nur Regelschmerzen. Stell dich nicht so an!“. Diese Worte können zermürbend sein. Ganz viele Mädchen und Frauen fühlen sich nicht ernst genommen, weder im privaten Umfeld noch im Gesundheitssystem. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Endometriose ist real. Sie ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und verdient mehr Aufmerksamkeit, mehr Forschung und vor allem mehr Verständnis. (Beifall von der SPD.) Im September gab es im Gesundheitsausschuss eine Anhörung zu dem Thema. Aus dieser Anhörung nehmen wir folgende Erkenntnisse mit: Es muss definitiv mehr Aufklärung stattfinden, damit Mädchen und Frauen früh erkennen, wenn ihre Schmerzen nicht normal sind. Wir brauchen eine bessere medizinische Ausbildung, damit Ärztinnen und Ärzte Endometriose schneller diagnostizieren können. Wir brauchen mehr Forschung, um endlich wirksame Therapien zu finden. Wir brauchen aber auch eine bundesweite Strategie, um endlich eine verlässliche und gerechte Versorgung für die Betroffenen sicherzustellen. Denn jede Betroffene hat eine Geschichte von Schmerz, von Kampf, aber auch von Stärke. Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Sie kann nicht geheilt, aber behandelt werden. Die Schmerzen können gelindert werden. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser für die Betroffenen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Endometriose stiehlt den Betroffenen jeden Tag Lebensqualität, Chancen und Träume. Wir können etwas ändern, indem wir handeln. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Endometriose nicht länger ein Tabuthema bleibt. Lasst uns laut sein für all jene, die jahrelang still gelitten haben, denn Sichtbarkeit ist der erste Schritt zu Veränderung. Packen wir es an! Ich bitte um Zustim- (Abg. Baltes (SPD)) mung zum gemeinsamen Antrag von SPD und CDU. - Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD und bei der CDU.)
