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Frank Dieter Schmidt

SPD 07.10.2025 Sitzungen 17/41

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Krebs gehört weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Jährlich erkrankt in Deutschland, ich glaube, man kann die Zahl nicht oft genug nennen, eine halbe Million Menschen an Krebs, und die Zahlen steigen stetig. Alleine im Saarland sind es jährlich rund 10.000 Menschen. Besonders häufige Tumorerkrankungen sind - mein Kollege Hermann-Josef Scharf hat es schon gesagt -: Brustkrebs bei Frauen, Prostatakrebs bei Männern sowie Krebserkrankungen des Dickdarms, der Bronchien und der Lunge. Wer schon einmal einen solchen Fall in der Familie oder im Freundeskreis hatte - ich bin meinem Kollegen Florian Schäfer für seine offenen Worte und seine Erfahrungen aus der Jugendzeit sehr dankbar -, der weiß, dass die Diagnose einer Tumorerkrankung sowohl die Betroffenen selbst als auch deren soziales Umfeld vor gravierende Einschnitte stellt. Die notwendigen Behandlungen haben meist schwerwiegende Auswirkungen. Ängste und Fragen zum Umgang mit der Erkrankung und deren Folgen beschäftigen die Betroffenen. Das alltägliche Leben muss gemeistert werden. Die heutigen medizinischen Fortschritte bei Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Krebserkrankungen führen mittlerweile dazu, dass sich die Heilungschancen und die Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten fortlaufend verbessern. Dennoch muss die Krebsbekämpfung, und da bin ich bei Dir, Hermann, weiterhin im Fokus medizinischer, aber auch gesundheitspolitischer Bemühungen bleiben. Nur durch eine vollständige und detaillierte Erfassung aller auftretenden Krebserkrankungen, deren Behandlung und Verlauf können belastbare und aussagekräftige Daten für die Krebsbekämpfung gewonnen werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Gesundheitsversorgung und medizinische Forschung sind in hohem Maße von medizinischen Daten abhängig. Deswegen sind die Verarbeitung und die Registrierung dieser Daten sehr wichtig. Es geht hier unter anderem um Diagnosen und Therapien, Therapieerfolge, Nebenwirkungen, Nachsorgeuntersuchungen, das Auftreten von Rezidiven und Progression, aber auch um Sterbefälle. All das wird erfasst, und diese Daten werden im Krebsregister aufbereitet sowie epidemiologisch und klinisch ausgewertet. Das, was wir hier im Saarland haben, ist aus meiner Sicht ein echter Datenschatz. Er ist ganz wichtig für die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung betroffener Personen. Diese Daten werden vor allem der Wissenschaft zur Verfügung gestellt, um neue Erkenntnisse in der Krebsversorgung und in der Forschung zu gewinnen. Mit der Krebsforschung können wir helfen, die Lebensqualität zu erhöhen, die Versorgung zu verbessern und natürlich im besten Falle Leben zu retten. Seit 1967 haben wir im Saarland eines der ältesten Krebsregister Deutschlands, das wurde bereits angesprochen. Sämtliche Daten bilden eine wichtige Grundlage für Forschung und Qualitätssicherung. Das Krebsregister Saarland ist aber auch aktiv in wissenschaftlichen Studien, wie beispielsweise in der ESTHER-Studie, der NAKO-Gesundheitsstudie oder im Projekt AI-CARE. Letzteres testet den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Auswertung von Krebsregisterdaten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dies sind nur einige Beispiele, die belegen, dass das Saarland seit Jahrzehnten Verantwortung übernimmt und die Zukunft der Krebsversorgung aktiv mitgestaltet. Neben Forschung, Datenarbeit und medizinischer Versorgung gibt es im Saarland aber auch ein starkes ehrenamtliches Engagement. Viele Menschen schenken Betroffenen und Mitbetroffenen Zeit, Verständnis und Hoffnung, oft weit über das medizinisch Notwendige hin- (Abg. Schmidt (SPD)) aus. Dieses Engagement verdient große Anerkennung und unseren Dank. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine moderne Krebsversorgung braucht auch eine zeitgemäße Krankenhausstruktur. Die Umsetzung der bundesweiten Krankenhausreform - sie wurde eben schon angesprochen - hier im Saarland eröffnet Chancen: Mehr Spezialisierung, klar definierte Leistungsgruppen und die Bündelung medizinischer Angebote können die Versorgung verbessern. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit, wie zum Beispiel die Etablierung eines gemeinsamen Tumorboards zur Beratung und Konsultation der Ärzteschaft untereinander, sind unverzichtbar bei der Weiterentwicklung von Behandlungsformen und Kooperationen. Die Krankenhausreform soll Qualität sichern, die Versorgung in der Fläche stärken und das medizinische Personal entlasten. Damit diese Ziele im Saarland Wirkung zeigen, muss die Landesregierung sicherstellen - bei unserem Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung bin ich mir absolut sicher, dass er das machen wird -, dass sich Kooperationen, Spezialisierung und Erreichbarkeit ergänzen und die Basis einer modernen Versorgung bilden, um den nächsten Schritt in der Krebsbehandlung und -forschung zu gehen. Unbestritten ist, dass wir im Saarland bereits jetzt sehr gut aufgestellt sind. Das Winterberg-Klinikum beispielsweise bietet unter anderem mit seinem DKG-zertifizierten Darmkrebs- und viszeralonkologischen Zentrum eine hochspezialisierte, interdisziplinäre Versorgung. Ergänzt wird dies durch die Strahlentherapiepraxis der Xcare-Gruppe mit einem modernen Linearbeschleuniger für präzise und schonende Bestrahlungen. Seit September dieses Jahres gibt es auch eine ambulante spezialfachärztliche Versorgung bei Lungen- und Thoraxtumoren sowie bei Kopfund Halstumoren. Hierdurch wurde eine weitere Brücke geschlagen zwischen stationärem und ambulantem Sektor. Das Onkologische Zentrum am CaritasKlinikum in Saarbrücken - es wurde schon genannt - vereint hervorragende Expertise und sechs Krebskompetenzzentren unter einem Dach. Diese Beispiele, es gibt natürlich noch mehr, zeigen, wie weit wir im Saarland bereits sind und wie wichtig uns dieses Thema schon immer gewesen ist, selbstverständlich im Zusammenspiel mit allen Beteiligten. Denn bei allen Strukturdebatten dürfen wir eines nicht vergessen - es wurde schon mehrmals angesprochen -: Es geht um den Menschen und das Leben. Menschen, die durch eine Krebserkrankung besonders verletzlich sind, brauchen bestmögliche Behandlung, Schutz, Begleitung und umfassende Unterstützung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wenn das Saarland das Land der kurzen Wege ist, kann es gerade bei komplexen Erkrankungen wie Krebs notwendig sein, für bestimmte Therapien oder Untersuchungen spezialisierte Zentren außerhalb des unmittelbaren Wohnorts aufzusuchen. Damit gehen für Betroffene häufig zusätzliche Fahrten, organisatorische Abstimmungen und gegebenenfalls auch finanzielle Belastungen einher. Die bestehenden Regelungen zur Kostenübernahme medizinisch notwendiger Fahrten sind komplex. Für viele ist unklar, welche Fahrdienste beauftragt werden können und wie die Abrechnung erfolgt. Dies muss eindeutig gesagt, vereinfacht und unbürokratischer werden, liebe Kolleginnen und Kollegen. Dies steht für uns als SPD-Fraktion fest. (Beifall von der SPD.) Wie es geht, zeigen uns unsere Nachbarn aus Frankreich. Wir haben schon mehrmals über die Beziehungen Saarland-Deutschland-Frankreich gesprochen, also lasst uns daran auch ein Beispiel nehmen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer, der Sozialstaat schützt Betroffene einer Krebserkrankung und ihre Angehörigen. Das gilt nicht nur bei den Kosten der Behandlung, sondern auch in Bezug auf die finanziellen Auswirkungen. Neben sechs Wochen Lohnfortzahlung bei bestehender Arbeitsunfähigkeit gibt es darüber hinaus auch noch Krankengeld bis zur Dauer von maximal 78 Wochen sowie andere Sozialleistungen, zum Beispiel die Erwerbsminderungsrente. Dennoch kann es vorkommen, dass Menschen aufgrund ihrer Erkrankung in eine existenzielle Notlage geraten. In solchen seltenen Fällen bedarf es einer schnellen und unbürokratischen finanziellen Unterstützung, denn diese Menschen sind durch die erhaltene Diagnose bereits belastet genug und sollen sich nicht noch Gedanken um das „finanzielle Überleben“ machen müssen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Saarland hat in den letzten Jahrzehnten viel für den Kampf gegen Krebs getan. Es verbindet eine hohe Qualität bei den Gesundheitsdaten, gezielte Unterstützung für die Forschung und eine umfassende Betreuung von Patientinnen und Patienten. Dadurch ist das Land zu einer wichtigen Region in der Krebsbekämpfung geworden. In Wissenschaft und Gesundheitspolitik spielt es eine Vorbildrolle. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und die Krebsversorgung dauerhaft zu stärken. Damit dies so bleibt, haben wir dieses Thema auf die heutige Tagesordnung gebracht mit unseren darin enthaltenen Forderungen. Herr Schaufert, ich habe eben festgestellt, Sie haben unseren Antrag nicht richtig gelesen. Darin sind auch Forderungen, nicht nur „Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern auch Forderungen sowohl an die Landes-, als auch an die Bundesregierung. (Abg. Schmidt (SPD)) Zusammenfassend kann ich also sagen - ich glaube, da sind wir uns bei den demokratischen Fraktionen einig -, Krebs, das Krebsregister und die Krebsbekämpfung sowie die Krebsforschung sind wichtige Themen, die wir weiterhin angehen sollten. Schön, Hermann, dass du schon gesagt hast, dass ihr unserem Antrag zustimmen werdet. Das freut uns außerordentlich. Ich bitte trotzdem auch die AfD ‑ Fraktion - aber die brauchen wir eigentlich nicht - um Zustimmung zu unserem Antrag. Vielen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)

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