Pascal Conigliaro
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Nach den Vorrednerinnen Réka Klein, Christina Baltes und Anja Wagner-Scheid und nach dem Herrn von rechts will ich mich als im Wissenschaftsausschuss tätiger Abgeordneter, zudem als aus Homburg stammender Abgeordneter und als Mitglied des CGBM zum Sachverhalt äußern. In meinem Beitrag geht es nun weniger um das konkrete Thema Endometriose, sondern mehr noch als bei den Vorrednerinnen aus meiner Fraktion und auch mehr als im Beitrag von Frau Wagner-Scheid um das Themenfeld Wissenschaft und Forschung. Denn es ist, das wurde schon gesagt, noch zu wenig bekannt, was hier im Saarland in der einschlägigen Forschung stattfindet. Endometriose ist eine Erkrankung, über die wir jetzt schon viel Wissenswertes gehört haben ‑ abgesehen von einem beschämenden Beitrag ‑ , eine Erkrankung mit chronischem Verlauf, die fast ausschließlich Frauen betrifft. 10 Prozent der Frauen sind davon betroffen. Die Erkrankung ist sehr schmerzhaft, die Ursache ist schwer feststellbar. Auch die Therapie ist schwierig. Das sind ganz problematische Dinge. Es ist daher wichtig, dass wir hierzu in der Forschung vorankommen, dass dazu deutliche Fortschritte erzielt werden. Für mich als Nicht-Mediziner - das geht wahrscheinlich vielen in diesem Raum so - war es, als mich das Thema damals erreicht hat, schon etwas überraschend, das alles zu hören. Begegnet ist mir das Thema im Jahr 2022 bei einem Gespräch mit Professor Kirchhoff, er ist Leiter des CIPMM, des Zentrums für Integrative Physiologie und molekulare Medizin, und derzeit geschäftsführender Sprecher des CGBM, des Zentrums für geschlechtsspezifische Biologie und Medizin. Ich darf auch ihn heute herzlich bei uns begrüßen. Hallo Herr Universitätsprofessor Dr. Kirchhoff! Ich begrüße aber natürlich auch Frau Eva Groterath, die ebenfalls dem CBGM-Beirat angehört, und alle anderen, die heute Morgen schon begrüßt wurden. Als mich also das Thema erreicht hat, kamen diese Informationen für mich schon etwas überraschend. Es kommt ja fast schon einem Anachronismus gleich, dass bislang in der Medizinforschung sehr einseitig an männlichen Probanden geforscht beziehungsweise, bei der Nutzung von Versuchstieren, mit Mäuserichen, also maskulinen Exemplaren, gearbeitet worden ist. In der Rede von Frau Baltes haben wir es gehört: Das begründet ein Forschungsdefizit, das ist eine medizinische Fehlleistung. Zugegeben, das ist ein schwerer Vorwurf, an dieser Stelle ist er aber durchaus gerechtfertigt und ich unterstütze ihn. Die Umstellung der Forschung beziehungsweise die Hinwendung zu einer breiter aufgestellten geschlechtersensiblen Medizin hätte schon viel früher erfolgen können und auch erfolgen müssen. Es gibt sie eben, diese Unterschiede, von denen wir eben gehört haben; ich werde darauf jetzt nicht noch einmal eingehen. Ich komme zum eigentlichen Kern meiner Rede und damit zur Frage, was sich in der jüngeren Vergangenheit insoweit schon geändert hat. Ich darf es vorwegnehmen: Die Änderungen, die seit 2022 eingetreten sind, sind sehr beachtlich, (Abg. Conigliaro (SPD)) das Saarland ist hier auf einem guten Weg. Was ist also zwischenzeitlich passiert? Nach einem ersten Gespräch zwischen Prof. Dr. Kirchhoff und mir haben wir damals Leute aus der Medizinischen Fakultät, aus der Regierung und aus dem Parlament zusammengebracht. Wir haben gemeinsam einen Fahrplan festgelegt, was hinsichtlich der Bedarfe und der Chancen der geschlechtersensiblen Medizin unternommen werden kann. Ich will auch das vorwegnehmen: Das Ergebnis war damals ein sehr gutes. Wir haben über die Gründung des CGBM in Homburg gesprochen und auch darüber, wie es auf der Zeitschiene weitergehen kann. Wo stehen wir heute? Seit der Gründung im Jahr 2023 ist das CGBM mit einem Team von 25 Forschungsgruppenleiterinnen und -leitern - das geht vom Postdoc bis hin zum Ordinarius - und einem jährlichen Volumen von 30 Publikationen, das ist auch schon eine sehr beachtliche Zahl, bereits sehr gut unterwegs und es ist schon viel erreicht worden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, einige werden sich jetzt fragen: Was ist das CGBM, beziehungsweise was macht dieses CGBM eigentlich? Ich will Ihnen einen kurzen Einblick geben. Das CGBM besteht im Wesentlichen aus zwei Säulen. Man ist dort zu rund zwei Dritteln im Bereich der Grundlagenforschung unterwegs und mit einem weiteren Drittel mit dem Ziel der Translation beschäftigt, das heißt mit der Übertragung der Ergebnisse in die Universitätsmedizin beziehungsweise in die Universitätsklinik. Das Bemerkenswerte dabei ist, dass Letzteres in der Vergangenheit häufig nicht geleistet wurde, allein schon unter diesem Gesichtspunkt kann das Ganze als Erfolg betrachtet werden. In der zweiten Säule geht es darum, die Sichtbarkeit des Standortes Homburg beziehungsweise Saarland zu erhöhen. Das läuft so ab, dass bei internationalen Medizinkongressen Symposien zu dem Thema geschlechtersensible Medizin organisiert werden. Beachtlich ist, dass dabei schon ein internationales Netzwerk entstanden ist. Ich habe gehört Japan, Frankreich, Kanada, Korea, China sind beteiligt, es ist also ein weltumspannendes Netzwerk. Und Homburg hat seinen Anteil daran, denn das CGBM hat dort schon als Template beziehungsweise als Modell gedient, und das ist auch schon eine sehr beachtliche Entwicklung in dieser kurzen Zeit. Was ist nun mittelfristig das ganz große Ziel des CGBM? Es soll ein höheres Forschungsniveau erreicht werden, das auch auf Bundesebene Anerkennung findet. Wenn es zu einer Evaluation durch den Wissenschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland kommt, kann mit einer Bundesförderung gerechnet werden, und perspektivisch könnte die Gründung eines Instituts der Leibnizgesellschaft anvisiert werden. Meine Redezeit ist zu Ende. Die Polemik haben wir schon gehabt. Deshalb ganz kurz erst mal vielen Dank an alle, die hier mitgewirkt haben, die bei der Sache dabei sind. Das Thema ist sehr wichtig, wie wir gelernt haben. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag, dem die CDU beigetreten ist, ohne dass sich im Text etwas geändert hat. - Vielen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD und der CDU.)
