Christoph Rudolf Schaufert
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Meine verehrten Kollegen! Ich habe, als ich eben meinen Platz eingenommen habe, schon „och nee“ gehört. Ich hoffe, dass ich das rechtfertigen kann. Dieses Mal ist es also die geschlechtersensible Medizin, die Sie von den Schwesterparteien umtreibt. Am Anfang Ihres Antrages stehen - so möchte man fast sagen - bahnbrechende Erkenntnisse wie - ich zitiere - „der medizinischen und biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern“ und „dass Frauen und Männer unterschiedliche Symptome, Krankheitsverläufe und Ansprachen auf Therapien aufweisen“ und „Auch haben Frauen und Männer ein unterschiedliches Risiko für das Auftreten bestimmter Erkrankungen.“ Das sind wahrlich richtige und gute Aspekte, vielleicht zwar nur mit einem Erkenntnisgewinn ähnlich 2+2=4, denn - oh Wunder - es ist nun einmal so, es gibt nur zwei Geschlechter und die sind unterschiedlich, hormonell wie genetisch und sich daraus ergebend auch sozial und so weiter. Leider kommen Sie natürlich nicht aus, ohne über diese richtigen Beschreibungen der realen Unterschiede zwischen den Geschlechtern sogleich wieder die ideologische Soße zu kippen: „Geschlechtersensible Medizin berücksichtigt sowohl diese biologischen Unterschiede als auch den Einfluss gesellschaftlich und kulturell geprägter Rollen, Verhaltensweisen und Erwartungen, die mit dem Geschlecht einer Person verbunden sind, auf Gesundheit und Krankheit.“ Hier wäre jetzt natürlich die Gelegenheit, ein wenig Hohn und Spott über die Unmöglichkeit auszukippen, dass man in Deutschland seit vorigem Jahr sein Geschlecht nach Lust und Laune amtlich wechseln kann. In dem vorliegenden Antrag hingegen möchte man die unabänderlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau präzise herausarbeiten und Auswirkungen auf die Gesundheit auf die neuste wissenschaftliche Basis stellen. (Zurufe der Abgeordneten Baltes (SPD) und Scharf (CDU). - Weitere Zurufe.) Was denn nun? - Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, warum nicht jedes Medikament bei jedem Menschen gleich wirksam ist, stößt man neben dem Ansatz der geschlechterspezifischen Medizin sofort auch auf den Ansatz der Race based Medicine und das Bidil-Phänomen oder das Problem eines 2005 in den USA speziell für Afroamerikaner zugelassenen Herzmedikaments. Ohne dies weiter zu vertiefen - das kann ich auch gar nicht, das kann hier im Sitzungssaal niemand, da uns allen die Fachkenntnisse darüber fehlen -, ist beiden, sowohl der gendersensiblen als auch der Race based Medicine, gemeinsam, dass weder das eine noch das andere nach aktuellem Forschungsstand der Weg in die medizinische Zukunft sein wird. Was die Richtung angeht, in die sich die aktuelle Forschung weltweit entwickelt, zeichnet sich allerdings eine Linie ab. Es wird wohl so sein, dass der zukünftige Weg die personalisierte genetische Präzisionsmedizin, die sogenannte Pharmakogenetik, sein wird, die sich auf individualisierte genomische Ansätze statt auf irgendwelche starren Kategorien von Rasse oder - wie hier vorliegend - Geschlecht bezieht. (Einige SPD-Abgeordnete verlassen den Saal.) Wir kommen nicht weiter, wenn man, wie eben erwähnt, immer versucht, wichtigen und ernsthaften Themen den ideologischen Stempel aufzudrücken. Lassen Sie mich zum Thema Ideologie und den wirklich wichtigen Problemen der Menschen draußen einmal etwas aufzeigen, was auch für Sie von Interesse sein müsste. Es geht um die Bundestagswahl vorigen Monat. Ich nenne nur einige Ergebnisse: In Schiffweiler erreichte die AfD 25,9 und die SPD 23,2 Prozent. (Abg. Schmitt-Lang (CDU): Was hat das da- mit zu tun? - Abg. Theobald (CDU): Thema verfehlt. - Abg. Baltes (SPD): Was hat das mit diesem Thema zu tun?) Ich komme gleich dazu. Die CDU erreichte 24,8 Prozent. Ich kürze es ab. In Burbach erreichte die AfD 36,9 Prozent, die SPD 19,5 Prozent und die CDU 15,5 Prozent. (Abg. Haas (SPD): Reden Sie zum Thema. - Abg. Haas (SPD) wendet dem Redner den Rücken zu.) (Abg. Schaufert (AfD)) Ich komme jetzt wieder zum Thema. Alles war einst tiefrotes Kernland, jetzt sind es blaue Hochburgen - und das zum wiederholten Mal. Wissen Sie, woher so etwas kommt, werte Kollegen der SPD? - So etwas kommt von Anträgen wie dem vorliegenden. Im Grunde sind es wichtige und ernste Themen. Sie werden bleiern mit der ideologischen Genderdecke zugedeckt und abgewürgt. (Abg. Ahr (SPD): Was für eine Genderde- cke?) Es interessiert da draußen wirklich nicht viele, (Zuruf: Alle Frauen) wie der - ich zitiere - „Einfluss gesellschaftlich und kulturell geprägter Rollen, Verhaltensweisen und Erwartungen, die mit dem Geschlecht einer Person verbunden sind, auf Gesundheit und Krankheit“ ist. (Abg. Scharf (CDU): Sie müssten sich für Ih- re Worte schämen.) Vor allem nicht in Zeiten des - sagen wir es, wie es ist - zusammenbrechenden Gesundheitssystems. (Zuruf der Abgeordneten Schmitt- Lang (CDU).) Die Menschen im Saarland wollen wieder Kinderärzte und Hausärzte finden. Die Menschen wollen nicht zig Kilometer für Krankenhausbehandlungen fahren. Die Menschen wollen nicht monatelang auf einen Facharzttermin warten. Die Menschen wollen keine Arzneimittelengpässe et cetera. Darum sollten Sie sich kümmern. Das wollen und brauchen die Menschen im Saarland. Was die Saarländer nicht wollen und brauchen, ist - ich zitiere wieder aus dem Antrag -: „Das macht geschlechtersensible Medizin bzw. die geschlechtersensible Gesundheitsversorgung zu einem großen Thema für die aktuelle gleichstellungs- und vor allem gesundheitspolitische Agenda.“ - So steht es in Ihrem Antrag. Dem Teil des Antrags mit Endometriose ist im Grunde zuzustimmen, wenn es auch vor allem Frauen betrifft. Da wurde aber viel Richtiges gesagt. Der Teil des Antrags ist nicht zu beanstanden. Medizinische Forschung nach vorne zu bringen, ist gut, richtig und wichtig und hat stets unsere Unterstützung. Wir unterstützen aber nicht, wenn versucht wird, Forschung in eine ideologische Agenda einzubinden. - Wir lehnen den Antrag ab. (Beifall von der AfD. - Minister Jost: Das Ein- zige, was sich nicht ändert, ist die Widerlich- keit mancher Auftritte in diesem Parlament. - Abg. Baltes (SPD): Ja.)
