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Christina Baltes

SPD 19.03.2025 Sitzungen 17/35

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Saarländerinnen und Saarländer! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich mit dem heutigen Frauenthema beginne, möchte ich noch einige Gäste begrüßen. Ich begrüße aus der Frauenklinik in Homburg Frau Professor Radosa und Frau Dr. Kaya, den Geschäftsführer des geschlechtsspezifischen Zentrums, Herrn Professor Kirchhoff, Frau Walle von der Endometriose-Vereinigung und Frau Groterath vom Landesfrauenrat. (Beifall des Hauses.) Wir sind nicht alle gleich. Jeder Mensch ist einzigartig. Das haben wir alle schon sehr oft gehört. Aber wenn es um unsere Gesundheit geht, steckt sehr viel mehr dahinter, als man zunächst vermutet. Wie wir krank werden und wie die beste medizinische Behandlung für jeden einzelnen Menschen aussieht, hängt von vielen Faktoren ab. Bisher wurde das medizinische Wissen und dessen praktische Umsetzung sehr geschlechterneutral gelernt und im klinischen Alltag angewandt. Der Körperbau von Mann und Frau ist ganz unterschiedlich. Das gilt nicht nur für die Körperform und die Geschlechtsorgane, sondern für viele Organe, Gefäße und sogar für einzelne Körperzellen. Hinzu kommen die Hormone. Die Östrogene spielen eine große Rolle im Körper der Frau, das Testosteron beim Mann. Sie haben Einfluss auf den Stoffwechsel und viele weitere Funktionen im Körper. Hormone sind Nachrichtenübermittler. Sie wirken nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Stimmung und können oftmals ein Gefühlschaos auslösen. Hormone bestimmen den Ablauf des Menstruationszyklus. Wenn wir über den medizinischen Fortschritt sprechen, blicken wir oft stolz auf bahnbrechende Entwicklungen: Impfstoffe, Hightech-Diagnostik, personalisierte Medizin. Doch es gibt eine erschreckende Konstante in der Geschichte der Medizin. Das ist das Vergessen und Übersehen von Frauenkrankheiten. Dem müssen wir entgegenwirken. (Beifall von der SPD und der CDU.) Wussten Sie, dass Endometriose bereits im antik en Ägypten beschrieben wurde? Und doch stehen wir im Jahr 2025 immer noch vor einem riesigen Forschungsdefizit. Eine Krankheit, die jede zehnte Frau betrifft, wird bis heute kaum erforscht, kaum diagnostiziert und oft nicht ernst genommen. Warum ist das so? Vor allem: Wie können wir das endlich ändern? Genau darum geht es heute. Es wird Zeit, das zu ändern! (Abg. Baltes (SPD)) (Beifall von der SPD und der CDU.) Endometriose ist nicht nur schwer zu diagnostizieren, sondern auch schwer zu behandeln. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Forschung jahrzehntelang vernachlässigt wurde. Während für viele Männerkrankheiten umfangreiche Studien existieren, fehlen für Endometriose noch immer grundlegende Erkenntnisse über Ursachen, Risikofaktoren und langfristige Therapieoptionen. Doch Forschung allein reicht nicht, denn was nützt uns Wissen, wenn es nicht in die medizinische Praxis umgesetzt wird? Was bringt uns eine Diagnose, wenn es keine ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten gibt? Wir brauchen eine bessere Versorgung, und zwar jetzt. (Beifall von der SPD und der CDU.) Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Sie kann nicht geheilt werden; sie kann aber behandelt und die Beschwerden können gelindert werden. Je früher man mit der Behandlung beginnt, umso besser für die Betroffenen. In Deutschland gibt es zu wenige spezialisierte Endometriosezentren. Viele Frauen irren jahrelang von Praxis zu Praxis, von einer Fehldiagnose zur nächsten, bis sie endlich an einen Experten oder eine Expertin geraten. Das ist eine medizinische Fehlleistung mit dramatischen Folgen für die Betroffenen. Dann haben wir noch ein weiteres Problem. Viele Gynäkologinnen und Gynäkologen sind schlicht überlastet oder nicht ausreichend geschult, um Endometriose frühzeitig zu erkennen. Die Wartezeiten für die spezialisierte Behandlung beträgt oft mehrere Monate und das, während Frauen tagtäglich unerträgliche Schmerzen ertragen müssen. Das ist absurd. Deshalb sagen wir ganz klar: Wir brauchen mehr spezialisierte Behandlungszentren. Wir brauchen eine bessere Vergütung für die Ärztinnen und Ärzte, die sich der Endometriose widmen. Wir brauchen eine bundesweite Strategie, um endlich eine verlässliche und gerechte Versorgung für Betroffene sicherzustellen. Das sind keine Luxusforderungen. Das ist ein Minimum, das wir für Millionen von betroffenen Frauen tun müssen. (Beifall von der SPD und der CDU.) Doch es geht nicht nur um Ärztinnen und Ärzte, es geht auch um uns alle. Endometriose ist keine seltene Krankheit, aber sie ist eine unsichtbare Krankheit. Das liegt auch daran, dass wir viel zu wenig darüber sprechen. Viele Frauen wachsen in dem Glauben auf, dass Regelschmerzen normal sind, dass es eben dazugehört, wenn man eine Frau ist. Doch das ist eine gefährliche Fehleinschätzung. Denn wenn Mädchen und junge Frauen frühzeitig wüssten, dass unerträgliche Schmerzen ein Anzeichen für eine Krankheit sein können, dann könnten sie schneller ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Deshalb fordern wir: Endometriose-Aufklärung an Schulen - junge Menschen müssen wissen, welche Symptome auf eine ernsthafte Krankheit hinweisen können -, Informationskampagnen für eine breite Öffentlichkeit, denn Endometriose betrifft nicht nur Frauen selbst, sondern auch ihre Familien, ihre Partnerinnen und Partner und ihre Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, sowie eine klare Entstigmatisierung der Krankheit. Kein Mädchen, keine Frau, keine Betroffene soll sich mehr schämen müssen, über ihre Beschwerden zu sprechen. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede, auch meine Tochter ist davon betroffen. Wir müssen deshalb Endometriose genauso sichtbar machen wie andere Volkskrankheiten auch. Hier richte ich mich ganz besonders an das männliche Geschlecht in diesem Raum und darüber hinaus. Endometriose ist keine Frauenangelegenheit, sie ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, denn diese Krankheit betrifft nicht nur die Frauen selbst, sie betrifft ihre Familien, ihre Partnerinnen und Partner und ihre Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen. Wenn Ihre Frau, Ihre Tochter oder Ihre Kollegin vor Schmerzen kaum aufstehen kann, wenn sie monatelang mit Ärztinnen und Ärzten kämpfen muss, um endlich ernst genommen zu werden, dann ist das nicht nur ihr Problem, dann ist das unser aller Problem. (Beifall von der SPD und der CDU.) Ich fordere Sie daher auf: Hören Sie zu, wenn Frauen über ihre Beschwerden sprechen, und nehmen Sie sie ernst. Setzen Sie sich in Ihrem beruflichen Umfeld für eine bessere Gesundheitsversorgung ein. Nutzen Sie Ihre Stimme, um mitzuhelfen, Endometriose endlich sichtbar zu machen. Frauen kämpfen schon viel zu lange allein gegen dieses unsichtbare Leid. Es ist höchste Zeit, dass auch Männer Verantwortung übernehmen. (Beifall von der SPD.) Ich komme zum Schluss. Meine Damen und Herren, die Zeit des Wegschauens ist vorbei. Wir müssen Endometriose aus der Tabuzone holen und endlich die Versorgung betroffener Frauen verbessern. Geschlechtssensible Medizin ist keine Nebensache, sie ist eine Frage der Gerechtigkeit und sie ist eine Frage der politischen Verantwortung. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass keine Frau mehr jahrelang auf eine Diagnose oder eine angemessene Behandlung warten muss. An alle Männer in diesem Raum: Machen Sie dieses Thema auch zu Ihrem Thema, es ist Zeit zum Handeln, und zwar jetzt! - Ich bitte um Zustimmung des Antrages, vielen Dank! (Beifall von der SPD und der CDU.)

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