Sevim Kaya-Karadağ
Sie wachsen in einer Welt auf, in der digitale Kompetenzen nicht mehr nice to have sind, sondern entscheidend für gesellschaftliche Teilhabe, die persönliche Entwicklung und berufliche Zukunftschancen. Schule muss deshalb ein Ort sein, an dem nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern unsere Schülerinnen und Schüler auch fit gemacht werden für die digitale Welt. Wir stehen damit heute vor einer entscheidenden Frage: Wie gestalten wir digitale Bildung, die wirklich alle Kinder erreicht, unabhängig vom Elternhaus, vom Wohnort, von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern? Die ICILS-Studie 2023 hat die digitalen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der achten Klasse weltweit untersucht. Sie weist ganz klar einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und digitalen Kompetenzen aus. Unser Ziel ist es, diese Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern abzubauen. Deshalb bringt die Landesregierung die digitale Transformation unseres Bildungssystems zügig voran. Ein zentraler Baustein dabei ist, wie bereits angesprochen, die Landesweite Systematische Medienausleihe, kurz LSMS. Damit haben wir eines der wichtigsten Vorhaben in der Bildungspolitik des Saarlandes auf den Weg gebracht. Ich sage bewusst und wiederhole es gerne: Das ist eines der wichtigsten Vorhaben. Denn durch die LSMS haben heute alle Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse unabhängig von ihrem sozialen Status Zugang zu digitalen Endgeräten. Meine Kollegin Martina Holzner hat es schon erwähnt: 100.000 Tablets und Laptops sind an unseren Schulen im Einsatz. Damit erhalten die Schulen die digitalen Werkzeuge, die es ihnen ermöglichen, den Unterricht zeitgemäß, interaktiv und dem Lernstand individuell angepasst zu gestalten. Mit Einführung der LSMS wird kein Kind mehr benachteiligt, nur weil es zu Hause keinen eigenen Computer hat. Das, meine Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen, ist gelebte Chancengerechtigkeit! (Beifall von der SPD.) Mit der Online-Schule Saar, der OSS, hat das Bildungsministerium ein digitales Bücherregal geschaffen, mit dem die Schülerinnen und Schüler neben digitalen Schulbüchern auch interaktive Angebote nutzen können, auch solche, die sich individuell an die Lernenden hinsichtlich Lerntempo, Schwierigkeitsgrad und Lernmethode anpassen. Ein tolles Projekt, das in der OSS enthalten ist, ist die Initiative „ZDF goes Schule“. Seit Anfang des Jahres können auch die saarländischen Schülerinnen und Schüler die Inhalte des ZDF nutzen und so ihre Medienkompetenz stärken. Ihnen wird unter anderem Geschichtswissen vermittelt und sie erlernen den kritischen Umgang mit Medien. Die OSS zeigt eindrucksvoll, wie sich mit digitalen Angeboten der Unterricht bereichern lässt und der Lernprozess individueller gestaltet werden kann. Doch mit den neuen Möglichkeiten gehen auch neue Herausforderungen einher, insbesondere beim Datenschutz. Die digitale Bildung braucht klare Regeln, damit sie für die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und die multiprofessionellen Teams in Schulen sicher ist. Deshalb wurde, es wurde eben auch schon gesagt, im vergangenen Jahr das Schulwesen-Datenschutzgesetz als wesentliche Grundlage geschaffen. Das Gesetz schützt die Daten der Kinder und der Lehrkräfte und schafft einen geschützten Raum für digitales Lernen. Auch moderne digitale Werkzeuge wie Lernplattformen oder KIgestützte Systeme sind so sicher nutzbar. Ist beispielsweise ein Kind länger krank, kann es durch einen Avatar am Unterricht teilnehmen und bleibt so weiterhin Teil der Klassengemeinschaft. Jetzt folgt der nächste Schritt. Mit dem neuen Gesetz zur digitalen Bildung an Schulen schaffen wir als erstes Bundesland einen verbindlichen rechtlichen Rahmen für digitale Bildung. Damit setzen wir bundesweit Maßstäbe. (Beifall von der SPD.) Wir sorgen für verpflichtende Medienkonzepte an den Schulen und geben unseren Schülerinnen und Schülern einen Rechtsanspruch auf Distanzunterricht. Das ist eine wichtige Lehre aus Zeiten der Corona-Pandemie, aber auch ein notwendiges Instrument für den Fall extremer Wetterlagen, etwa bei Hochwasser oder Glatteis. Wir stellen sicher, dass Schulen in solchen Situationen handlungsfähig bleiben und Kinder weiterhin unterrichtet werden können. Bei aller Begeisterung für digitale Bildung dürfen wir eines nicht vergessen: Technik ist immer nur so gut, wie wir sie nutzen. Digitale Kompetenzen bedeuten nicht nur, den Umgang mit Tablets und Computern zu erlernen. Sie bedeuten auch zu wissen, wann und wie digitale Medien sinnvoll eingesetzt werden. Gerade in der Grundschule ist es daher entscheidend, Kinder frühzeitig für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien zu sensibilisieren. Das Basiscurriculum Medienbildung sieht deshalb vor, dass bereits die Jüngsten lernen, wo sie altersangemessene und kindgerechte Inhalte finden können, wie digitale Medien ihren Alltag beeinflussen und mit (Abg. Kaya-Karadağ (SPD)) welchen Regeln sie ein respektvolles und sicheres Miteinander gestalten können. Medienkompetenz beginnt nicht erst in der weiterführenden Schule. Sie muss von Anfang an gefördert werden. Ebenso wichtig ist es, dass die Landesregierung Schulen gezielt dabei unterstützt, Schutzkonzepte zu erstellen. Diese Schutzkonzepte müssen auch Fortbildungsangebote für Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt im digitalen Raum beinhalten. So stellen wir sicher, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler sicher im digitalen Raum bewegen können. An allen 327 Schulen sind Tablets im Einsatz. Insgesamt sind - die Zahl ist eben schon genannt worden - 100.000 Geräte an Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte ausgegeben worden. Das war ein riesiger Kraftakt, den wir gemeinsam mit den Schulträgern erfolgreich gemeistert haben. Deshalb an dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an unsere Landkreise, die als Schulträger die Digitalisierung der Schulen tatkräftig vorangetrieben haben. Sie stehen dabei nicht alleine; das Land unterstützt sie weiterhin, damit dieser Prozess gelingt. Gemeinsam mit den Schulträgern wurden Kompetenzzentren gegründet, die sich um Administration, Wartung und Support der Tablets und Laptops kümmern. Das ist ein wichtiger Schritt, um eine nachhaltige und funktionierende digitale Infrastruktur sicherzustellen. Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird es mit dem digitalen Bildungsgesetz ein neues Leasingmodell für Tablets an weiterführenden Schulen geben. Mit einer einheitlichen Leihgebühr von 160 Euro schaffen wir eine finanziell gedeckelte und transparente Lösung für alle Familien. Die Verwaltung der Geräte bleibt bei den Schulträgern, aber zusätzlich wird ein Leasinggeber beauftragt, der sich um Logistik und Versicherung kümmert. Das bedeutet weniger bürokratischen Aufwand für die Landkreise und eine effiziente Organisation für alle Beteiligten. Auch bei der Finanzierung lassen wir unsere Schulträger nicht im Regen stehen. Mit den Mitteln aus dem ersten DigitalPakt Schule konnten die Kommunen bereits erheblich in die IT-Infrastruktur investieren, von schnellen Internetverbindungen über digitale Tafeln bis hin zu modernen Beamer-Systemen in den Klassenzimmern. Jetzt ist es wichtig, dass diese Investitionen auch langfristig gesichert werden. Deshalb bin ich froh, dass unsere Bildungsministerin sich während ihrer KMK-Präsidentschaft unermüdlich für den DigitalPakt Schule 2.0 eingesetzt hat und dass auch unsere Ministerpräsidentin sich im Bundesrat dafür starkgemacht hat. Es ist ein Riesenerfolg, dass man sich mit dem Bildungsminister Cem Özdemir auf politische Eckpunkte für den DigitalPakt 2.0 einigen konnte. Sobald die neue Bundesregierung im Amt ist, muss der Pakt zügig in die Wege geleitet werden, denn wir brauchen diese Bundesmittel für schnelles WLAN an den Schulen, für Tablets und für digitale Lernplattformen wie die LSMS. Und auch hier zeigt sich: Wir als Land übernehmen Verantwortung. 50 Prozent der Mittel kommen vom Bund, die andere Hälfte trägt das Saarland. Damit unterstützen wir erneut unsere Landkreise bei dieser wichtigen Aufgabe. Meine Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen, wir setzen digitale Bildung an unseren Schulen nicht nur konsequent um, sondern gestalten sie nachhaltig und verlässlich. Deshalb bitte ich Sie heute um Zustimmung zu unserem Antrag, damit das Saarland seine Spitzenstellung in der digitalen Bildung nicht nur behaupten, sondern weiter ausbauen kann. - Glück auf! (Beifall von der SPD.)
