Ulrich Commerçon
Madame la Présidente! Mesdames et Messieurs! Chers collègues! „Les limites de ma langue signifient les limites de mon monde.”: Dieser Satz von Ludwig Wittgenstein drückt einen wesentlichen Punkt aus, qui a également occupé les penseurs français tels que Voltaire, Jean-Jacques Rousseau et Jacques Derrida. La langue ne façonne pas seulement notre pensée, elle définit aussi la manière dont nous percevons le monde et nous y situons. La langue, c'est bien plus qu'un simple moyen de communication. C'est une clé de notre culture - eine Brücke zu den anderen -, mais aussi un miroir de notre identité. Elle peut aussi diviser, lorsque les mots nous manquent pour trouver ce qui nous unit. Mais elle peut également être un lien, lorsque nous parvenons à nous comprendre. En Sarre, nous savons ce que cela signifie. Notre histoire est marquée par deux cultures: der deutschen und der französischen. Sie verbinden uns, doch wir kennen auch die Herausforderungen, die entstehen, wenn Sprache zur Barriere wird. Ich zitiere erneut Jacques Derrida - mit Ihrer Erlaubnis Frau Präsidentin -: „Une langue est une histoire. Elle est habitée par des mémoires.“ Sprache ist eine Geschichte. Im Saarland wird (Abg. Commerçon (SPD)) diese Idee lebendig. Wir sprechen die Sprache unserer Vergangenheit, doch heute ist sie eine Sprache der Verbindung, der gemeinsamen Zukunft. Sprache hat im Saarland immer eine besondere Rolle gespielt, nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als Brücke und Identität. Im Saarland haben wir uns entschieden, Französisch nicht als „Fremdsprache“ zu behandeln, sondern als einen festen Bestandteil unseres Alltags. Mit 89 Elysée-Kitas und -Grundschulen, in denen Französisch frühzeitig verankert ist, setzt das Saarland bundesweit Maßstäbe. Das ist ein klares Signal: Wir wollen die nächste Generation zu Brückenbauern zwischen Deutschland und Frankreich machen. „L'Europe ne se fera pas d'un coup, ni dans une construction d'ensemble, elle se fera par des réalisations concrètes créant d'abord une solidarité de fait.” - Mit diesem Satz legte Robert Schuman den Grundstein für die heutige Europäische Union und machte deutlich, worauf es fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und noch heute wirklich ankommt: Kleine Schritte, konkrete Erfolge, gelebte und geteilte Solidarität. Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese kleinen Schritte müssen aber auch gegangen werden. Wir leben in einer Zeit, in der Grenzen in Europa wieder sichtbar werden, auch hier im Saarland. Wir müssen weiter und wieder Brücken bauen, sprachlich, kulturell und wirtschaftlich. Der angestrebte Beitritt zur Assemblée parlementaire de la Francophonie ist eine Fortsetzung dieses Weges. Er ist nicht nur ein Schritt, um unsere kulturelle Verbindung zu Frankreich und der Frankofonie zu stärken, sondern er ist auch ein Zeichen, dass das Saarland bereit ist, auf internationaler Ebene Verantwortung zu übernehmen, als Brückenbauer zwischen Sprachen, Kulturen und Ländern. Das Saarland ist keine Region, die trennt, es ist eine Region, die verbindet. Unsere Region war niemals nur deutsch oder nur französisch, sie war immer beides, und sie ist heute europäisch. Mit dem Beobachterstatus bei der Organisation internationale de la Francophonie wurde das Saarland nicht nur ausgezeichnet, dieser Status ist eine Anerkennung dafür, dass unser Land seit Jahrzehnten das lebt, wofür die Frankofonie steht: den Austausch über sprachliche, kulturelle und nationale Grenzen hinweg. Wir stehen im Dialog mit 88 Ländern. Wir senden ein starkes Signal, das Saarland ist ein Brückenbauer. Wir schaffen Anreize für französische Unternehmen und Fachkräfte. In den letzten Wochen wurde deutlich, wie stark der internationale Wettbewerb und geopolitische Entscheidungen das Leben hier vor Ort unmittelbar mitbestimmen. In diesem Kontext ist die Frankofonie ein bedeutender Hebel, ein Standortvorteil für unser Land. Unser Status in der OIF und der angestrebte Beitritt zur Assemblée parlementaire de la Francophonie sind nicht nur kulturelle oder politische Schritte, sondern sie bieten auch wirtschaftliche Chancen: Wir stärken unsere Netzwerke, um französisch-sprachige Unternehmen für den Standort Saarland zu gewinnen. Unsere bilinguale Ausrichtung macht das Saarland attraktiv für französischsprachige Fachkräfte. Gerade in der Transformation hin zu einer CO -neutralen Produktion profitieren wir vom Erfahrungsaustausch mit anderen Regionen der Frankofonie, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Mit dem Beitritt zur Assemblée parlementaire de la Francophonie stärken wir unsere Rolle als Brückenbauer. Der Austausch mit anderen Parlamenten ermöglicht es uns, erfolgreiche Projekte kennenzulernen, etwa bilinguale Programme in Kanada. Gleichzeitig zeigen wir, wie grenzüberschreitendes Zusammenleben gelingt. Wir öffnen unseren Landtag für den internationalen Austausch und positionieren uns als Modellregion für Zweisprachigkeit in Deutschland. Meine Damen und Herren, der Beitritt zur APF ist nicht nur ein Gewinn für uns Parlamentarier, er ist auch eine Botschaft an die Menschen in der Großregion: Wir bewahren nicht nur unsere Geschichte und unsere Identität, sondern wir entwickeln sie aktiv weiter, kulturell, politisch und wirtschaftlich. Mit diesem Beitritt machen wir einen Schritt, der uns als Region, als Parlament und als Modell für kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit stärkt. Lassen Sie uns diesen Schritt gehen, veillons à ce que la Sarre ne soit pas seulement une porte vers la France, mais aussi une fenêtre ouverte sur le monde. La Francophonie est notre clé pour ouvrir cette fenêtre. Ensemble, nous pouvons poser les bases de nombreuses coopérations internationales à venir. - Je vous remercie. - Glück auf und Danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD und bei der CDU.)
