David Maaß
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, das zentrale Problem ist das, dass es immer mehr Menschen gibt, die ein Studium beginnen wollen, und immer weniger, die sich für eine Ausbildung entscheiden. Das war vor zehn oder 15 Jahren sicherlich noch anders. Mittlerweile, im Jahr 2024, ist es so, dass fast die Hälfte der Schulabgänger ein Studium aufnimmt. Das stellt natürlich die Unternehmen, aber auch uns als Gesamtgesellschaft, vor große Herausforderungen. Deswegen ist es Aufgabe von Politik, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen und die Betriebe zu unterstützen. Im Antrag der CDU findet sich beispielsweise die Forderung nach einer kostenlosen Meisterausbildung. Ich will dazu anmerken, dass es die in keinem grenznahen Bundesland gibt, natürlich auch nicht hier im Saarland, dass es aber jetzt schon umfangreiche Fördermöglichkeiten im Saarland gibt, auch über den Bund, die fast die Kosten der entsprechenden Ausbildung decken. Dazu will ich jetzt ein paar Ausführungen machen. Zum einen zu einer Sache, die Ihnen sicherlich bekannt ist, nämlich zum sogenannten Meisterbonus, der 2018 von der saarländischen Landesregierung als saarländischer Aufstiegsbonus eingeführt worden ist. Das ist eine finanzielle Anerkennung für bestandene Meister- und Fortbildungsprüfungen. Das sind stolze 1.000 Euro, die der Absolvent als zweckgebundenen, nicht rückzahlbaren Zuschuss erhält. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich denke, das kann sich sehen lassen. Genauso verhält es sich mit dem zweiten Part, das ist eine Förderung über den Bund, das sogenannte Meister- beziehungsweise Aufstiegs-BAföG, das der Vorbereitung des Fortbildungsabschlusses dient. Es werden 50 Prozent als einkommens- und vermögensunabhängiger Zuschuss bis maximal 15.000 Euro gewährt. Die Differenz zum maximalen Förderbetrag wird dann als zinsgünstiges KfW-Darlehen bezuschusst. Ab Januar 2025 wird sich dort einiges ändern. Es gibt eine Reform auf Bundesebene mit einer noch stärkeren Unterstützung, um das Ganze noch attraktiver zu machen: Der Gesamtbetrag in Höhe von 15.000 Euro wird auf 18.000 Euro angehoben. Die Förderung „Ausstattung Meisterstück“ von 2004 wird auf 4.000 Euro, und der Kinderbetreuungszuschlag pro Kind pro Monat wird ebenfalls von 150 auf 160 Euro angehoben. Bei einem erfolgreichen Abschluss werden dann anstatt 50 Prozent zukünftig 60 Prozent des noch nicht fällig gewordenen Darlehens erlassen. - Liebe Kolleginnen und Kollegen, das dient der Fachkräftegewinnung, das zeigt aber auch, dass es jetzt schon ausreichende Fördermöglichkeiten gibt, sodass wirklich nur noch ein geringer Eigenanteil übrigbleibt. In dem Antrag der Kolleginnen und Kollegen der CDU findet sich auch die Forderung nach einer Ausbildungseignung, die automatisch zugesprochen werden soll, um die Quote der Ausbilder zu erhöhen. Wie Sie alle wissen, darf nach dem Berufsausbildungsgesetz nur derjenige ausbilden, der persönlich und auch fachlich dazu geeignet ist. Die entsprechenden Kenntnisse werden über die Ausbildung der Ausbilder, AdA, vermittelt. Wer den Meister hat, hat automatisch die AdA-Kurse, weil sie Teil der Meisterausbildung sind. Wer die Fachwirt-, Technikeroder Betriebswirtausbildung hat, hat diese AdA-Kurse eben nicht, deswegen fehlt ihm auch die entsprechende pädagogische Eignung. Das Gute ist, dass beispielsweise über die Akademie für Berufe und Karriere entsprechende Kurse nachgeholt werden können, mit denen die Menschen sich die Kenntnisse erwerben, um ausbilden zu können. Wichtig für die Politik, für die Gesamtgesellschaft ist es Berufsorientierung für junge Menschen zu garantieren. Dazu sind grundsätzlich die Schulen verpflichtet. Das Wirtschaftsministerium unterstützt mit diversen Programmen, zum Beispiel mit dem sogenannten BOP, dem Berufsorientierungsprogramm, ebenfalls gemeinsam mit dem Bund. Dabei soll die frühzeitige und auch praxisbezogene und systematische berufliche Orientierung bei Schülern allgemeinbildender Schulen, aber auch der Gymnasien, Interesse an der beruflichen Ausbildung wecken. Dadurch sollen realistische Vorstellungen über den Berufsalltag vermittelt werden. Es bietet den Betrieben einfach auch eine gute Gelegenheit, den Fachkräftenachwuchs zu gewinnen. Über eine sogenannte Potenzialanalyse des Einzelnen - den Begriff haben wir heute Morgen schon ge- (Abg. Maaß (SPD)) hört, das ist aber etwas anderes - sollen die persönlichen fachlichen Kompetenzen und Interessen herausgearbeitet werden. Das Ministerium beteiligt sich ebenfalls an den Kosten der praxisorientierten Tage mit zehn Euro pro Tag pro Teilnehmer. Zur Praktikumswoche und zu den Ausbildungsbotschaftern hat die Kollegin Meiser vorhin schon etwas gesagt, ebenfalls zum Tag des Handwerks, der von der HWK auch mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums seit Jahren durchgeführt wird. Dort soll Handwerk hautnah, erlebbar, bunt und innovativ sein. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wichtig ist eben aber auch, dass wir Kleinst- und vor allen Dingen Kleinbetriebe unterstützen. Die Kammern bieten schon eine umfangreiche Ausbildungsberatung an, um Betriebe zu gewinnen, die noch nie ausgebildet haben oder schon seit längerer Zeit nicht mehr ausbilden. Auch dort gibt es passgenaue Hilfen für die entsprechenden Betriebe, beispielsweise das Projekt der Ausbildungscoaches. Es gibt einen Kooperationsvertrag zwischen den Playern Arbeitsagentur, HWK, IHK und Wirtschaftsministerium aus dem Jahr 2024, angelegt bis 2027. Das Projekt ist insgesamt mit vier Vollzeitstellen besetzt und wird finanziell gefördert in Höhe von rund 35.000 Euro pro Jahr über das Wirtschaftsministerium. Dadurch soll ein Beitrag zur Integration von Geflüchteten in den Arbeits- oder Ausbildungsmarkt garantiert werden. Das Ganze dient der Fachkräftesicherung. Betrieben, die Hilfe mit ihren Auszubildenden benötigen, bietet die Agentur für Arbeit auch die sogenannte assistierte Ausbildung. Das Ziel soll sein, einen erfolgreichen Abschluss der Berufsausbildung durch schulische und sozialpädagogische Begleitmaßnahmen zu erreichen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist sicherlich ein steiniger Weg mit diesem gesellschaftlichen Umbruch, dem Wandel, den wir mit der sogenannten Generation Z im Moment erleben. Das kommt nicht erst seit heute oder seit gestern, es ist ein langer Weg, den wir noch vor uns haben. Aber ich bin sicher, dass wir über entsprechende Maßnahmen auf Landes-, aber auch auf Bundesebene schon ein gutes Fundament geschaffen haben, auf dem wir weiter ausbilden und das wir auch aufbauen sollten. - Ich bitte um Unterstützung unseres Antrags. - Vielen Dank und Glück auf!
