Frank Dieter Schmidt
Ich habe gerade festgestellt, dass es einen Vorteil hat, wenn Herr Schaufert vor einem redet, ich muss das Pult nicht mehr höher stellen. Einziger Vorteil. (Heiterkeit und Sprechen.) Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Dagmar, zuerst ein herzliches Dankeschön an dich für die konstruktive Zusammenar- (Abg. Schmidt (SPD)) beit, für das konstruktive Miteinander im Vorfeld dieses Antrags. Ich finde es gut, dass wir hier einen gemeinsamen Antrag einbringen konnten. Ich habe auch festgestellt, Auszüge meiner Rede sind tatsächlich inhaltsgleich mit dem, was du gesagt hast, von daher versuche ich, es etwas kurzzufassen. Die Diagnose Demenz stellt einen tiefen Einschnitt im Leben der Betroffenen und ihrer Familien dar. Ich selbst musste dies bei meiner leider verstorbenen Großmutter miterleben. Es war nicht schön, mitansehen zu müssen, wie diese Krankheit sie verändert hat, das kann ich Ihnen sagen. Es macht einen im wahrsten Sinne des Wortes fix und fertig, wenn man miterleben muss, wie eine bisher mit beiden Beinen im Leben stehende Person, die plötzlich an Demenz erkrankt, von jetzt auf gleich vergisst, dass sie etwas auf dem angeschalteten Herd stehen hat oder den Weg nach Hause nicht mehr findet oder, viel schlimmer, dass sie ihre eigenen Familienangehörigen gar nicht mehr erkennt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, für mich steht fest - das hat die Kollegin Dagmar Heib auch schon gesagt -: Demenzerkrankungen sind mitten in unserer Gesellschaft angekommen. Das soziale Umfeld, die Pflegenden und vor allem die Betroffenen selbst stehen vor großen Herausforderungen im Umgang mit den Folgen dieser Erkrankung. Auch wir im Saarland müssen uns verstärkt diesen Herausforderungen stellen und eine gute Versorgung gewährleisten. Neben dem ambulanten Versorgungsbereich betrifft dies vor allem den stationären Krankenhaussektor. Die Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zeigen - das hat die Kollegin Dagmar Heib bereits mitgeteilt -: Etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten in Allgemeinkrankenhäusern ist älter als 60 Jahre, etwa 12 Prozent sind von einer Demenzerkrankung betroffen. Ihre Anzahl wird in Zukunft voraussichtlich erheblich steigen. Hierauf müssen wir uns vorbereiten, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Wege zur Demenz-Diagnose sind vielfältig. Oftmals werden diese Demenzerkrankungen erst während des Klinikaufenthalts bemerkt, und dann allenfalls nur als Nebendiagnose. Nicht selten werden Demenzerkrankungen während einer stationären Behandlung überhaupt nicht erkannt und somit auch nicht diagnostiziert. Dies kann verschiedene Gründe haben: Der Pfleger oder die Pflegerin kennt die Person nicht und weiß daher auch nicht, ob diese sich normal verhält. Bei meiner verstorbenen Großmutter war es tatsächlich so, dass sie Hochdeutsch gesprochen hat, wenn sie wieder eine demente Phase hatte. Das wussten natürlich nur die Familienangehörigen, so etwas können die Pflegerinnen und Pfleger im Krankenhaus nicht wissen, da sie die Person nicht kennen. Hinzu kommt oftmals auch, dass den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das entsprechende Fachwissen zum Thema Demenz fehlt. Der aktuelle Personalmangel in den Krankenhäusern trägt auch einen bestimmten Teil dazu bei. Das muss sich ändern, liebe Kolleginnen und Kollegen! Daher ist es sehr wichtig, dass die Krankenhäuser und vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege besser auf solche Situationen vorbereitet werden. Neben der Umsetzung wichtiger Maßnahmen aus dem Demenzplan 2.0 gilt es, bereits vorhandene Konzepte schnellstmöglich zu realisieren, aber auch bereits vorhandene Schulungs- und Weiterbildungsangebote für Fachkräfte sollten weiter ausgebaut werden. Hier sollte ebenfalls auf vorhandene Strukturen, Netzwerke und Erfahrungen zurückgegriffen werden - ich denke dabei besonders an die Landesstelle Demenz Saarland und die „Allianz für Demenz - Netzwerk Saar“. Zu überlegen wäre auch, ob eine Demenzerkrankung standardmäßig als Abfrage in den Aufnahmebogen der Krankenhäuser aufzunehmen ist - einschließlich der Notaufnahme, weil oftmals demente Personen aufgrund einer anderen gesundheitlichen Beeinträchtigung in die Notaufnahme kommen. Auf jeden Fall sollte der mit der „Konzertierten Aktion Pflege Saar“ begonnene Weg zur Stärkung des Pflegeberufs und damit der Ausbildung, fortgeführt und dabei insbesondere auch die Versorgung dementer Patientinnen und Patienten in den Blick genommen werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt viele Möglichkeiten, die ohne größeren Zeitaufwand umgesetzt werden können, um die Krankenhäuser, insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, besser für die steigende Zahl von Menschen mit Demenz aufzustellen. Lassen Sie uns dieses wichtige Thema gemeinsam weiter voranbringen, zum Wohle der Betroffenen und der Pflegenden. Daher bitte ich um Zustimmung zu unserem gemeinsamen Antrag mit der CDU-Fraktion. - Glück auf! (Beifall von der SPD und der CDU.)
