Sevim Kaya-Karadağ
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Cindy und Bert - für die Jüngeren im Plenum: ein Gesangsduo aus den Siebzigerjahren - haben zu ihrer Zeit ihren größten Hit „Immer wieder sonntags“ gesungen. Bei den immer wiederkehrenden und gleichlautenden Anträgen der AfD im Plenum könnte man das Lied in: „Immer wieder mittwochs“ umbenennen. (Lachen und Beifall von SPD und CDU.) Nicht nur, dass sich die Anträge der AfD wiederholen, nein, die Anträge werden von Mal zu Mal kurioser. So lautet nun der vollständige - die Betonung liegt auf „vollständige“ - Antragstext: „Das Bildungsministerium führte eine Befragung durch um festzustellen wer von allen Schülern die jetzt das Gymnasium besuchen sofort G9 wünscht.“ Bitte entschuldigen Sie, wenn meine Vortragsweise etwas holprig war. Dies liegt wohl daran, dass die AfD nicht nur inhaltliche Auseinandersetzungen, sondern auch die Kommasetzung nicht beherrscht. (Lachen und Beifall von der SPD.) Ich habe mich nach meiner letzten Rede im Plenum genau zu dem Thema bei allen Kolleginnen und Kollegen für das aufmerksame Zuhören bedankt. Meinen Dank nehme ich, was die Kollegen der AfD-Fraktion angeht, zurück, denn Ihr Antrag zeigt, dass Sie mir offensichtlich nicht oder nicht aufmerksam zugehört haben. Ich werde daher meine Erläuterungen gerne noch einmal wiedergeben, so, dass es auch die Kollegen der AfD verstehen. Gute Bildung braucht Zeit. Aus diesem Grund wird G9 an den Gymnasien wieder eingeführt und G8 wird zum Auslaufmodell. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Schulzeitverkürzung durch G8 den Schülerinnen und Schülern nicht gerecht wird. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergab, dass G8- Abiturienten seltener ein Studium direkt nach ihrem Abschluss beginnen. Außerdem ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler höher, die ein Schuljahr wiederholen müssen. Mit Einführung von G9 geht es weder um eine Rolle rückwärts, noch wird aus der 8 eine 9. Die Schulzeit wird nicht einfach nur verlängert, nein, es ist ein grundlegend anderes Verständnis von Schule und Lernen. Es braucht Maßnahmen, durch die die Qualität des Lernens verbessert wird. Die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler soll stärker im Mittelpunkt stehen. Sie sollen mehr Unterstützung erfahren und beim Lernen begleitet werden. Was mir persönlich am Herzen liegt, ist die politische Bildung der Schülerinnen und Schüler, damit sie lernen, gesellschaftlichen Entwicklungen wie dem immer stärker werdenden Rechtspopulismus adäquat begegnen zu können. (Abg. Kaya-Karadağ (SPD)) (Beifall von der SPD.) Ein Beteiligungsforum, in dem alle Akteurinnen und Akteure berücksichtigt werden, dient hierbei als essenzielles Instrument für die künftige Gestaltung von G9. Der intensive Austausch mit allen Beteiligten stellt sicher, dass uns die Reform auch gelingen wird. Schule verändert sich permanent. Und um einen guten Input für diese Reform zu haben, wird mit denen gesprochen, die es wissen müssen, nämlich den Schülerinnen und Schülern, Eltern und Schulvertretungen. Ihren kommalosen Antrag interpretiere ich so, als wollten Sie alle Schülerinnen und Schüler fragen, ob sie jetzt sofort G9 wollen. Das stelle ich mir bei Abiturienten kurz vor der Abschlussfeier ganz lustig vor. (Lachen bei der SPD.) Aber lassen wir das. - Sie werden sicherlich im nächsten Plenum ausführen, dass Sie ja nicht alle fragen wollten, sondern nur bestimmte Klassenstufen, und dass dann je nach Abstimmungsverhalten Klassenzimmer und Lehrkräfte wie von Zauberhand vom Himmel fallen. Aber dem widme ich mich dann immer wieder mittwochs. (Lachen und Beifall von der SPD.) Ich komme noch einmal auf das Mehr an Zeit zurück, das durch G9 gewonnen wird. Diese Zeit dient der Persönlichkeitsentwicklung einer jeden einzelnen Schülerin und eines jeden einzelnen Schülers. Sich in 8 Jahren bis zum Abi zu hetzen, erzeugt nur unnötigen Stress, nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern, auch bei den Eltern und Erziehungsberechtigten und schlussendlich beim Lehrpersonal. Und ich als Mama weiß, wovon ich rede. Das Turbo-Abi muss endlich beendet werden - Punkt. (Beifall von der SPD.) Wir haben mit der heutigen Verabschiedung des MUT macht Schule Gesetzes bereits ein Ziel auf dem Weg zu höheren Qualitätsstandards in Schulen erreicht. An diesen Erfolg wollen wir mit der Einführung von G9 anknüpfen und wir wollen einen weiteren wichtigen Schritt hin zum besseren Lernen gehen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich fasse noch einmal zusammen. Erstens, nach den Sommerferien werden alle Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen an den Gymnasien das Abi in 9 Jahren machen. Zweitens, durch G9 haben alle Schülerinnen und Schüler mehr Zeit, die zur persönlichen Entwicklung und auch zum Wiederholen und Festigen des Lernstoffs genutzt werden kann. Wir halten unser Wahlversprechen und führen das Abitur in 9 Jahren nach den Sommerferien wieder an den Gymnasien ein. Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen. Der Antrag der AfD wird daher abgelehnt. - Vielen Dank und Glück auf!
