Carsten Becker
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kollegen bei Ford! Ich möchte mich zuerst an Sie wenden. Ich denke, viele von Ihnen haben wie ich auch ein schlechtes Gefühl. Wir hätten uns eine klare Entscheidung gewünscht, damit die Hängepartie, das Zittern und Bangen endlich ein Ende haben. Jetzt hat man eine Antwort, aber man braucht noch viele Antworten, bis man weiß, wie es weitergeht und was los ist, denn eine klares Ende 2025 wurde nicht mitgeteilt. Es bleibt immer noch ein Funken Hoffnung, dass es irgendwie weitergeht - mit Ford, ohne Ford. Ich kenne die Situation selbst von vor drei Jahren, als es um die Dauernachtschicht ging und ich selbst betroffen war. Man sitzt jetzt stundenlang auf der Betriebsversammlung, man hört immer wieder das Gleiche, aber eine klare Aussage, wie es weitergeht, bekommt man nicht. Das frisst wirklich an einem. Deshalb möchte ich Ihnen allen viel Kraft und Durchhaltevermögen wünschen für die kommenden Wochen, Monate und Jahre, denn eines ist klar, dieses Ford-Management hat aus der Geschichte von Genk - der Werksschließung - gelernt. Das war damals eine der teuersten Werksschließungen. Ich denke, diesen Fehler - aus Sicht der Geschäftsleitung - wollen sie nicht wiederholen. Deshalb muss man noch mit vielen Tricks und Fallstricken vonseiten des Managements rechnen, denn sie wollen natürlich, dass die Leute bis 2025 brav weiter ihren Dienst tun, sich engagieren, voll motiviert zur Arbeit erscheinen und dann einen Handschlag bekommen und „Gute Nacht, Auf Wiedersehen“. Das werden viele nicht mitmachen. Das ist auch wichtig. Hier muss jetzt gekämpft werden. Die Landesregierung muss Druck aufbauen, damit schnellstmöglich eine Entscheidung kommt und die Leute eine Perspektive haben, wie es weitergeht, ob sie sich umorientieren müssen oder an diesem Standort eine Zukunft haben. Das muss passieren. Es gibt einen weiteren Punkt, der mir persönlich in der ganzen Diskussion ein bisschen sauer aufgestoßen ist. Man hat viel über die großartigen Verhandlungen der Landesregierung und die großartigen Angebote gehört, aber was war es im Detail - 500 Millionen, 700 Millionen, 1 Milliarde? - Zu beurteilen, wie gut diese Verhandlungen waren, ist - denke ich - eine Aufgabe der Saarländerinnen und Saarländer und im Endeffekt auch der Belegschaft. Sie haben die Wahrheit verdient. Was wurde im Endeffekt auf den Tisch gelegt? - Vielleicht war es ja zu wenig, zu spät, zu bürokratisch. Ich kann es nicht beurteilen, denn selbst mir als Abgeordnetem dieses Hauses fehlen die Informationen. Ich denke, das ist ein unzumutbarer Zustand. Da muss aufgearbeitet werden, was tatsächlich auf den Tisch gelegt wurde. Ein anderer Punkt, den mein Kollege Herr Dörr angesprochen hat, ist, dass es ein unzumutbarer Zustand ist, dass im Endeffekt die Mitarbeiter von Ford mit ihren Steuergeldern nachher den Standort Valencia beziehungsweise das Angebot des Standortes Valencia mit unterstützt haben. Ich glaube schon, dass das Herrn Commerçon heute aufgefallen ist. Ich denke, man hätte mit allen Mitteln versuchen müssen, auch EU-Gelder für ein entsprechendes Angebot für den Saarlouiser Standort zu akquirieren. Wenn das versäumt wurde, dann wäre das eine schwierige Geschichte. Natürlich ist es aufgrund rechtlicher Dinge immer eine schwierige Sache, aber man hatte bestimmt schon früher mitbekommen, dass Valencia diese Schiene fährt. Ich denke, da hätte man sich schlau machen müssen, was dort eventuell für Saarlouis drin ist und was wir dort machen können. Es wurde von Herrn Toscani bereits angesprochen, dass die Weichenstellungen nicht hier im Saarland, sondern in Brüssel und Berlin erfolgen. Die industriefeindliche Politik, die dort zum Teil gemacht wird, der Kampf gegen den Verbrennungsmotor beziehungsweise gegen das Auto muss endlich aufhören, sonst wird das nicht der letzte Nackenschlag sein, der uns hier im Saarland trifft. Dann stehen wirklich die 40.000 Arbeitsplätze in der saarländischen Auto- (Abg. Becker (AfD)) mobilindustrie zur Disposition. Das müsste man um jeden Preis verhindern. Wir als AfD stehen geschlossen hinter den Mitarbeitern in der Automobilindustrie beziehungsweise hinter den Mitarbeitern bei Ford. Es gibt noch etwas, das man nicht vergessen darf. Alle denken jetzt an Ford, aber auch die Kollegen im Supplier Park, im Industriepark beziehungsweise bei den kleineren Unternehmen dürfen wir nicht vergessen. Sie werden am Ende, wenn es um Sozialpläne und Abfindungen geht, meistens diejenigen sein, die herunterfallen. Ich habe es im Bekanntenkreis bereits miterlebt. Die Landesregierung darf diese Menschen nicht vergessen. - Glück auf, viel Glück und viel Kampf und viel Mut für die kommenden schweren Wochen, Monate und Jahre. - Vielen Dank. (Beifall von der AfD.)
