Sevim Kaya-Karadağ
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Aller guten Dinge sind drei, so heißt es eigentlich. Nicht jedoch, wenn die drei Herren der AfD-Fraktion drei bildungspolitische Anträge einbringen. (Beifall von der SPD und der CDU. - Spre- chen.) Zwei der drei Anträge, wir haben es gehört, sind typische AfD-Dauerbrenner, die immer und immer wieder aus der Schublade geholt, hier im Plenum eingebracht und zu Recht abgelehnt werden. Eine echte inhaltliche Auseinandersetzung findet, wie immer bei der AfD, nicht statt. (Beifall von der SPD.) Ganz im Gegenteil; so hochwertig lautet Ihr vollständiger Antragstext: „Die Landesregierung wird aufgefordert, die Diskussion über G8 oder G9 zu beenden und zu beschließen, dass die Wahlmöglichkeit G8 und G9 nebeneinander gegeben ist.“ (Lachen.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, es mag vielleicht im Sinne der AfD sein, dass öffentliche Diskussionen, demokratische Aushandlungsprozesse und Beteiligung nicht gewünscht und möglichst unterbunden werden sollen - vielleicht ist Ihnen eingefallen, dass Sie mit Ihrer Position alleine stehen -, aber es ist vollkommen klar: Nein, es kann und wird in Zukunft nicht dauerhaft G8 und G9 nebeneinander am Gymnasium geben, wie sich das die AfD vorstellt! (Beifall von der SPD. - Abg. Dörr (AfD): War- um denn nicht?) Wir, die SPD, beenden den Irrweg G8 und führen G9 wieder ein. Punkt. Das gefällt Ihnen nicht, aber diese Entscheidung haben die Wählerinnen und Wähler getroffen und sie ist uns somit eine Verpflichtung. (Beifall von der SPD.) Ebenso klar ist: Alle Kinder, die jetzt neu eingeschult werden, also im kommenden Schuljahr in die Klasse 5 kommen, werden das Abitur in neun Jahren machen. Das hat die Ministerpräsi- (Abg. Kaya-Karadağ (SPD)) dentin bereits in ihrer ersten Regierungserklärung angekündigt und damit eines der zentralen Wahlkampfversprechen der SPD eingelöst. Das können die Saarländerinnen und Saarländer auch zu Recht von uns erwarten. Worüber aktuell diskutiert und gesprochen wird, sind zwei Fragen. Erstens. Werden auch noch Kinder höherer Klassenstufen ein Angebot bekommen können, das Abitur am Gymnasium ebenfalls in neun Jahren abzulegen? Zweitens. Wie wird das neue G9 aussehen? Hierzu ein paar Erklärungen, auch wenn die Bildungsministerin im letzten Ausschuss ausführlich über die nächsten Schritte für die Einführung von G9 an Gymnasien berichtet hat. Bei der Rückkehr zu G9 geht es um weit mehr als nur um die Debatte über eine bloße Schulzeitverlängerung. Bei diesem Thema geht es ähnlich wie bei der von meiner Fraktion im letzten Plenum eingebrachten Gesetzesänderung zum Thema der Schulsozialarbeit, dem Gesetz „MUT macht Schule“, um ein grundlegend anderes Verständnis von Schule und Lernen. (Beifall von der SPD). Die prinzipielle Kritik an G8 verlangt nach einer grundsätzlichen Lösung, die eben keine einfache Schulzeitverlängerung sein darf, sondern mit qualitätsverbessernden Maßnahmen zur individuellen Förderung, Unterstützung und Lernbegleitung umgesetzt werden muss. Das bedeutet auch, eine reine Rückkehr zu einem G9 von vor 20 Jahren wird es mit uns nicht geben. (Beifall von der SPD.) Ich sage auch ganz klar: Selbstverständlich erfolgt die qualitative Weiterentwicklung des Gymnasiums durch einen 9-jährigen Bildungsgang im Gleichklang mit einer Qualitätsoffensive an den Gemeinschaftsschulen. Genau aus diesem Grund ist es der richtige Weg, den die Bildungsministerin eingeschlagen hat, indem sie ein Beteiligungsforum ins Leben gerufen hat. Wenn alle Akteurinnen und Akteure an der künftigen Ausgestaltung von G9 an saarländischen Gymnasien beteiligt werden, wird dieser Reformprozess wirklich gelingen und ein echter Erfolg für diejenigen werden, um die es geht - um unsere Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden. (Anhaltender Beifall von der SPD.) Die Diskussion wird also nicht von der Landesregierung beendet. Sie beginnt gerade erst und das ist auch gut so, liebe Kolleginnen und Kollegen. Es gibt ja immer wieder Stimmen, die sagen, es gehe zu schnell. Wissen Sie, wer dieses Gefühl auch kennt? Die Schülerinnen und Schüler im G8. Sich in 8 Jahren durch das Gymnasium zu hetzen, nur um schnellstmöglich arbeitsmarktfähig zu sein, das geht zu schnell. Unsere Schülerinnen und Schüler brauchen mehr Zeit, mehr Zeit für soziale Kontakte, mehr Zeit zum Lernen und vor allem mehr Zeit, um sich selbst zu finden, um ihre Persönlichkeit und Potenziale zu entfalten. Gerade als Mama bin ich froh, dass unsere Ministerpräsidentin zusammen mit unserer Bildungsministerin das Vorhaben direkt angeht und das Turbo-Stress-Abi endlich beendet. (Beifall von der SPD.) Ich fasse zusammen. Erstens. Für Schülerinnen und Schüler, die neu in Klasse 5 kommen, ist klar, sie werden das Abi in 9 Jahren machen. Zweitens. Die Debatte um die Stundentafel, also wie das neue G9 aussieht, führen wir nicht im stillen Kämmerlein, sondern mit Expertinnen und Experten, weil wir nicht nur die Zeit, sondern auch die Qualität verbessern wollen. Dafür nehmen wir uns die Zeit, die notwendig ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind bereits jetzt auf einem sehr guten Weg und werden unser Versprechen einlösen und G9 an den Gymnasien wieder einführen, und zwar schon sehr bald nach den Sommerferien. Packen wir es gemeinsam an. Den Antrag der AfD lehnen wir daher selbstverständlich ab. - Vielen Dank, dass Sie mir bei meiner ersten Rede so aufmerksam zugehört haben. Es war mir eine Ehre, erstmals in diesem Hohen Hause reden zu dürfen. Vielen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD und der CDU.)
