Carsten Becker
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Gäste! Das Thema, um das es heute geht, die Zukunft und der Erhalt des Ford-Werks Saarlouis, nimmt mich persönlich emotional sehr mit. Ich war, wenn ich meine Ausbildung mitrechne, rund 13 Jahre lang selbst Fordler und konnte in dieser Zeit, die fast mein gesamtes Erwachsenenleben umfasst, viele private Freundschaften und Bekanntschaften - ich will fast sagen - fürs Leben knüpfen. Man ist in ständigem Kontakt mit den alten Kollegen und man bekommt natürlich auch mit, was da in den letzten Tagen los ist. Entsprechend fühle und leide ich mit meinen ehemaligen Kollegen in dieser schwierigen Situation mit. Für Außenstehende ist es nur schwer vorstellbar, wie sehr diese Ungewissheit, dieses ständige Bangen um den eigenen Arbeitsplatz einen persönlich und auch die eigene Familie mitnimmt. Für viele Arbeiter bei Ford und im Zulieferpark hängt die familiäre Existenz, das Eigenheim, die Zukunft der Familie an diesem Arbeitsplatz. Als 2019 die dritte Schicht, die Dauernachtschicht, abgeschafft wurde - das war meine Schicht -, wussten meine damaligen Kollegen und auch ich über Monate nicht, wie es weitergeht, was mit uns passiert. Diese Erfahrung, die ich in dieser Zeit dort gemacht habe, war alles andere als schön und so ein Schicksal wünscht man niemanden. Um es mal zu erklären, wie sich das anfühlt: Es hat sich in dieser Zeit ein bisschen so angefühlt, als ob man von einer dunklen Wolke begleitet würde, die einem die Lebensfreude entzieht und die einen ständig an den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes erinnert. Es ist wirklich eine verdammt schlimme Situation. Diese Situation, die für mich - nachdem die Nachtschicht abgeschafft wurde, habe ich das Unternehmen verlassen, im Herzen bin ich aber immer noch Fordler - einige Monate belastend war, ertragen die Mitarbeiter bei Ford jetzt fast schon Jahre. Damit muss Schluss sein. Die Mitarbeiter bei Ford wurden lange genug auf die Folter gespannt, man muss es so sagen, denn es ist Folter, was die Mitarbeiter mitmachen müssen. Die Menschen brauchen jetzt Klarheit und Gewissheit, wie es mit ihrem Arbeitsplatz und ihrer Zukunft weitergeht. Die Entscheidung der Geschäftsleitung im Bieterverfahren muss der Belegschaft nun zügig und transparent mitgeteilt werden. Es darf im (Abg. Becker (AfD)) Interesse der Mitarbeiter nicht erneut zu einer monatelangen Hängepartie kommen. Meine Befürchtung ist, dass heute eventuell keine vollständige Entscheidung kommt, sondern irgendetwas Halbgares und sich das Elend noch ein bisschen weiterzieht. Das darf nicht sein, hier müssen wirklich Nägel mit Köpfen gemacht werden, die Leute müssen wissen, woran sie sind und wohin die Reise geht. Als AfD-Fraktion hoffen wir wie alle Saarländer, dass das Paket, das die Landesregierung in Abstimmung mit dem Bundeskanzleramt und der Bundesagentur für Arbeit geschnürt hat, im Zusammenhang mit den zahlreichen Bemühungen und Verhandlungen des Saarlouiser Betriebsrates den Zuschlag im Bieterverfahren für den Standort Saarlouis bringt und auch in Zukunft qualitativ hochwertige Fahrzeuge made in Saarlouis produziert werden können. Hierzu ist es aber auch wichtig, dass die Landesregierung und vor allem auch ihre Parteifreunde in Berlin und Brüssel ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland, ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Saarland und ein klares Bekenntnis zum Verbrennungsmotor abgeben. Das ist so ein bisschen die Krux. Ich wollte in der Rede heute eigentlich die Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen und das Politische ein bisschen draußen lassen, aber in den anderen Reden ging es immer darum, dass die Geschäftsleitung alles versäumt hat. Man darf nicht unterschätzen, dass die Politik hier auch mitgespielt hat. Ich rede jetzt nur mal über die EU-Verordnung 443/2009, die die Festsetzung von CO - Emissionsnormen für neue Personenkraftwagen feststellt. Man kann es einfach zusammenfassen: Die Politik gibt den Unternehmen vor, dass sie Elektroautos bauen müssen und Verbrenner mit hohen Strafzahlungen belastet werden. Die Verbraucher wollen aber keine Elektroautos. Ich habe nachgeschaut, im April waren 12 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland Elektroautos. Das heißt, 88 Prozent entfielen immer noch auf Verbrennungsmotoren. Daran müssen wir arbeiten. Ich kündige für meine Fraktion an, dass wir wieder zur Technologie-Offenheit zurückkehren. Das heißt, dass wir auch E-Fuels beziehungsweise CO -neutrale E-Fuels in den Raum stellen. Das ist nämlich eine Technologie, mit der man die komplette Fahrzeugflotte CO - neutral machen könnte. Wir können auch die 40.000 Arbeitsplätze, die wir in der saarländischen Automobilindustrie haben, halten, denn das Problem wird sein, dass selbst dann, wenn es den Zuschlag für ein E-Auto gibt, 40, 50, vielleicht sogar bis zu 60 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen werden, weil die Fertigungstiefe fehlt und verschiedene Produkte nicht mehr gebraucht werden. Von daher hoffen wir, dass wir in Zukunft ein klares Signal setzen und an dieser EU-Verordnung drehen können, damit wir diese Arbeitsplätze im Saarland halten können und nicht nur Ford, sondern auch die anderen Automobilzulieferer im Saarland eine Zukunft haben. - Vielen herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
