Andreas Hartenfels
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Schnieder, es ist schon angesprochen worden: In einer Aktuellen Debatte sechs Begriffe unterzubringen in einer Überschrift, wobei jeder einzelne Begriff eine eigene Debatte wert wäre, zeigt schon ein bisschen, dass die Aktuelle Debatte eher der Oberflächlichkeit und dem Wahlkampf geschuldet ist und nicht unbedingt in die Tiefe der Themen einsteigt. Sie sprechen allein drei Ministerien an mit dieser Aktuellen Debatte. Ich möchte mich auf den ersten Begriff fokussieren, damit vielleicht ein bisschen Tiefgang möglich ist, nämlich den Bildungsteil. Bildung ist das originäre landespolitische Thema, und dort liegt natürlich vieles im Argen. Ich möchte jetzt aber nicht den Blick auf die Brennpunktschulen werfen, sondern eher auf den allgemeinen Schulalltag. Ich glaube, der ist nicht mehr von der Qualität, wie vielleicht wir ihn als Schülerinnen und Schüler noch kennengelernt haben. Ich möchte eine Schülerin zu Wort kommen lassen, die letzte Woche in meiner Besuchergruppe war. 12. Klasse, Schülerin eines Gymnasiums in Koblenz, die hat in dieser Besuchergruppe so ein bisschen ihren Alltag geschildert. Erster Punkt: Sie muss immer wieder erleben, dass Lehrkörper weinend vor der Klasse stehen. Ich glaube, das ist verstörend für Schülerinnen und Schüler. Zum Zweiten hat sie angesprochen, Sie muss in ihrem Gymnasium erleben, dass sich auf der letzten Rückbank Schüler, die nicht so lernwillig sind, nicht nur dahin zurückziehen, sondern sich auf die Bank legen und ihr Nickerchen halten – während des Unterrichts. Als dritten Punkt hat sie noch angesprochen, dass von der Decke ihres Schulund Klassenraums Datenstränge und Kabelkanäle herunterhängen, weil die Decke in einem doch sehr baufälligen Zustand ist. (Abg. Marco Weber, FDP: Das ist WLAN!) Jetzt kann man sich vielleicht vom Acker machen und sagen, die hat sich das alles ausgedacht. Das glaube ich nicht, dass sie sich das ausgedacht hat, (Abg. Marco Weber, FDP: Was sagen die Koblenzer denn dazu?) sondern sie hat beschrieben, wo Probleme liegen, weg von dieser ganzen Gewaltdebatte, Reizgas oder Brennpunktschulen, sondern in diesem ganz normalen Alltag, der nicht mehr so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Zum einen: Die bauliche Substanz an vielen Schulen ist einfach richtig schlecht. Zum anderen: Den Schülern Orientierung und Ordnung in einer doch wichtigen Lebensphase mitzugeben, wird natürlich konterkariert, wenn nicht so lernwillige Schüler sich hinten im Klassensaal einfach mal so breitmachen und das demonstrativ nach außen zeigen können. Natürlich ist das wirklich sehr verstörend. Das zeigt, dass wir inzwischen offensichtlich Klassenverbände haben, in denen es den Lehrkörpern und Lehrkräften immer schwerer fällt, den Bildungsauftrag wirklich zu vermitteln. Ich glaube, deswegen müssen wir uns auch hier im Parlament diese Realitäten immer wieder anschauen und versuchen, vor allen Dingen eines zu beheben: Wir müssen deutlich mehr investieren in den Bildungsbereich. Das ist in den letzten Jahren ganz offenkundig viel zu wenig passiert. (Zuruf des Abg. Florian Maier, SPD) Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir inzwischen Klassenverbände haben, die deutlich mehr Betreuung von den verschiedensten Stellen brauchen, deutlich mehr Betreuung als früher. Das können wir im Moment offenkundig nicht sicherstellen, und das ist mehr als beunruhigend. (Beifall des Abg. Martin Louis Schmidt, fraktionslos)
