Cornelia Willius-Senzer
Vielen Dank. – Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Last, but not least, wir haben es bald geschafft. Wirksamer Kinderschutz ist eine zentrale Aufgabe des Staates, und Rheinland-Pfalz nimmt diese Verantwortung seit vielen Jahren ernst. Bereits 2 008 waren wir das erste Bundesland mit einem eigenen Kinderschutzgesetz, ein ganz klares Signal: Kinderschutz ist Kern staatlichen Handelns. Seitdem verfolgen wir einen klaren Ansatz: Prävention, Intervention und Vernetzung dort, wo Kinder leben, lernen und aufwachsen. Mit dem gestern abgestimmten Landesbeauftragten gegen sexuelle Gewalt stärken wir die Koordinierung auf Landesebene, ohne die Verantwortung der Kommunen zu schwächen. Die Nähe zur Praxis bleibt entscheidend. Deshalb sehen wir den vorliegenden Antrag kritisch. Die geplante Zentralisierung eines Kinderschutzkompetenzzentrums in Koblenz wird der Realität des Kinderschutzes nicht ganz gerecht. Kinderschutz lässt sich nicht zentralisieren. Er lebt von starken lokalen Strukturen. Rheinland-Pfalz geht hier einen anderen erfolgreichen Weg. Mit 16 Kinderschutzdiensten an 18 Standorten decken wir nahezu das ganze Land ab. Gemeinsam mit Thüringen sind wir eines von nur zwei Bundesländern, die diese spezialisierten Dienste landesweit fördern. Wir bauen dieses Angebot weiter aus. 2026 kommt ein weiterer Standort dazu. Auch die frühen Hilfen zeigen, wie wichtig lokale Vernetzung ist. Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Bildung und freie Träger müssen vor Ort zusammenarbeiten. Frühe Hilfen funktionieren nicht von oben nach unten, sondern durch Vertrauen, kurze Wege und Kenntnis der lokalen Strukturen. Zudem würden wir mit dem Antrag unnötige Doppelstrukturen schaffen. Auf Bundesebene wurde zum 1. Juli 2025 bereits ein Forschungszentrum zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen beim Deutschen Jugendinstitut eingerichtet. Fortbildung und Qualifizierung in Schulen und Kitas sind bereits gut verankert und werden kontinuierlich ausgebaut. Meine Damen und Herren, wir sollten bestehende Strukturen stärken, statt neue Parallelstrukturen aufzubauen. Wir teilen das Ziel eines starken Kinderschutzes, aber er braucht Nähe, Vernetzung und klare lokale Zuständigkeiten, nicht Zentralisierung. Deshalb lehnen wir den Antrag in dieser Form ab und setzen auf den weiteren Ausbau und die bessere Verzahnung der bewährten Angebote vor Ort. Vielen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
