Daniel Köbler
Verehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Jetzt beruhigt Euch doch mal wieder. Es ist doch bald Weihnachten. Wenn man über das Thema Realschulen plus spricht, dann haben wir in den letzten Wochen in den Medien doch sehr viele Nachrichten lesen oder hören müssen, dass sich an und im Umfeld von Realschulen plus sehr stark soziale Probleme konzentrieren und dass Lehrkräfte darüber klagen, dass sie mit der Situation überfordert sind. Manche haben auch geäußert, dass sie sich entsprechend alleingelassen fühlen. Das sind Dinge, die man auf jeden Fall ernst nehmen muss, die man sehen muss und denen man sich auch stellen muss, und dem stellen wir uns auch im Land, sowohl bildungs- als auch sozialpolitisch. Meine Damen und Herren, nur sind einige Ansätze in den Vorschlägen der CDU, die in weiten Teilen dergestalt sind, das, was die Landesregierung, was das Land auf den Weg gebracht hat, ist schon richtig, aber wir wollen noch ein bisschen mehr und geben hier noch ein bisschen mehr Personal und da noch ein bisschen mehr Geld, wir senken die Klassenzahl in der Orientierungsstufe von 25 auf 24. Okay, das kann man in einem Wahlprogramm schreiben, aber am Ende wird es die Themen, die wir im Moment diskutieren und haben, nicht wirklich zielführend lösen. Ich glaube, die Frage muss man sich andersherum stellen: Wo wollen wir eigentlich damit hin? Was ist eigentlich das Ziel? Was ist eigentlich das Ziel von Bildung? Was ist das Ziel von den Schulen, über die wir da sprechen? Ich glaube, das Ziel muss und sollte sein, dass man dort Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer elterlichen, sozialen oder kulturellen Herkunft die Chancen vermittelt und die Chancen gibt, dass sie sich später selbstbestimmt ein eigenes Leben gestalten können und von dem, was sie erarbeiten, leben und gegebenenfalls eine Familie gründen und Lebensträume verwirklichen können. Ich finde, das kommt in der Diskussion viel zu kurz. Wie bekommen wir es hin, dass das durch unsere Schulen noch weiter befördert wird, und zwar durch alle Schulen? Machen wir uns nichts vor. Natürlich haben wir gerade auch bei den Realschulen plus und gerade bei denen in, sagen wir einmal, sehr urbanen, verdichteten Räumen eine sozial herausfordernde Situation. Das ist auch kein Wunder. Das ist kein Wunder, wenn man nach der 4. Klasse in Schultypen separiert. Sie haben sich eben ganz klar dazu bekannt. Dann müssen Sie sich schon die Frage stellen. Das kann man alles vertreten, aber Sie müssen dann schon zur Kenntnis nehmen, dass es so ist und eindeutig nachgewiesen ist, dass dann die soziale Disposition des Elternhauses maßgeblicher Einflussfaktor bei der Frage ist, auf welche Schulform ein Kind geht. Wenn ich das dann kumuliere, also Kinder, bei denen nicht Eltern zu Hause sind und helfen können, die vielleicht selbst nicht den Bildungsstandard haben – wenn es überhaupt Eltern gibt –, oder die Elternhäuser haben, in denen Deutsch nicht als Muttersprache gesprochen wird, dann bekomme ich natürlich mit höherer Wahrscheinlichkeit soziale Herausforderungen und soziale Probleme. Natürlich ist es dann auch im Verbund schwieriger, Bildungserfolge im gleichen Maß herzustellen wie vielleicht dort, wo ich in der Orientierungsstufe war, auf einem katholischen Gymnasium, wo es ganz andere soziale Zusammensetzungen gab. Das ist doch klar. Das ist doch logisch. Wissen Sie was? Das wissen die Eltern auch. Deswegen ist natürlich Schulwahlverhalten so, wie Schulwahlverhalten ist. Solange Sie nicht über diese Frage diskutieren, werden Sie es am Ende nicht nach vorne und gelöst bekommen; denn es ist natürlich so, dass Sie, wenn Sie ganze soziale Gruppen an der einen Schulform, bewusst oder unbewusst, konzentrieren, um an der anderen mehr Unterricht und mehr Bildung zu machen, an der erstgenannten mehr soziale Herausforderungen, Konflikte und Probleme haben werden. Das ist so, und dann ist nur die Frage: Was kann Schule leisten? Dann muss Schule eben mehr als reine Wissensvermittlung sein. Dafür brauchen wir soziale Arbeit. Dafür brauchen wir multiprofessionelle Teams, und ja, da sind Schulen noch mehr Erziehungsanstalten als vielleicht bei einem christlichen Gymnasium oder woanders. Das ist so, und das ist die Realität. Ich glaube, die Verbesserung der Wirklichkeit, auch in der Bildungspolitik, beginnt mit der Analyse der Realität. Diese Realität habe ich bei Ihnen, bei der CDU nicht erkannt. Deswegen lehnen wir Ihren Antrag ab. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD sowie der Abg. Cornelia Willius-Senzer, FDP)
