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Daniel Köbler

GRÜNE 13.11.2025 Sitzungen 18/97

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Bei jeder Unterschiedlichkeit der Diskussion im Einzelfall stellen wir doch gemeinsam fest, die Ergebnisse, die wir bei vielen Bildungsstudien sehen, können uns überhaupt nicht zufrieden machen. (Abg. Joachim Paul, AfD: Ändern Sie was an der Politik!) Die Vorstellung, die wir im deutschen Bildungssystem viel zu oft haben, dass alle zu jeder Zeit immer das Gleiche machen und dann zu einem bestimmten Zeitpunkt das vorher Erlernte gleichzeitig wieder abspulen und dann dafür eine Ziffernnote zwischen 1 und 6 bekommen, ist offensichtlich nicht erfolgreich. (Abg. Joachim Paul, AfD: Wie bitte?) Deswegen müssen wir hier, statt nur den Zustand zu bejammern, auch darüber reden, wie wir Lösungen finden, um unser Bildungssystem besser zu machen, unsere Schulen besser zu machen und vor allem auch unseren Kindern und Jugendlichen besser gerecht zu werden in einer sich wandelnden Zeit und einer sich wandelnden Gesellschaft. Da gibt es gute Ansätze, die auch jetzt schon in Kollegien von Lehrerinnen und Lehrern mit viel Engagement vorangetrieben werden. Diese guten Ansätze wollen wir zum Standard machen. Wenn Sie sich ein Grundschulkind vorstellen, das, nehmen wir an, in der dritten Klasse vorlesen soll und dafür benotet wird, dann liest es zehn Minuten etwas vor, und dann bekommt es eine 3. Und jetzt? Dann sagt es vielleicht: Oh, vor einem halben Jahr hatte ich noch eine 2, bin ich jetzt so viel schlechter im Lesen geworden? Eigentlich kann das Kind damit aber doch gar nichts anfangen. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Moderne Unterrichtsmethoden und entsprechende Tools – die Digitalisierung macht da übrigens vieles einfacher möglich –, die sagen „Schau mal, Deine Lesegeschwindigkeit hat sich im letzten halben Jahr um 10 % gesteigert, der Durchschnitt in Deiner Klasse hat sich aber vielleicht um 15 % gesteigert, Dein Textverständnis ist dafür aber vielleicht wesentlich besser geworden“ – damit kann ein Kind doch viel mehr anfangen. Damit können dann auch Lehrkräfte und Eltern individuell wesentlich mehr anfangen und zielgesteuert Stärken stärken und an Schwächen arbeiten. So kommen wir dann zu dem, was in der heutigen modernen Gesellschaft später – sei es in der Ausbildung, im Studium, aber vor allem auch im Berufsleben – auch gebraucht wird. Es kommt nirgends im Berufsleben darauf an, dass alle zur gleichen Zeit immer das Gleiche machen und dann irgendetwas abspulen, sondern es kommt darauf an, auch individuell zu managen, sich Kompetenzen selbst anzueignen und sich selbst reflektieren zu können. Das muss ein moderner, qualitativ hochwertiger und sozial gerechter Unterricht heutzutage abbilden. Liebe Frau Groß, dazu können wir natürlich auch mal über den Tellerrand hinausschauen. Oh, wie schön ist Kanada! (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Kanada ist beim Thema datengestützte Unterrichtsentwicklung weltweit sehr weit vorne, und es ist doch gut, dass wir schauen, was wir von anderen lernen können. Andere schauen auch immer, was sie bei uns lernen können. Wir waren auch schon in vielen anderen Ländern, in Estland zum Thema Digitalisierung. Das gehört zu einer verantwortlichen modernen Bildungspolitik ganz genau dazu. Deswegen haben wir diesen Antrag formuliert, um das, was auch in Kanada schon gemacht wird, was wir sehr zielführend finden, was auch die Ergebnisse von Bildungsstudien für Kanada zeigen und was manche Schulen, viele Lehrerinnen und Lehrer schon tun, zur Regel zu machen und das Ministerium aufzufordern, genau diese Punkte zu unterstützen, indem man den Lehrerinnen und Lehrern und Kollegien die entsprechenden Möglichkeiten zur Verfügung stellt und natürlich auch Qualitätsentwicklung an Schulen betreibt. Ich verstehe gar nicht, was Ihre Vorbehalte gegen Qualitätsentwicklung an Schulen sind. Es muss doch unser Anspruch sein, dass Schulen sich immer auch selbst hinterfragen und weiterentwickeln – alles im Sinne der Zukunftschancen unserer Kinder. Deswegen werbe ich um Zustimmung für unseren Antrag. Herzlichen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)

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