Ralf Schönborn
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Lassen Sie mich zu Beginn einmal tief Luft holen, weil das ein Thema ist, das mich sehr bewegt. Meine Damen und Herren, Industrieanlagen gehören nicht in Landschaften, Schutzgebiete und schon gar nicht in unsere Wälder. Deshalb bringen wir als AfD-Fraktion heute einen Antrag ein, der für Natur und Bürger von zentraler Bedeutung ist. Unser Ziel ist klar: Die Wälder unseres Landes sollen als stabile Ökosysteme, wirtschaftlich wertvolle Forstflächen, Erholungsraum für die Menschen und als Lebensraum für die Tiere geschützt bleiben. Dieser Schutz darf eben nicht nur gelten, wenn es politisch genehm ist, sondern immer aus Respekt vor der Natur und dem, was sie uns allen bietet. Es liegt doch auf der Hand, werte Kollegen, wer Wälder abholzt oder teilweise zerstört, um angeblich das Klima zu schützen, handelt widersprüchlich. Wer Waldflächen opfert, um ein abstraktes Weltklima zu beeinflussen, hat vor lauter Ideologie den Blick für das Wesentliche verloren: für echten Umweltschutz, für echten Naturschutz und Tierschutz. Meine Damen und Herren, der Wald erfüllt in Rheinland-Pfalz vielfältige Funktionen. Er speichert Wasser, bietet Lebensraum für unzählige Tierarten und ist für viele Regionen unseres Landes ein wirtschaftlich wertvoller Naturraum. Bevor aber überhaupt das erste Windrad im Wald steht, werden breite Schneisen in den Wald geschlagen, kilometerlange Zufahrtswege gebaut, Kranstellflächen angelegt und riesige Erdbewegungen durchgeführt. Tonnenweise Stahlbeton wird in den Waldboden gegossen – in einen Boden, der eigentlich Wasser speichert, Lebensräume trägt und Nährstoffkreisläufe ermöglicht. Ganze Waldstrukturen werden zerschnitten, verdichtet und dauerhaft geschädigt, Lebensräume verschwinden, Quellbereiche werden beeinträchtigt, und das fein abgestimmte Ökosystem Wald verliert seine Widerstandskraft. All das geschieht lange bevor sich auch nur ein einziges Rotorblatt gedreht hat. Meine Damen und Herren, dieses fein abgestimmte, sensible Ökosystem gerät aus dem Gleichgewicht, wenn wir es zur Industriefläche erklären. Jede Windkraftanlage im Wald ist ein schwerer Eingriff in dieses Ökosystem. Wo heute der Wind durch die Baumkronen weht, sollen morgen Rotorblätter kreisen. Sie machen mit Ihrer Klimapolitik aus einem Ort der Stille und gewachsener Natur einen Schauplatz technischer Zerstörung. Meine Damen und Herren, in Rheinland-Pfalz stehen bereits mehr als 500 Windkraftanlagen im Wald, Dutzende weitere sind geplant oder im Bau. Das bedeutet, fast jedes drittes Windrad in unserem Land steht mitten im Wald. Damit verschwinden mehr und mehr Lebensräume, Rückzugsorte für Vögel und Fledermäuse. Viele Tiere sterben an den Rotoren oder verlieren ihr Revier durch Lärm, Schattenwurf und Luftverwirbelungen. Auch für die Menschen verändert sich das Landschaftsbild massiv. Wo früher Naturerlebnis und Ruhe herrschten, dominieren heute Lärm, Blinken und Beton. Der gesamte Wald wird durch die Windindustrieanlagen in seiner Intaktheit zerstört. (Glocke der Präsidentin – Zuruf des Abg. Carl-Bernhard von Heusinger, BÜNDNIS 9 0/DIE GRÜNEN)
