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Michael Frisch

fraktionslos 11.09.2025 Sitzungen 18/93

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Damen und Herren, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt in einem kürzlich veröffentlichten Papier, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 zu untersagen. Sie begründet dies mit den negativen Auswirkungen intensiver Smartphone- und Social-Media-Nutzung auf die psychische Gesundheit, die kognitiven Fähigkeiten und die soziale Entwicklung junger Menschen. Klaus Tschira vom Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Augsburg kommt in einer Studie von 2024 zu dem Schluss, dass Handyverbote in Schulen einen messbaren Effekt auf das soziale Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern haben. Smartphones, so der Forscher, verschlechtern das soziale Klima in Schulen, indem sie zwischenmenschliche Konflikte befeuern. Nach einer Studie der Uni Paderborn aus dem Jahr 2023 lenken Smartphones auch ab, wenn sie nur ausgeschaltet auf dem Tisch liegen. Zudem haben sie einen negativen Einfluss auf die Arbeitsgeschwindigkeit und die kognitive Leistungsfähigkeit. Martin Korte, Biologe und Hirnforscher an der TU Braunschweig, stellt fest, durch den hohen digitalen Medienkonsum von Kindern leidet das Sprachzentrum. Sie verstehen weniger und benutzen weniger Wörter und sind nicht mehr so kommunikativ. Meine Damen und Herren, die Forschungsergebnisse sind eindeutig, und sie bestätigen das, was viele Lehrer aus ihrer praktischen Erfahrung heraus seit Langem fordern. Die Nutzung von Handys an den Schulen sollte im Interesse aller Beteiligten massiv eingeschränkt werden. Wie der jüngste Orientierungsrahmen zur Nutzung privater digitaler Endgeräte zeigt, ist diese Botschaft inzwischen auch im Bildungsministerium angekommen. Man empfiehlt ausdrücklich ein Handyverbot in den Grundschulen und wünscht sich eine vorsichtige, altersangemessene Öffnung in den weiterführenden Schulen verbunden mit klaren Definitionen und Regelungen. Leider schreckt man selbst vor einer klaren Regelung zurück. Anstatt, wie von der CDU gefordert, ein grundsätzliches Verbot zumindest in den unteren Klassen zu erlassen, versteckt sich der Minister hinter Arbeitsgruppen und Gremien und weigert sich, die notwendigen Konsequenzen aus der eindeutigen Faktenlage zu ziehen. Das ist mutlos, Herr Teuber. Das ist ein Wegdelegieren von Verantwortung, und es ist ein Abtauchen aus Angst vor Ihnen politisch nahestehenden Lobbyverbänden. (Abg. Florian Maier, SPD: Waren Sie bei der Anhörung?) Was soll Kindern und Jugendlichen denn verloren gehen, wenn sie angesichts eines ohnehin überbordenden Konsums digitaler Medien einige wenige Stunden am Tag auf ihr Handy verzichten müssen? Als Vater und Lehrer mit langjähriger Berufserfahrung sage ich Ihnen ganz klar, nichts, aber auch gar nichts geht diesen jungen Menschen verloren. Im Gegenteil, sie werden vieles gewinnen, wenn sie in den Pausen wieder miteinander sprechen und spielen, wenn sie keine fragwürdigen Videos mehr anschauen oder gar zum Mobbingopfer werden. Die Entscheidung der Schulgemeinschaft zu überlassen, suggeriert Freiheit, lässt aber die Lehrer im Stich und führt am Ende zu einem problematischen Flickenteppich. (Zuruf des Abg. Florian Maier, SPD) Schulen in besseren Gegenden mit bildungsaffinen Eltern werden strikte Regeln zum Wohle der Schüler durchsetzen. Andere Schulen werden zögern, Konflikte vermeiden und lieber alles beim Alten belassen. (Zuruf des Abg. Florian Maier, SPD) Am Ende vergrößert das bestehende Ungerechtigkeiten. Gerade die Schwächeren, die den Schutz am meisten brauchen, werden am meisten verlieren. Nur einheitliche, verbindliche Regeln schaffen gleiche Voraussetzungen für alle Kinder, unabhängig von sozialem Status oder Wohnort. Meine Damen und Herren, wir brauchen ein Umdenken nicht nur mit Blick auf die Handys und die Schulen, sondern auf den Umgang mit digitalen Medien insgesamt. Der Journalist Dieter Schnaas hat ein solches Umdenken in der WirtschaftsWoche im August mit drastischen und zugleich aufrüttelnden Worten eingefordert – ich zitiere –: Wir ziehen eine Alterskolonne von Schizophrenen groß, halb Schneeflöckchen, halb Netzmonster, (Abg. Florian Maier, SPD: Halb was?) Jungen und Mädchen, die wir bis weit ins Teenageralter hinein wie Kleinkinder hegen und pflegen, die wir schützen vor dem N-Wort in Pippi Langstrumpf, mit FSK 12 vor Harry-Potter-Filmen und die wir zugleich mit dem Smartphone zum elften Geburtstag rüde ins Erwachsenenleben stoßen, um ihnen alle Scham und Unschuld zu rauben. Wir tischen unseren Teenagern fünfmal Obst und Biogemüse auf, finden aber nichts dabei, dass ihre Hirne zwei, drei Stunden Junkfood unmöglich verdauen können. Sind wir eigentlich noch ganz bei Trost? – Vielen Dank. (Beifall der Abg. Martin Louis Schmidt und Dr. Bernhard Alscher, fraktionslos)

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