Jutta Blatzheim-Roegler
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Weinlese in Deutschland hat begonnen, von der Ahr bis in die Pfalz. Hier in Rheinland-Pfalz arbeiten Winzerinnen und Winzer, Erntehelferinnen und Erntehelfer und lesen die Trauben. Laut Experten dürfen wir uns, wenn das Wetter jetzt trocken bleibt, auf einen Jahrgang 2025 von guter bis sehr guter Qualität freuen. Diese positiven Nachrichten dürfen uns jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeiten für unsere Winzerinnen und Winzer herausfordernd sind. Wir sprechen längst nicht mehr über saisonale Schwankungen. Wir reden über eine strukturelle Herausforderung in der Weinbranche. Die Rahmenbedingungen haben sich zugespitzt: sinkende Nachfrage, steigende Produktionskosten, insbesondere auf dem Fassweinmarkt. Für manche Betriebe ist die Lage ernst, wenn auch zu betonen ist, nicht überall in Rheinland-Pfalz in gleichem Maße. Mit Erlaubnis der Präsidentin möchte ich aus dem Trierischen Volksfreund einen Artikel vom 27. August zitieren, in dem der Geschäftsführer des Moselwein e. V., Ansgar Schmitz, sagt: „Sicherlich gibt es weltweit gesehen eine Krise, da es zu viel Wein gibt angesichts eines sinkenden Konsums und die Kosten vielfach so stark steigen, dass viele Winzer nicht rentabel arbeiten können. Aber für die Mosel zeigt sich“ – zumindest für die Mittelmosel – „ein anderes Bild.“ Trotz unterschiedlicher Situationen in den Regionen und zwischen den Betrieben war es wichtig, dass Rheinland-Pfalz mit dem Weinbaupaket 2 025+ frühzeitig die Initiative ergriffen hat, im Gegensatz zur zögerlichen Haltung des Bundes. Mit dem Maßnahmenpaket – unserem Maßnahmenpaket – wurden entscheidende Weichen gestellt: 3 Millionen Euro jährlich für Marketing und Absatzförderung, eine restriktive Vergabe von Pflanzrechten zur Angebotsanpassung, 15 Millionen Euro bis 2027 für Forschung und Innovation, etwa für KI-gestützten Rebschnitt oder Drohneneinsatz im Steillagenweinbau – da ist das DLR Mosel führend, ich kann jeden nur einladen, sich einmal entsprechende Vorführungen anzusehen – sowie 2,4 Millionen Euro für nachhaltige Schädlingsbekämpfung, etwa durch Pheromone. Vor allem aber sind es unsere Winzerinnen und Winzer selbst, die mit ihrem Können, ihrem Mut und einer tollen Innovationskraft den Weinbau in Rheinland-Pfalz prägen. Sie setzen auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten, fördern Biodiversität, entwickeln neue Vermarktungswege und erschließen neue Absatzmärkte. Ich kann mich erinnern, vor zwei, drei Jahren hatte ich im Ausschuss das Thema alkoholfreier Wein angesprochen. Damit wusste keiner etwas anzufangen, (Abg. Johannes Zehfuß, CDU: Heute auch noch nicht! – Zuruf des Abg. Marco Weber, FDP) und es hieß: Was soll das denn? Das ist auch ein Markt, der wächst und auf den jetzt viele Winzerinnen und Winzer setzen. Dieser Pioniergeist ist die Grundlage unserer erfolgreichen Weinwirtschaft. Umso dringlicher frage ich mich: Wo war der Bund die ganze Zeit? Landwirtschaftsminister Alois Rainer hat die Lage viel zu lange ignoriert. (Abg. Benedikt Oster, SPD: Frau Klöckner schon, die war nur bei Nestlé!) Während Rheinland-Pfalz die Verantwortung übernahm und entschlossen voranging, kam aus Berlin wenig. Eine Branche, die in einer Schieflage ist, braucht aber schnelle Unterstützung. Dass sich der Bundesagrarminister jedoch erst nach über 100 Tagen Regierung erstmalig mit Vertretern aus der Weinbranche getroffen und ausgetauscht hat und die angekündigten Maßnahmen die Erwartungen trotzdem enttäuscht haben, ist fatal. Ich erinnere an den letzten Landwirtschaftsausschuss, als unsere Ministerin gesagt hat, dass sie mehrmals versucht hat, frühzeitig mit dem Bund, mit dem Bundeslandwirtschaftsminister in Kontakt zu kommen. Vielen Dank dafür. Ich hätte mir ein schnelleres Handeln vom Bund gewünscht. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der FDP und vereinzelt bei der SPD – Zuruf des Abg. Gordon Schnieder, CDU) Rheinland-Pfalz zeigt: Wer rechtzeitig handelt, schafft Perspektiven. Deshalb fordern wir vom Bund ein entschlosseneres Handeln – auch in Richtung Brüssel, auch da ist unsere Ministerin immer vor Ort – und eine konkrete Unterstützung, das heißt attraktive Ökoregelungen für den Weinbau, beispielsweise die Wiederzulassung von Kaliumphosphonat im Ökoweinbau. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Weinbau in Rheinland-Pfalz ist der Wirtschaftszweig, ist das Kulturgut, ist ein Hotspot der Artenvielfalt und ein Aushängeschild unseres Landes. Wir stehen zu den Menschen, die mit viel Wissen, Handarbeit und Leidenschaft dafür sorgen, (Glocke der Präsidentin) dass unsere Weinlandschaften erhalten bleiben. Ich kann nur feststellen: Natürlich, der beste Wein kommt von hier. Wir unterstützen das. Danke, mehr in der zweiten Runde. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und vereinzelt bei der SPD)
