Daniel Köbler
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, es ist gut, richtig und wichtig, dass wir uns politisch auf immer mehr Ebenen, auf allen Ebenen mit dem sozialen Thema der Einsamkeit von Menschen beschäftigen. Die ehemalige Bundesfamilienministerin, Frau Paus, hat auch in der alten Bundesregierung in der alten Legislatur einen Aufschlag gemacht. Es ist gut, dass wir uns im Landtag damit beschäftigen, und es ist auch gut, dass es immer mehr in den Kommunen diskutiert wird. Meine Damen und Herren, ich finde, was dabei noch ein bisschen durcheinandergeht, ist die Frage, wie wir das eigentlich definieren. Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Einsamkeit reden? Meinen wir den soziologischen Einsamkeitsbegriff, der davon ausgeht, dass es Menschen gibt, die unterdurchschnittlich viele soziale Kontakte haben, oder meinen wir eher – ich nenne es jetzt einmal so – den sozialpsychologischen Einsamkeitsbegriff, der sozusagen von einem subjektiven Gefühl der Vernachlässigung oder Vereinsamung ausgeht? Das kann, es muss aber nicht immer zwingend dieselbe Personengruppe meinen. Das hat dann auch Auswirkungen auf die Frage, mit welchen Instrumenten wir dem Phänomen begegnen. Wenn wir Menschen nach Einsamkeitsgefühlen befragen, dann ist es doch auffällig, dass wir nach den ALLBUS-Daten bundesweit bei ungefähr 14 % der Menschen diese Einsamkeitsgefühle sozialwissenschaftlich nachweisen können, in Rheinland-Pfalz liegt der Wert ein bisschen niedriger, aber nicht wesentlich. Aber interessant ist, dass eben neben den älteren Kohorten die Gruppe, die mit 44 % über Einsamkeitsgefühle berichtet, die 18 bis 29Jährigen sind. Es gibt dafür auch wissenschaftliche Anzeichen, dass gerade diese Generation sehr stark unter der Corona-Pandemie gelitten hat, weil sie in ihrem entscheidenden jugendlichen Alter von den zum Teil notwendigen Maßnahmen der Kontaktbeschränkungen betroffen waren. Ich finde, dass man darauf einen besonderen Fokus legen muss, weil ich der Auffassung bin, dass wir gerade diesen Generationen noch etwas schuldig sind. Ich finde, dass es eine gesamtstaatliche Strategie über alle Ebenen braucht, um dem Thema Herr zu werden. Das hat die Bundesebene begonnen, die Landesregierung hat es aufgegriffen und verfolgt es jetzt weiter. Dabei fi nde ich es einen nachvollziehbaren ersten Schritt, mit diesem Maßnahmenpaket zunächst einmal ressortübergreifend interdisziplinär zusammenzutragen, was es denn schon gibt und was man unter dem Ziel der Bekämpfung von Einsamkeit und zur Stärkung sozialer Teilhabe zusammenführen und weiter ausbauen kann. Es ist aber auch nicht der letzte Schritt, und deswegen sind wir uns, glaube ich, sehr einig, dass das auch noch weiter als Strategie entwickelt werden kann, soll und muss. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir Einsamkeit am Ende aber nicht auf Bundes- und auf Landesebene bekämpfen, sondern dass das vor Ort geschieht, in den Kommunen, in den Dörfern, in den Stadtteilen, und dass es deswegen auch ganz wesentlich ist, dort das Thema aufzugreifen, dort auch Netzwerke zu unterstützen, Kommunen dabei zu unterstützen; denn es ist doch klar, wenn man einsam ist, woher kommen die ersten Kontakte? Natürlich, die nächsten Kontakte sind die Nachbarn. Das ist um die Ecke, das ist die Kirchengemeinde, das ist der Verein, es ist vielleicht auch der Stadtteilmarkt. Wobei, es gibt jetzt bundesweit ein neues Projekt von den Maltesern, das Plaudernetz heißt. Wenn man sich allein fühlt, kann man eine kostenlose Hotline anrufen und wird dann mit anderen, die sich ebenfalls einsam fühlen, verbunden und kann miteinander sprechen. Das mag sich vielleicht im ersten Moment ein bisschen komisch anfühlen, aber es ist ein erster, ganz niedrigschwelliger Schritt. Das kann vielleicht auch Vorbild sein für andere, für weitere Schritte, die wir in Rheinland-Pfalz, aber auch gemeinsam mit den Kommunen umsetzen müssen. Lassen Sie mich auch mit Rückblick auf den eben diskutierten Tagesordnungspunkt sagen, Vereine, ehrenamtliche Strukturen, Nachbarschaftsstrukturen, Sport sind ganz wesentliche Anker zur Stärkung sozialer Teilhabe und zur Bekämpfung von Einsamkeit direkt und wirksam vor Ort. Vielleicht kommen wir in diesem Sinne zusammen und arbeiten weiter an diesem wichtigen Thema. Herzlichen Dank! (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)
