Dr. Oliver Kusch
Sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Gäste! Wir beraten heute, wie eben angekündigt, die LandkinderarztQuote. Das ist eine Quote, die dazu führt, dass, wenn man in Rheinland-Pfalz studiert, 3 % der Studienplätze für Mediziner freigehalten werden, damit dort Kinderärzte ausgebildet werden können, die sich danach verpflichten, für zehn Jahre in Rheinland-Pfalz zu arbeiten und dann in Gebieten, die unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht sind, eingesetzt werden können. Die Unterversorgung ist momentan noch nicht da. Das Ziel ist, diese Unterversorgung zu vermeiden, und deshalb ist die Landkinderarzt-Quote eine gute Maßnahme. Wie in der ersten Debatte schon ausgeführt, ist es nicht so, dass wir immer weniger Ärzte haben, sondern wir haben immer mehr Ärzte. Auch Kinderärzte sind es immer mehr. Im Moment haben wir 355 in Rheinland-Pfalz auf 300 Sitzen. Das Problem ist nur, dass immer weniger Zeit zur Verfügung steht, die diese Ärzte haben, und zwar deshalb, weil die Ärzte nicht mehr 60 bis 70 Stunden in der Woche arbeiten, sondern wie die Normalbevölkerung mittlerweile auch an die 40 Stunden kommen. Deshalb steht einfach weniger Arztzeit zur Verfügung. Ganz wichtig ist auch, dass die Patientensteuerung besser geschieht, als sie es jetzt tut. Die 116117 muss dazu noch besser ausgebaut werden. Wir brauchen KI-gesteuerte Mittel, und es muss wieder geschaut werden, dass Patienten, wenn sie wirklich krank sind, hinkommen und nicht die Hälfte der Zeit dazu genutzt wird, irgendwelche Bescheinigungen auszufüllen, die eigentlich nicht vom Arzt ausgefüllt werden müssten. Die Ausbildung dauert lange. Wenn wir jetzt anfangen, diese Quote zu befüllen, werden wir in elf bis zwölf Jahren die ersten Kinderärzte haben, die dann erst zur Verfügung stehen. Das Problem ist: Was machen wir in der Zwischenzeit? Deshalb ist es wichtig, dass wir die Delegationen mehr nutzen, dass Ärzte das machen, was sie machen sollen, nämlich sich um die Patienten kümmern, und sie dafür durch weniger Bürokratie Entlastung finden und durch zum Beispiel Physician Assistants, die dann mehr in der Pädiatrie ausgebildet werden müssen, Advanced Practice Nurses und sonstige Hilfsberufe mehr Zeit bekommen, das zu machen, was sie machen sollen. Es gibt momentan zudem das Projekt „HÄPPI“ von der Landesregierung mit der AOK, das in den Hausarztpraxen gemacht wird. Das ist, denke ich, ein sehr gutes Mittel, um diese Zeit zu überbrücken, bis die Ärzte fertig sind, aber auch für die Zukunft wird es sehr, sehr wichtig sein, dass es so wird, wie das in den HÄPPI-Praxen gemacht wird. Ich habe schon gesagt, elf Jahre wird es dauern, bis die ersten Pädiater fertig sind. Wir haben in der Anhörung gehört, viele Anzuhörende haben gesagt, das ist ein guter Baustein, aber es ist eben nur ein Baustein, um diesen Ärzte- und Pädiatermangel zu bekämpfen. Dr. Matheis von der Ärztekammer hat gesagt, man könne auch schauen, dass die Ärzte, die jetzt schon fertig sind, einfacher in die Ausbildung kommen. Da gibt es mit Sicherheit noch Möglichkeiten, die wir prüfen müssen, aber das Fazit ist, die Landkinderarzt-Quote ist ein Baustein, um dem Kinderarztmangel zu begegnen und ihn in der Zukunft abzufedern. Deshalb stimmen wir dieser Kinderarztquote zu. (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Steven Wink, FDP) Wir wollen natürlich auch unserem Antrag zustimmen. Den finden wir nämlich sehr gut. Es gab jetzt noch einen Antrag von der CDU. Der kam vor zwei Stunden. Die CDU tut sich immer ein bisschen schwer mit Zeiten. Sie braucht zum Beispiel zwei Wochen, um das zwischen einer Anhörung und einer Auswertung richtig hinzubekommen. Wir schaffen es in zwei Stunden, uns den Antrag anzuschauen und sagen zu können, (Abg. Dr. Christoph Gensch, CDU: Weil wir uns mit den Expertenmeinungen auseinandersetzen und nicht alles in einer Sitzung machen und eine Woche später das Gesetz beschließen!) dass es eigentlich nicht wirklich sinnvoll ist, was Sie fordern. Sie fordern ein Stipendium. Ein Stipendium wäre dann sinnvoll, wenn man zu wenig Menschen hätte, die es machen wollen. Wir haben aber sehr viele Menschen, die das machen wollen. Sie fordern Studienplätze im Ausland. Das haben wir auch schon. In Kaiserslautern haben wir eine Kooperation mit der Semmelweis Universität. Wir haben in Koblenz, in Trier, in Kaiserslautern ein Mehr an Studienplätzen. Ich habe es Ihnen gerade eben ausgeführt, dass jetzt ausgebildete Ärzte erst in zwölf Jahren dazu kommen, an den Menschen zu wirken. (Zuruf des Abg. Dr. Christoph Gensch, CDU) Sie müssen wirklich mal ins Jetzt und Hier, ins Heute kommen. Das wäre sehr, sehr wichtig, und ebenso, dass Sie nicht immer nur Schaufensteranträge stellen, mit denen das aktuelle Problem nicht gelöst wird. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPD sowie der Abg. Pia Schellhammer, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Steven Wink, FDP)
