Dr. Oliver Kusch
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, verehrte Gäste! Wir beraten heute den Antrag der Gruppe der FREIEN WÄHLER „Psychische Gesundheit junger Menschen stärken – Versorgung verbessern, Fachkräfte fördern“. Ich habe mich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt und habe auch mit der Psychotherapeutenkammer gesprochen, mit Sabine Mauer, und mit Peter Staub von der KV. Beide haben versichert, dass es momentan gar keinen Fachkräftemangel gibt. Das also ist schon mal ausgeräumt. Fachkräfte gibt es genügend. Alle Plätze, die vorhanden sind, sind besetzt, und es gibt keine offenen Stellen, die momentan nicht besetzt werden. Das ist schon mal eine gute Nachricht. Dann sind auch alle Studienplätze momentan belegt. Wo es noch Ausbesserungsbedarf gibt oder bzw. wo noch nachgebessert werden muss – da sind wir seit 2024 vonseiten der SPD-Fraktion schon unterwegs – ist, dass nach dem Masterstudiengang an der Universität die praktische Ausbildung in den Kliniken folgen muss. Die muss in Rheinland-Pfalz sichergestellt sein, damit uns die hier ausgebildeten Psychotherapeutinnen und -therapeuten nach der Ausbildung nicht verloren gehen, weil sie die praktischen Jahre dann woanders machen müssen. Das ist ganz wichtig. Wie schon ausgeführt, hat die COPSY-Studie gezeigt, dass die Betroffenheit von Jungen und Mädchen bis zum 17. Lebensjahr seit der Pandemie deutlich zugenommen hat. Der Krieg, die Corona-Pandemie: Das alles hat dazu beigetragen, dass die Kinder sich in ihrer Lebenswirklichkeit schlechter fühlen. Deshalb brauchen wir auf jeden Fall einen Aufwuchs an Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Momentan gibt es im gesamten Pool der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten 20 %, die sich um die Kinder- und Jugendpsychotherapie kümmern. Deshalb muss es ein Ziel sein, dass das mehr wird und es on top zu den 20 % einfach noch mehr Kinder- und Jugendpsychotherapeuten geben muss. Die Bedarfsplanung ist Bundessache. Deshalb muss die Bedarfsplanung dort, beim Bund, auf jeden Fall verbessert werden. Der Landesausschuss setzt sich immer dafür ein, dass mehr Sitze zugelassen werden. In den letzten Jahren sind zwölf Sitze genehmigt worden. Das Problem liegt aber nicht bei der KV, die dafür zuständig ist, oder beim Landesausschuss, sondern die Krankenkassen stehen da immer ein bisschen auf der Bremse; denn die machen eine einfache Rechnung auf. Ein Psychotherapeutenplatz kostet 100.000 Euro, also kosten zwölf Stück 1,2 Millionen Euro mehr. Das ist nicht, wie man es angehen sollte; aber es wird leider oft so gesehen. Eine Bundesratsinitiative gibt es schon, von Rheinland-Pfalz wurde die gemacht. Clemens Hoch hat die vorletztes Jahr eingebracht. Heute ist Gesundheitsministerkonferenz in Weimar. Dort ist auch die Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Thema. Es gibt viele Initiativen in Rheinland-Pfalz, die auch von der Landespsychotherapeutenkammer sehr positiv gesehen werden, zum Beispiel die Schulsozialarbeit oder die Aktion „Psychische Gesundheit für Kinder“. Das ist flankierend sehr gut für die Kinder und Jugendlichen in unserem Land. Spezielle Ermächtigungen, zum Beispiel die Zulassung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zur Therapie von mehrfach körperlich oder auch geistig behinderten Menschen, werden auf Antrag immer gegeben. Das ist auch schon ein kleiner Fortschritt, der erzielt werden konnte. Wichtig ist aber auch, dass der Koalitionsvertrag in Berlin die separate Planung von Kinder- und Jugendpsychotherapie mit aufgenommen hat, dass die Stärkung der Psychotherapie auf dem Land mit drinsteht, dass das gemacht werden soll. Die Finanzierung der Weiterbildung soll verbessert und fortgeschrieben werden, und die Prävention und Krisenvorsorge sind auch im Koalitionsvertrag drin. Deshalb wird das alles, was im Antrag drinsteht, schon gemacht. Er bringt uns nichts Neues, und deshalb wird die SPD-Fraktion dem Antrag nicht zustimmen. Vielen Dank. (Beifall der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
