Eugen Ziegler
Herr Präsident, geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Nachdem wir uns gestern bereits ein Stück weit zur Situation der Kinder- und Jugendmedizin in unserem Land ausgetauscht haben, ist es nicht verkehrt, dass wir uns heute erneut diesem wichtigen Thema widmen, und das auch umfassender über die Landeskinderarztquote hinaus. Ich möchte deshalb an meine gestrigen Ausführungen anknüpfen. Die aktuelle Situation wurde bereits verschiedentlich geschildert. Wir hatten bereits vor knapp zwei Jahren im Landtag eine Aktuelle Debatte zur kinderund jugendärztlichen Versorgung im Allgemeinen. In den letzten Jahren wurden in Rheinland-Pfalz durchaus Maßnahmen ergriffen, wie beispielsweise die Niederlassungsförderung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Dennoch hat sich die Situation nicht wesentlich gebessert, sonst würden wir heute nicht erneut hier sprechen, und sonst hätte es auch den Gesetzentwurf in dieser Form nicht gebraucht. Entsprechend den Versorgungsgraden ist die Versorgung hier in Rheinland-Pfalz derzeit noch weitgehend flächendecke nd gewährleistet. Dass es nicht unstrittig ist, ob die zugrunde liegende Bedarfsplanung selbst noch zeitgemäß ist, hatte ich bereits angesprochen. Hier gilt es, gegebenenfalls anzusetzen. Viele Kinder- und Jugendarztpraxen arbeiten jedenfalls an der Belastungsgrenze und können schlichtweg keine neuen Patienten aufnehmen. Davon abgesehen haben wir in Rheinland-Pfalz auch auf Grundlage der aktuellen Bedarfsplanung bei den Kinder- und Jugendärzten nur noch ca. 20 freie Arztsitze. Zumindest sind das meine aktuellen Zahlen. Die Landkinderarztquote jedenfalls ist aus unserer Sicht nur ein Notnagel, der die eigentlichen Probleme nicht löst. Das gilt für Quoten in diesem Bereich ganz allgemein. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Wieso braucht es überhaupt eine Quote, um einem Mangel an Kinder- und Jugendärzten zu begegnen? Die Frage stellt sich bundesweit und in besonderem Maße für Rheinland-Pfalz. Einer der wichtigsten Gründe, die ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags für den Mangel an Kinder- und Jugendärzten anführt, ist die nicht ausreichende Zahl der Medizinstudienplätze. Hier möchte ich meine Forderung nach einer deutlichen Erhöhung der Studienplatzkapazität von gestern erneuern. Auch wenn damit nicht garantiert ist, dass jeder dieser künftigen Ärzte dann tatsächlich in der Versorgung arbeitet, kann man hier aus einem größeren Pool schöpfen. Ich denke auch, dass eine Erhöhung der Kapazität allein deshalb schon wichtig ist, um die Entwicklung der Anzahl der Ärzte, die in Teilzeit arbeiten, zu regulieren. Das löst bestehende Probleme zwar auch nicht kurzfristig, aber je früher wir beginnen, desto besser. Kinder- und Jugendärzte fordern zudem eine stärkere Berücksichtigung der pädiatrischen Ausbildung im Medizinstudium. Ebenfalls brauchen wir eine bessere Spezialisierung und Weiterbildungsangebote. Was hier in den vergangenen Jahren geschehen ist, möchte ich nicht in Abrede stellen. Es hat aber zumindest in der Praxis noch keine ausreichende Wirkung gezeigt. Ich denke, das sind im Bereich der medizinischen Aus- und Weiterbildung Hebel, an denen man auf Landesebene ansetzen kann und muss. Es gilt aber auch, wieder die Attraktivität des Arztberufs gerade in der ambulanten Versorgung zu erhöhen, sowohl für Haus- als auch für Fachärzte, damit wieder mehr angehende Ärzte später tatsächlich in der Versorgung tätig werden. Es klingt zwar schon etwas abgedroschen, aber das macht es nicht weniger wahr, dass viele angehende Ärzte den enormen bürokratischen Aufwand scheuen, der mit der Übernahme und dem Betreiben einer Praxis verbunden ist. Das werden wir zwar nicht allein auf Landesebene lösen können, gleichwohl gilt es, hier anzusetzen. Nicht nur, dass wir angehende Ärzte abschrecken, wir zwingen auch Ärzte, ihre Arbeitszeit für Tätigkeiten aufzuwenden, für die sie eigentlich zu wertvoll ist, insbesondere dann, wenn die Zahl der Ärzte ohnehin knapp bemessen ist. So viel an dieser Stelle. Vielen Dank. (Beifall der AfD)
