Dr. Oliver Kusch
Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen, verehrte Gäste! Die Aktuelle Debatte der FDP hat den Titel „Unsere Jüngsten im Fokus: Kinder- und jugendmedizinische Versorgung im Land weiter stärken“. Das ist ein wichtiges Thema. Wie wir in der Debatte von gestern schon gehört haben, hat Rheinland-Pfalz mit der Schaffung der Kinderarztquote im Medizinstudium schon den richtigen Weg eingeschlagen, aber wir müssen viele Aspekte im Blick behalten, damit wir künftig für die kleinen Patientinnen und Patienten gut aufgestellt sind. Lassen Sie uns einige Aspekte gemeinsam betrachten. In der Vergangenheit hat die Kinder- und Jugendmedizin immer darunter gelitten, nicht wirtschaftlich zu sein. Daher gibt es auch keine privaten Klinikkonzerne oder ausländische Investoren in der pädiatrischen Medizin, oder ist Ihnen jemand bekannt? Helios und Asklepios haben keine Kinderkliniken, weil man damit einfach nicht viel Geld machen kann. Um das zu ändern, soll mit der Krankenhausreform die Kinder- und Jugendmedizin vom wirtschaftlichen Aspekt abgekoppelt werden und eine Vorhaltefinanzierung von 100 % erhalten, was sehr gut ist. Das ist sehr gut so; denn die Therapie von Kindern soll nicht vom Geld abhängen. Daher war es auch wichtig, die ambulante Medizin für Kinder und Jugendliche zu entbudgetieren, was glücklicherweise letztes Jahr passiert ist. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Betrachten wir das Gutachten von PD, der Partnerschaft Deutschland, das sehr vielen hier bekannt ist, so sehen wir, dass wir eine gute Erreichbarkeit von Kinderkliniken im Land haben. Die meisten Menschen erreichen die nächste Kinderklinik innerhalb von 21 Minuten. In Randgebieten zu anderen Bundesländern oder Nachbarländern wie Belgien oder Luxemburg sind die Zeiten etwas länger. Daher ist es auch wichtig, dass die Krankenhausplanung zukünftig an den Bundeslandgrenzen nicht haltmacht, sondern man über die Grenzen hinausblickt, damit keine Doppelstrukturen geschaffen und Dinge in kurzer Distanz doppelt vorgehalten werden. Es ist aber genauso wichtig, dass die bestehenden Standorte erhalten bleiben, um die gute Versorgung im Land aufrechtzuerhalten. Ein weiterer wichtiger Aspekt, warum diese Strukturen erhalten bleiben sollen, ist, wir haben relativ wenige Kinderkliniken und somit auch wenige Plätze zur Ausbildung von Pädiatern. Der Wegfall von Ausbildungsplätzen würde dann bedeuten, dass weniger Kinderärztinnen und Kinderärzte nach der Ausbildung für die Arbeit in den Kliniken und Praxen zur Verfügung stehen würden. Gerade aber die arbeitenden Praxen werden immer wichtiger, da gerade im pädiatrischen Bereich die Ambulantisierung künftig rasch voranschreiten wird. So wird für das Jahr 2035 ein Rückgang der vollstationären Behandlungszahlen um 17 % prognostiziert, wenn das Ambulantisierungspotenzial komplett ausgeschöpft wird. So wird es auch wichtig sein, dass wir nicht stehen bleiben, sondern weiter daran arbeiten, dass sich alles verbessert, noch besser wird oder so gut bleibt, wie es ist. Die Krankenhausreform mit Wegnahme des wirtschaftlichen Drucks auf die Kinder- und Jugendmedizin im stationären Bereich, die Entbudgetierung im niedergelassenen Bereich und die Einführung der Kinderlandarztquote sind alles Schritte in die richtige Richtung. Wir brauchen aber noch mehr. Wir brauchen eine Überwindung der Sektorengrenzen, um die Potenziale der Ambulantisierung voll ausschöpfen zu können, und wir brauchen nicht nur für die kleinsten Patientinnen und Patienten die Einführung des Ein-Tresen-Modells, um die beste Therapie schnellstmöglich in bester Qualität für jeden Patienten in Rheinland-Pfalz zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)
