Dr. Oliver Kusch
Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen, verehrte Gäste! Wir befassen uns heute mit diesem Gesetz, das einen sehr sperrigen Namen trägt, aber eigentlich geht es um die Kinderlandarztquote. Das haben wir gerade schon gehört. Durch dieses Gesetz wird geregelt, dass künftig 3 % aller Medizinstudienplätze in Rheinland-Pfalz an Studierende vergeben werden, die sich nach dem Studium dazu verpflichten, eine Facharztausbildung in Pädiatrie, also in Kinderheilkunde, zu machen und danach für zehn Jahre in Rheinland-Pfalz in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebieten zur Verfügung stehen. Aktuell gibt es nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung im pädiatrischen Bereich noch keine Unterversorgung, wie der Minister schon gesagt hat, aber es dauert auch, bis die Studierenden arbeiten können, und deshalb ist es höchste Zeit, dass diese Quote eingeführt wird. Sie wird uns pro Semester, da man in Mainz im Sommer- und Wintersemester anfangen kann zu studieren, sieben bis acht Studierende bringen, also im Jahr 14 bis 16 Kinderärzte zusätzlich. Auch wenn man glaubt, dass es immer mehr Bedarf und weniger Kinderärzte gibt, dann stimmt das nicht. Wenn man sich die Zahlen näher anschaut, wird ersichtlich, dass immer mehr Arztkontakte durch immer weniger Patienten ausgelöst werden. Die Zahlen sind nachvollziehbar, das kann man gerne nachlesen. Warum aber ist das so? Da gibt es mehrere Gründe, und schauen wir sie uns zusammen an. Im Gesamten sind die Gesellschaft und so auch die Eltern immer sensibler und besorgter, im medizinischen Bereich etwas zu verpassen oder falsch zu machen. Somit wird der Kinderarzt immer häufiger mit Bagatellen aufgesucht, die noch vor einigen Jahren die Eltern zu Hause selbst gelöst haben. Durch die Einführung von Kinderkrankenzeiten für die Eltern werden hierfür häufig Bescheinigungen benötigt, was Praxisbesuche erforderlich macht, die sonst nicht geschehen würden. Ebenso werden häufig Praxisbesuche erforderlich, um ein Kind nach Krankheit wieder gesundzuschreiben, damit es wieder in die Kita oder die Schule kann. Genauso müssen Kinder, die in der Oberstufe zu einer Klassenarbeit fehlen, eine Bescheinigung vom Arzt bringen, was auch wieder unnötige Besuche beim Kinderarzt in der Praxis häufig notwendig macht. Würden diese Praxisbesuche nicht stattfinden, bliebe mehr Zeit für die tatsächlich notwendigen Behandlungen der kleinen Patientinnen und Patienten. Schon mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten hat die Budgetierung der Kinderärzte gebracht, was nach Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung dazu geführt hat, dass einige der bestehenden Praxen mehr zeitliche Kapazitäten zur Verfügung gestellt haben, da diese nun auch vergütet werden, was zur Entspannung beigetragen hat. Um diese Kapazitäten weiter auszubauen und die Versorgung in schon kritischen Bereichen künftig sicherzustellen, ist die Kinderarztquote ein sehr gutes Mittel. Deshalb unterstützt die SPD-Landtagsfraktion dieses Vorhaben vollumfänglich. Ich wollte eigentlich nicht nochmals in diese unsägliche Medizinstudiendebatte einsteigen. Ich muss es immer wieder sagen, Herr Gensch: Wo kommen dann 2 Milliarden Euro für eine neue Hochschule her, und wo kommen 8,3 Millionen Euro für 200 Studenten, die immer so von da drüben gefordert werden, her? Mittlerweile kann man es auch vielerorts lesen, nur eine reine Steigerung der Zahl der Medizinstudienplätze löst den Hausarzt- und Kinderarztmangel nicht. Bei den Hausärzten, wenn man sich das genau anschaut, haben wir zwischen 2025 und 2039 den Zenit der über 67-Jährigen erreicht. Wenn wir jetzt einen Arzt ausbilden, ist er genau dann fertig, wenn dieser Steady State erreicht wird; dann brauchen wir nicht mehr zusätzliche Ärzte. Wir brauchen in der Zwischenzeit nämlich Ärzte, die die Patienten auf diesem Weg zum Älterwerden versorgen und im Alter auch versorgen. Das Problem lösen wir aber nicht, indem wir noch mehr Ärzte ausbilden. Wir haben von 1991 bis jetzt einen Zuwachs von 8.900 Studierenden auf jetzt 13.000. Wir haben jedes Jahr einen Zuwachs von Ärzten, auch wenn Sie das immer negieren. Es ist einfach so. Man muss diese Zwischenzeit bis 2 039 dadurch ausgleichen, dass man schaut, dass man die Hausärzte entlastet. Das wissen Sie selbst. Diese Dokumentationen müssen vereinfacht werden. Die Digitalisierung muss vorangetrieben werden, und es muss die Ausbildung von zum Beispiel Physician Assistants weiter nach vorne gebracht werden, damit delegationsfähige Leistungen von den Ärzten delegiert werden können, damit sich diese um das kümmern, was wichtig ist. Sie müssen keinen Blutdruck messen, sie müssen keine Medikamentenpläne kontrollieren, sondern sie müssen das machen, was am Patienten wichtig ist. Dazu brauchen wir medizinisches Personal, was die Ärzte entlasten kann, und nicht noch mehr Ärzte. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
