Joachim Paul
Liebe Kollegen, sehr verehrter Herr Staatsminister! Ich glaube, es ist wichtig, dass man auf Demokratie und Partizipation von Schülern und Eltern setzt, richtig. Es gibt aber einfach Dinge, die trotzdem entschieden werden müssen. Die müssen so entschieden werden, dass Experten und Praktiker sich das anschauen. Man kann nicht alles vor Schüler und Eltern bringen, auch diese Sachen nicht. Wir haben in der Praxis – ich weiß nicht, ob Sie mir zustimmen würden –, glaube ich, als Lehrer ungefähr eine Aufmerksamkeitsspanne von 15 bis 20 Minuten innerhalb der 45 Minuten. Das ist völlig normal. Man muss sehen, dass diese Konzentration nicht gestört wird. Der Schulerfolg hängt von der Konzentrationsfähigkeit ab und von der Frustrationstoleranz. Die leistungsstarken Klassen können sich besser konzentrieren, die weniger starken Klassen weniger stark konzentrieren, haben da Nachholbedarf. Das heißt, es trifft diese Partizipation von denen, die gut debattieren können, eigentlich diejenigen, die schwach sind, am härtesten. Deswegen ist die Regelung, diese Freigabe und dieses Laissez-faire, was Sie wollen, meines Erachtens unsozial an dieser Stelle. Das ist eine Verantwortung, die man den Lehrern und Experten nicht abnehmen kann. Selbst wenn Sie sagen, wir wollen das vor die Klasse bringen, wollen wir das jetzt im Unterricht einsetzen oder nicht, dann wird das Handy aufgemacht, und in dem Moment ist schon eine Zerstreuung da. Selbst wenn Sie eine Aufgabe lösen, indem Sie ein Handy heranziehen, haben Sie einen Ablenkungsfaktor. Bis alle das Handy wieder weggelegt haben oder einer den Ertrag der Handy-Recherche geäußert hat, haben wir eine Ablenkungszeit. Das geht zulasten der Konzentrationsfähigkeit und deswegen zulasten des Bildungserfolgs. Das lehnen wir als AfD-Fraktion gerade in der Grundschule ab, in der Sie eben nicht alles vor einen Klassenrat oder einen Elternrat bringen können. Der zweite Punkt ist: Wer viel mit dem Handy spielt, es nutzt und kommuniziert, kommuniziert weniger mit dem Gegenüber. (Zuruf des Abg. Michael Hüttner, SPD) Wenn er weniger mit dem Gegenüber kommuniziert, das heißt dort weniger Zeit aufwendet, entgehen ihm Nähe, Gestik, Mimik und das alles. Das kann schon zu einer Gefühlsverarmung beitragen, gerade im Grundschulbereich, und da ist es besonders neuralgisch schädlich. Deswegen sind wir für diese generelle Regelung. Sie machen daraus ein Verbot. Wir halten diese Regelung aber für wichtig. (Beifall der AfD – Glocke der Präsidentin)
