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Andreas Hartenfels

fraktionslos 14.05.2025 Sitzungen 18/86

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin froh um die Debatte. Ich finde, das ist ein zielführender Gesetzentwurf. Die Art und Weise, wie hier diskutiert wird, macht schon deutlich, dass es schon ein Stück weit in unserer Gesellschaft nach wie vor ein blinder Fleck ist und wie vehement und nach wie vor auch mit Schwarz-Weiß-Denken dort gerne operiert wird. Hier jetzt noch mal die Verbotsgeschichte auszupacken, ist schon ein Stück weit deplatziert und auch unredlich. Ich glaube, es ist wirklich ein Ringen darum, wie wir ein Stück weit nicht unbedingt vor die Welle der Digitalisierung kommen, aber wenigstens nicht allzu sehr hintendran in Gesellschaft und Politik. Ich glaube, so müssen wir die Debatte führen. Insofern ist das aus meiner Sicht nur ein kleines Element, das wir hier diskutieren und das auch am richtigen Platz zu diskutieren ist, nämlich dort, wo wir Bildungsstätten für Kinder und Jugendliche anbieten. Natürlich geht es da auch um Regeln und um Leitlinien. Das irgendwie als weltfremd abzutun, wundert mich jetzt schon; denn das ist doch Ziel letztlich dessen, dass wir Pädagogik betreiben und altersgerechten Unterricht und auch ein altersgerechtes Umfeld anbieten wollen. Dieses altersgerechte Umfeld ist an vielen Stellen weit davon weg, zu überreglementieren, sondern ganz im Gegenteil. Wir haben doch ein Problem damit, dass wir Eltern viel mehr unterstützen müssten, sich darin zu stärken, zu sagen: Ja, ich will altersgerecht die Medienkompetenz entwickeln bei meinen Kindern. Da müssten wir doch eine zielgerichtete Debatte hinbekommen. Dazu ein paar Zahlen. Wie sieht es denn in der Realität aus? Stichwort „Wo befindet sich die Welle?“ Die Pädagogen sprechen bei Grundschulkindern von maximal einer halben Stunde bis einer Stunde Medienkonsum pro Tag, maximal. (Abg. Joachim Paul, AfD: Ja!) Bei den weiterführenden Klassen, sagen wir von 5 bis 7, sollte sich das dann über die Stunde hinwegbewegen bis vielleicht maximal 90 Minuten. Die Realität, die hustet natürlich darüber. Da ist allein der Social-Media-Konsum nur bei den Kindern und Jugendlichen – nur der – bei inzwischen zweieinhalb Stunden. Da rede ich noch nicht über das Gaming. Da rede ich noch nicht über Streaming und andere Geschichten. Die Realität sagt uns also: Dort, wo wir Schutzbefohlene haben im positiven Sinne, ist der Medienkonsum um das Drei- bis Fünffache überhöht im Vergleich zu dem, was als gesund und vernünftig erscheint. (Beifall der Abg. Michael Frisch, Matthias Joa und Martin Louis Schmidt, fraktionslos) Das sage nicht ich, das sagen im Prinzip viele, viele Studien und viele Wissenschaftler. Dann nehmen wir mal eine deutsche Studie, die noch relativ jung ist, von der DAK in Verbindung mit der Unimedizin in Hamburg, also schon, glaube ich, Leuten, die einen gesundheitlichen Blick darauf haben. Die haben 2019 untersucht: Wie sieht es denn da aus mit den Kindern und Jugendlichen von 10 bis 17 Jahren, das Suchtverhalten? Wie viele Kinder sind in einem problematischen Bereich? Das waren 2019 10 %, jedes zehnte Kind. 2024, das Gleiche noch mal wiederholt: Wo stehen wir heute in der Welle? Bei über 25 %, die kritisch dort im Suchtverhalten, im problematischen Suchtverhalten drinstehen. Das ist inzwischen jeder Vierte. Das ist ein Quantensprung, den wir erleben müssen. Dann, vor dem Hintergrund solcher Zahlen und vor dem Hintergrund dessen, was wir eigentlich diskutieren müssten, sich noch mal diese letzten Viertelstunden vor Augen zu führen, wie hier die Volksvertreterinnen und Volksvertreter und das Hohe Haus, auf welchem Niveau hier diskutiert worden ist, das, finde ich, ist der Problematik nicht ansatzweise angemessen. Da müssen wir viel, viel mehr differenzieren. Dazu gehört auch eine Lesekompetenz aus meiner Sicht, die nicht nur einen ersten Satz vorliest, sondern die den Kontext herstellen kann (Beifall der Abg. Michael Frisch und Martin Louis Schmidt, fraktionslos) und das nicht zunehmend an zum Beispiel KI oder sonst jemanden abgibt; die macht dann die clevere Zusammenfassung, und wir lesen das Buch nicht mehr zu Ende, weil es vielleicht 250 Seiten hat. Ich kann hier nicht als Fachmann oder Pädagoge sprechen, sondern nur als Elternteil, aber das sollte irgendwie zur Kenntnis genommen werden, dass viele von uns Eltern sind. Inzwischen habe ich auch Enkelkinder in einem Alter, das sehr spannend ist, was das Thema betrifft, mit zweieinhalb und mit fünf. Ich bitte also noch einmal darum: Ich finde den Vorstoß sehr, sehr klug und vernünftig, in den Schulen wirklich die private Handynutzung ein klein wenig zu strukturieren und zu reglementieren. (Abg. Florian Maier, SPD: Das ist nicht der Vorschlag!) – Doch das ist der Vorschlag: Lesen, ganz lesen. Wir bekommen noch eine Anhörung. Ich gehe davon aus, dass wir eine Anhörung kriegen. Also, ich werde den Prozess dieser Diskussion weiter interessiert verfolgen. Ich glaube, viele Menschen in Rheinland-Pfalz werden das machen. Ich hoffe, dass wir da – gerade für unsere schutzbefohlenen Kinder und Jugendlichen – zu klugen Ergebnissen kommen. (Beifall der Abg. Michael Frisch und Martin Louis Schmidt, fraktionslos)

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