landtag-rlp.de ↗

Joachim Paul

AfD 20.02.2025 Sitzungen 18/83

Sehr verehrtes Präsidium, liebe Kollegen! Natürlich kann man sagen, dass PES formal gesehen ein Erfolg ist. Es spricht auch überhaupt nichts gegen Vertretungslehrer und Vertretungen. Das ist alles sehr wichtig, und es ist sehr richtig, dass wir das einsetzen. Allerdings wissen wir aus der Praxis, dass sehr viele Lücken gestopft werden müssen oder durch PES-Lehrkräfte gestopft werden. Daher muss man sich natürlich auch ernsthaft mit der Qualifikation auseinandersetzen und sie natürlich teilweise kritisch beleuchten; denn, ich sage es noch einmal – ich habe mir bei der ganzen Rede so oft „Hattie“ an den Rand geschrieben –, es kommt auf die Lehrerpersönlichkeit und die Ausbildung an. Die ist wesentlich – das hat diese große Studie erbracht – für den Bildungsund Lernerfolg der Kinder. Kinder merken, ob jemand etwas drauf hat, ob jemand gut ausgebildet ist, ob er Ahnung von Dingen hat, von denen er spricht und die er vermitteln will. Unterricht heißt nicht, dass ich diffus mit den Kindern arbeite und in eine Verwahrsituation komme. Unterricht ist ein ausgefeiltes Konzept, in dem eben auch Arbeitsphasen abwechseln und man Ergebnissicherung macht, und das lernt man alles in einer guten Ausbildung als Lehrer. Daher ist die Qualifikation unheimlich wichtig. Alles andere und der Unterricht sind dann, wenn die Qualifikation nicht vorliegt, nicht gleichwertig, wenn man eine Vertretungskraft, die das nicht mitbringt, mit einem normalen, unterrichtenden Lehrer vergleicht. Deswegen sind die Qualifik ationen wichtig. Ich möchte jetzt, da ich schon ein bisschen Zeit für die einführenden Worte benötigt habe, einige Dinge noch einmal nennen, und zwar: Grundschulen 2023/2024, zweites Staatsexamen, 3 % – so weit in Ordnung –, und dann kommt Bachelorabschluss, 27 %, und dann sonstige Qualifikationen, 49 %. Jetzt kann man natürlich sagen, an der Grundschule spielt auch das spielerische Moment sicherlich noch eine größere Rolle, aber das ist schon besorgniserregend. Man muss schon sagen, da muss man genauer hinschauen, gerade wenn man weiß, dass PES-Lehrer dann doch in der Schule ein bisschen als Feuerwehrlehrkräfte eingesetzt werden, um eventuell Krankenstände und andere Dinge auszugleichen. Selbst am Gymnasium haben 29 % nur eine sogenannte sonstige Qualifikation, 20 % gerade einmal den Bachelorabschluss. Auch das halte ich für wichtig, und das ist ein Ertrag der Großen Anfrage. Das ist meines Erachtens kritikwürdig oder sollte nachdenklich machen. Dass die PES-Kräfte an den Grundschulen – darauf habe ich mich gerade eben noch einmal bezogen – vor den Gymnasien in absoluten Zahlen in dramatischer Art und Weise, also die Anzahl der Stunden, steigen und dabei gleichzeitig der prozentuale Anteil von Personen, die über das erste oder zweite Staatsexamen verfügen, rapide sinkt, ist ein Problem. Die Qualifik ation von Lehrern ist sehr maßgeblich für den Bildungserfolg verantwortlich. Ich habe das eben schon im Hinblick auf die Studie von Hattie gesagt. Kommen wir noch zu einem anderen Punkt der Großen Anfrage, Stichwort „Belastungsanzeigen“. Ich glaube, das ist nicht nur rein anekdotische Evidenz. Wir hören es aus allen Schulen, insbesondere an Schulen mit sogenanntem Brennpunktcharakter, dass die Kollegien teilweise nicht mehr können und diesen Rahmenbedingungen nicht mehr gewachsen sind. Wir hatten die Diskussion mit der Gräfenau-Schule, wir hatten andere Schulen. Ich habe das jetzt auch noch einmal hier aus meiner Anfrage. Ich denke, es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit das erfährt, und zwar: Realschule plus Dudenhofen: In der Zeit von September 2024 bis November 2024, also in nur drei Monaten, sind zwölf der 29 Lehrer mehr als zwei Wochen krankheitsbedingt ausgefallen. Das hatte die Folge, dass an den neun Tagen für eine oder zwei Klassen der Unterricht für den ganzen Tag komplett ausfiel. Jetzt kann man natürlich sagen, wir haben Vertretungslehrer, aber wenn man dann diese Vertretungslehrer einsetzt und die Qualifikation sieht und man einfach einmal kritisch hinterfragen muss, ob die einen Unterricht planen können mit Ergebnissicherung, mit klar getrennten Arbeitsphasen, dann muss man doch sagen, das ist eine konkrete Verschlechterung der Bildung. Das ist doch eine konkrete Verschlechterung der Bildungspolitik, und die muss natürlich hier besprochen werden. Darum können wir meines Erachtens gar keinen Bogen machen. Ich kann immer nur sagen, die Studie von Hattie hat genau das ergeben. Es kommt auf die Qualifikation des Lehrers an. Ich habe manchmal den Eindruck, dass das ein bisschen Ihrer Bildungsphilosophie entspricht, dass man sagt, Qualifikationen sind nicht so wichtig, Examina sind nicht so wichtig, und Abschlüsse sind irgendwie nicht so wichtig, man muss ein guter Mensch sein und mit Kindern können, und dann kann man auch unterrichten. Nein, kann man nicht. Ein guter Mensch sollte man sowieso sein. Das ist ein ernst zu nehmender Beruf mit einer sehr teuren, und ich muss auch sagen, Gott sei Dank anstrengenden Ausbildung im Referendariat. Ich fi nde es übrigens gut, dass wir junge Menschen, die Lehrer werden wollen, ein bisschen Stresstests aussetzen, weil sie eben in der Situation, (Glocke des Präsidenten) – letzter Satz – in der sich die Rahmenbedingungen verschlechtert haben, damit zurechtkommen müssen. (Beifall der AfD)

Alle Reden von Joachim Paul Protokoll ↗