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Daniel Köbler

GRÜNE 30.01.2025 Sitzungen 18/81

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn ein junger Mensch die Schule ohne Abschluss verlässt, ist das für junge Menschen häufig ein Problem – ein Problem für ihre Zukunftssicherheit, ein Problem für ihren weiteren Lebensweg – und letztlich auch ein Problem für uns als Gesellschaft, weil es für jeden jungen Menschen wert ist, sich darum zu kümmern, damit sie möglichst gute Bildung und Ausbildung genießen, aber weil es uns als Gesellschaft auch wichtig ist für den sozialen Zusammenhalt und nicht zuletzt, in Zeiten des Fachkräftemangels, auch für unsere wirtschaftliche Entwicklung und Zukunft. Deswegen nehmen wir mit unserem Antrag genau diese jungen Menschen in den Blick und fragen uns: Woran liegt es, dass – ja, diese Zahlen müssen uns alarmieren – knapp 8 % der Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz die Schule ohne Abschluss verlassen? (Zuruf aus dem Hause: Gute Frage!) Wenn dort allein die Hälfte derer, die unser Schulsystem ohne Abschluss verlassen, von den Förderschulen kommen, dann sehen wir einen Teil des Problems. Wir brauchen hier mehr Durchlässigkeit, und wir müssen schauen, dass der Regelabschluss an den Regelschulen auch für diese Kinder und Jugendlichen immer mehr die Regel wird. Deswegen gilt es, von Anfang an anzusetzen. Deswegen haben wir Dinge auf den Weg gebracht wie die neue Inklusionsordnung, die neue Grundschulund die neue Förderordnung. Das gilt aber auch in den Biografien bei den Schülerinnen und Schülern. Wir reden in der Regel über Jugendliche mit 1 5, 16, 17 Jahren, also auch in einer sehr bewegten Zeit des Lebens, in der es oft oder häufig dazu kommt, dass Schule verweigert wird, dass die Leistungen in der Schule nicht mehr so stimmen, weil man anderes im Kopf hat, weil man vielleicht mit den Hormonen manchmal nicht so klar kommt – als Mann weiß ich, wovon ich rede, wir sehen es auch häufig bei den Jungs –, und da brauchen wir auch einen individuellen Zugang, eine direkte Beratung. Die müssen wir dort ansetzen, wo die Kinder und Jugendlichen sind, schon früh in der Schule, in der Mittelstufe und auch an allen Schularten. Deswegen ist es so wichtig, dass wir zum Beispiel im letzten Landeshaushalt explizit die Förderung für die Schulsozialarbeit für Gymnasien geöffnet haben. Deswegen ist es so wichtig, dass wir an den Schulen Instrumente haben, die wir weiter ausbauen wollen wie Berufswahlkoordinatorinnen, aber auch die Kombination der sozialpolitischen und arbeitspolitischen Maßnahmen. Ich nenne nur das Projekt der Jobfüxe, ein unheimlich erfolgreiches Projekt, in dem Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in die Schulen gehen, genau spezifisch für junge Menschen in der Mittelstufe, um eine frühzeitige Schullaufbahn- und Berufsberatung anzubieten. Es ist auch wichtig, die Praxis noch mehr in alle Schularten zu holen. Frau Kollegin Groß, wir haben Praktika. Das steht auch in unserem Antrag. Es gilt, die noch weiter auszubauen und noch systematischer einzuführen. Das ist schon da, und darauf müssen wir aufbauen und es auch weiterführen. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP) Ich will nur einmal sagen, dass es auch darum geht, dass Jugendliche frühzeitig lernen, wie die Berufswelt ist, wie sie funktioniert. Sie ist dynamisch, sie entwickelt sich weiter. Wenn Sie jetzt wieder mit Einheitsabschlussprüfungen kommen, sage ich Ihnen, das ist genau das, was die Berufswelt von heute am allerwenigsten braucht, weil sie heute so nicht funktioniert. Es ist nicht mehr so, dass ich meine Gesellenprüfung mache und dann 20, 30, 40, 50 Jahre nichts mehr dazulernen muss. Die Entwicklung ist rasant, und genau so ein Lernen müssen wir unterstützen, ein praktisches Lernen, sich selbst die Dinge anzueignen und beizubringen. (Beifall des Abg. Carl-Bernhard von Heusinger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Einheitsprüfungen sind genau das Gegenteil. (Abg. Joachim Paul, AfD: Sie haben einfach wirklich gar keine Ahnung!) Sie werden mit Einheitsprüfungen dazu führen, dass junge Menschen hinterher im Berufsleben scheitern, weil sie nur Bulimielernen machen und nicht den entsprechenden Selbstwert und die Entwicklung durchmachen, die die heutige Arbeitswelt braucht. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP) Jetzt fordern Sie hier landesweite Bildungsstandards. Guten Morgen! (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Sven Teuber, SPD, und Philipp Fernis, FDP) Wir haben sogar bundesweite Bildungsstandards, und wir haben landesweite Bildungsstandards in den entsprechenden Lehrplänen. Wir können darüber diskutieren, ob das die richtigen und die zielführenden sind, aber sich als bildungspolitische Sprecherin der größten Oppositionspartei hinzustellen und zu sagen, wir bräuchten jetzt einmal landesweite Bildungsstandards, die wir seit langer Zeit haben, ist schon ein Offenbarungseid, Frau Kollegin. Lassen Sie mich zum Abschluss noch sagen, dass es auch wichtig ist, dass wir, wenn Kinder oder Jugendliche Schulen dann doch ohne einen Abschluss verlassen, sei es durch einen Schulwechsel, sei es, weil sie möglicherweise auf eine Berufsschule kommen, in Zukunft wissen, was mit diesen jungen Menschen passiert. Ich halte es für unheimlich wichtig, dass auch eine datenschutzkonforme Möglichkeit der Datenübermittlung zwischen Schulen, aber auch mit der Bundesagentur für Arbeit und diesen Einrichtungen geschieht, weil wir das Phänomen haben, dass wir mittlerweile Tausende junge Menschen haben, die Schulen ohne Abschluss verlassen haben, von denen wir nicht wissen, was sie machen und wo sie sind. Das ist zum einen ein Riesenproblem, weil wir nicht zielgenau mit den arbeitsmarktpolitischen und sozialen Maßnahmen an sie herankommen, (Glocke des Präsidenten) aber auch, weil das genau die jungen Menschen sind, die unserer Wirtschaft fehlen, und die dürfen wir nicht verloren geben. Herzlichen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP)

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