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Sven Teuber

SPD 30.01.2025 Sitzungen 18/81

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Berufsorientierung ist enorm wichtig, um sich bei den großen Auswahlmöglichkeiten, welche die jungen Menschen in der Zukunft noch mehr haben werden als heute schon, ein Bild davon zu machen, wie ich mein Leben gestalten möchte, um selbstbestimmt voranzukommen. In dem Wort „Berufsorientierung“ steckt auch der Begriff „Orientierung“. Dazu muss ich sagen, ich kann nach dem gestrigen Tag nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen; denn die Orientierung, die wir für die Berufsorientierung brauchen, erfordert eine freiheitlich-demokratische Grundordnung, in der eine Berufswahlfreiheit und tatsächlich die Zuversicht in ein stabiles Miteinander unbedingt notwendig ist. Wenn wir sehen, was jedwede Studien und Umfragen der letzten Jahre an Ergebnissen zu den Zukunftssorgen der jungen Menschen erbracht haben, müssen wir in Debatten immer wieder feststellen, dass junge Menschen Sorgen haben ob der Zukunft in ihrem Land und auf der Welt. Wenn wir Debatten wie gestern sehen, muss man sagen, es sind wir in der demokratischen Mitte, die dazu beitragen, diese Sorgen zu vergrößern, wenn diese Debatten so geführt werden wie gestern, wenn wir in der demokratischen Mitte nicht mehr miteinander eine politische Kultur pflegen, dass man an den Grundwerten keinen Zweifel lassen kann und an der Glaubwürdigkeit von Zusagen von Politik. (Zurufe der Abg. Joachim Paul und Dr. Jan Bollinger, AfD – Zuruf des Abg. Gordon Schnieder, CDU – Weitere Zurufe aus dem Hause) Wenn wir dazu beitragen wollen, dass Menschen eine Zukunft haben und sich in unserer Gesellschaft tatsächlich orientieren können und auch Lust haben mitzumachen, (Abg. Michael Frisch, fraktionslos: Zur Sache!) dann brauchen wir zusammen im Sinne einer Prosperität, im Sinne eines demokratischen Zusammenhalts einen breiten Konsens, der Glaubwürdigkeit eben nicht verspielt, auf die junge Leute setzen müssen. Daher appelliere ich gerade in diesem Raum an Sie, dass wir eben nicht solche Debatten führen, wie sie gestern im Bundestag geführt wurden. Ich appelliere an unsere demokratische Mitte und Kultur und vor allem auch an die Kolleginnen und Kollegen der CDU, (Abg. Michael Frisch, fraktionslos: Zur Sache reden!) dass wir keinen Wortbruch begehen, (Zurufe aus dem Hause) sondern gemeinsam demokratische Stärke zeigen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Zurufe von der CDU) Berufsorientierung in diesem Sinne ist ganz wichtig, weil wir davon abhängig sind, dass wir den Kindern und Jugendlichen aufzeigen, welche Bandbreite in unserer Gesellschaft gebraucht wird. Wir brauchen an allen Ecken und Enden Fachkräfte, liebe Kolleginnen und Kollegen. Deswegen ist es auch die Aufgabe aller Schulen – ich betone noch einmal, aller Schulen –, dass eine Fokussierung auf alle möglichen Wege des Arbeitslebens in dieser Gesellschaft vorhanden ist. Es geht zum einen um die selbstbestimmte Lebensführung des oder der Einzelnen, und es geht auf der anderen Seite um die volkswirtschaftliche Notwendigkeit, alle Bereiche unseres Lebens am Laufen zu halten. Wir werden ohnehin ohne gezielte Einwanderung – – – Diskussionen wie gestern tragen nicht dazu bei, dass wir eine Willkommenskultur haben. Wir werden die Einwanderung gezielt ermöglichen, (Abg. Gordon Schnieder, CDU: Ganz genau! Gezielte Einwanderung!) um die jungen Menschen, die hier schon sind, in ihrer Wirtschaftskraft und in ihrer Arbeitskraft zu unterstützen. Wir brauchen eine stärkere Orientierung, und wir müssen es schaffen, dass wir die Akzeptanz zwischen der dualen Ausbildung und der universitären Ausbildung gleichermaßen herstellen. Dazu haben wir schon viele Maßnahmen in die Wege geleitet, beispielsweise mit dem Meisterbonus und anderen. Wir müssen es aber auch schaffen – dazu haben wir unseren Antrag vorgelegt –, frühzeitiger in Praktikumswochen, die sehr erfolgreich durchgeführt wurden, Frau Ministerin, und die wir fortsetzen wollen, eine Orientierung über die eigene grundsätzliche, vielleicht vorgegebene, auch vom familiären Umfeld mitgeprägte Orientierung hinaus zu machen. Wir wollen auch die Übergänge erleichtern und eine Durchlässigkeit schaffen, (Abg. Michael Frisch, fraktionslos: Die gibt es doch schon längst!) weil wir feststellen, dass wir deutschlandweit einen erhöhten Anteil an denjenigen haben, die ohne Schulabschluss die Schule verlassen. Wir haben danach die Möglichkeit, etwa mit der VHS und anderen Weiterbildungen trotzdem den Abschluss nachzuholen; wir müssen aber feststellen, dass es bei ungefähr 40.000 Absolventinnen und Absolventen im Schuljahr eine stabile Zahl gibt, die ungefähr bei 2.500 bis 3.000 liegt, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wissen alle, dass das weder zu einem selbstbestimmten Leben und einer wirtschaftlichen Kraft noch zu einem demokratischen Zusammenhalt führt. In diesem Sinne haben wir einen Antrag gestellt, der viele Dinge aufgreift. Der Alternativantrag der CDU hat seine Qualität dahin gehend, dass wir sehen, dass wir einen gemeinsamen Weg gehen wollen, der sich tatsächlich auch in die richtige Richtung bewegt, und in diesem Sinne kann ich sagen, wir müssen es intensivieren. Wir investieren mehr Geld, wir brauchen aber die Offenheit in allen Schulformen, und wir brauchen auch den Zusammenhalt aller Demokratinnen und Demokraten, um den jungen Menschen eine Zukunft zu bieten, um sich zu orientieren, selbstbestimmt zu leben und Wirtschaftskraft von Morgen gemeinsam ohne Betrachtung von Hintergründen des Einzelnen in unserem Land tatsächlich auch zu ermöglichen. (Glocke des Präsidenten) Denn das ist unsere Stärke, hier oben kommt es darauf an. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)

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