Jutta Blatzheim-Roegler
(An den Sohn von Staatsministerin Katharina Binz gewandt) – Schön, dass Du Dich schon freust. Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren heute über die angespannte Lage im rheinland-pfälzischen Weinbau, ein Thema, das nicht nur Winzerinnen und Winzer betrifft, nicht nur die Vinotheken, die von ihnen betrieben werden, sondern natürlich auch den Tourismus, Kundinnen und Kunden sowie Klima und Umwelt. Wir sind uns bewusst, wie bedeutend der Weinbau als Kulturgut für unser Bundesland ist, und es ist ein ganz wichtiger Wirtschaftszweig. Wein ist Teil der rheinland-pfälzischen Identität, um es einmal plakativ zu sagen. Weinberge prägen unsere Landschaften, und Weinfeste sind Feste des Miteinanders. Wir müssen jetzt aber erkennen, dass wir es aktuell nicht mehr nur mit üblichen saisonalen Schwankungen zu tun haben, sondern der Weinbau vor strukturellen Herausforderungen steht: gestiegene Produktionskosten auf der einen Seite bei rückläufiger Nachfrage auf der anderen Seite, zum Teil in diesem Jahr verheerende Ernteschäden durch den Spätfrost im April und regional starke Hagelereignisse. Als Ampelkoalition stehen wir aber auch in schwierigen Zeiten verlässlich an der Seite unserer Winzerinnen und Winzer. Mit dem Maßnahmenpaket, das wir vorschlagen, wollen wir unsere Betriebe aktuell in der angespannten Lage unterstützen, aber auch Voraussetzungen schaffen für eine geordnete und langfristige Anpassung an den Weinmarkt. Wir setzen uns dafür ein, dass für den Weinbau attraktive Ökoregelungen als einjährige Maßnahme der ersten Säule der GAP aufgenommen werden. Eine Rotationsbrache wurde schon angesprochen, die die Branche fordert und auch von uns Grünen befürwortet wird. Das wäre eine Ökoregelung, die nicht nur zur Verbesserung der Biodiversität führt, sondern den Markt auch geordnet entlasten würde. Wie Sie wissen, liegen mir als Moselanerin die Steillagen besonders am Herzen. Sie prägen die Kulturlandschaft an unserer Mosel. Genau dazu gibt es schon Programme, wie zum Beispiel die „Lebendigen Moselweinberge“, die die Vielfalt dieser Strukturen unterstützen. Wer es noch einmal nachlesen will, dem würde ich – mit Erlaubnis des Präsidenten – diese Broschüre empfehlen, die Herr Clüsserath, der Weinbaupräsident der Mosel, herausgegeben hat: (Die Rednerin hält besagte Broschüre hoch) Für die Zukunft des Ökoweinbaus in Rheinland-Pfalz ist die Wiederzulassung von Kaliumphosphonat als Pflanzenschutzmittel entscheidend. Langanhaltende Regenperioden in diesem Jahr haben im Ökoweinbau zur extremen Ausbreitung der Krankheit „Falscher Mehltau“ geführt. Rheinland-Pfalz setzt sich seit Jahren in enger Abstimmung mit dem Bund für eine Wiederzulassung von Kaliumphosphonat auf EU-Ebene ein; denn auf dieser wird entschieden. Wenn der designierte neue EU-Agrarkommissar Christophe Hansen den Ökoweinanbau stärken will, sollte er der Forderung unseres Landes jetzt nachkommen. In Zeiten der sich verschärfenden Klimakrise und eines veränderten Marktumfelds stehen die Weinbaubetriebe vor der Herausforderung, sich zukunftsgerichtet auszurichten. Pilzwiderständige Rebsorten, die sogenannten PIWIS, wie Cabernet Blanc, Muscaris oder Regent, können ein Teil der Lösung sein; denn wer PIWIS im Weinberg hat, profitiert von zahlreichen Vorteilen: weniger Krankheitsbefall, sichere Erträge und die Positionierung als nachhaltig wirtschaftendes Weingut. Deshalb begrüßen wir, dass die Landesregierung die Anpflanzung von PIWIS im Zuge der Umstrukturierung von Rebflächen weiter unterstützt und fördert. Ungeachtet der genannten Vorteile ist die Vermarktung der PIWIS derzeit oft noch schwierig. Ein Hauptproblem ist die Unbekanntheit dieser Rebsorten beim Endverbraucher. Genau aus diesem Grund sind Projekte wie Zukunftsweine – auch darüber haben wir hier schon gesprochen – oder die neue PIWI-Initiative piwilicious von Vision-Mosel, die kürzlich als „Moselhelden“ ausgezeichnet wurden, notwendig, damit diese Rebsorten bekannter werden und wir sie auch gut an den Verbraucher, die Verbraucherin bringen können. Hier möchte ich den Verbänden danken, aber auch der IHK und den DLR, die sehr gut beraten. Gerade was die Marketingmöglichkeiten angeht, habe ich jetzt gerade eine Einladung von der IHK Trier bekommen, die beispielsweise Winzerinnen und Winzer darüber informiert, wie sie auf den chinesischen Markt kommen können. Mit Blick auf die Absatzmöglichkeiten schaue ich natürlich nach der Wahl von Donald Trump mit Sorge nach den USA. Die USA sind eines der Länder, in die wir als Rheinland-Pfalz Weine am stärksten exportieren. Hier ist zu hoffen, (Glocke des Präsidenten) dass Trump seine Drohung nicht wahr macht und die Zölle für den Handel wieder anhebt. Danke schön. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD sowie des Abg. Steven Wink, FDP)
