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Dr. Joachim Streit

FREIE WÄHLER 11.07.2024 Sitzungen 18/69

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Dennis Junk, vielen Dank für den Antrag; denn du hast ihn wiederum aus der Praxis gebracht und mit eigenen Erfahrungen gespickt, und das macht die Arbeit hier aus. Nachdem wir uns in den vergangenen Monaten um Schwimmcontainer und Schwimmkurse gekümmert haben und zuletzt noch aus dem Bildungsministerium die frohe Kunde eines Schwimmabzeichen-Schulwettbewerbs kam, sollen wir uns alle einmal fragen, was eigentlich aus dem Projekt „Land in Bewegung“ geworden ist. Müssen wir uns nach der Auftaktveranstaltung letztes Jahr mit fast dem gesamten Ministerkabinett Sorgen machen, dass wir bzw. die Landesregierung das Land nicht in Bewegung bekommen? Brauchen wir eine weitere Initiative Übungsleiteroffensive in Sportleistungskursen? Wenn das nicht wirkt, welche neue Idee kommt uns dann in den Sinn? Die Landesregierung hat mit den Bewegungsmanagern in allen Landkreisen und dem eben zitierten Schwimmwettbewerb scheinbar aus ihrer Sicht genug getan. Wenn ich mir die aktuellen Mitgliederzahlen der Sportvereine anschaue, dann sehe ich zunächst das Vor-Corona-Niveau übertroffen. Manche Sportarten wie Tennis boomen. Die Klagen der Sportvereine zielen auch nicht direkt auf die fehlenden Übungsleiter. Nein, das Grundproblem sind die fehlenden Sportstätten. Das ist noch viel gravierender. Professor Thieme hat in der letztjährigen Anhörung zu den Schwimmcontainern seine aktuelle Studie zur Situation der Schwimmbäder in Rheinland-Pfalz vorgestellt. Es fehlt erst einmal an Möglichkeiten, Schwimmunterricht überhaupt zu erteilen. Aktuell stehen bei uns im Eifelkreis, alleine in der Stadt Bitburg, rund 260 Kinder auf der Warteliste zum erstmaligen Erlernen des Schwimmens. Bäder in Prüm – wenn ich Wittlich dazunehme –, Echternach, Irrel und Kyllburg werden aktuell saniert. Das Bitburger Bad hat aufgrund des Zuspruchs keine Kapazitäten frei, um in den Sommerferien Kurse anzubieten. Trainer stünden bereit, weil der Zulauf aus dem Umland keinen Raum mehr dazu bietet. (Abg. Marco Weber, FDP: Altlasten vom Landrat!) – Bitte, Herr Weber? (Abg. Marco Weber, FDP: Altlasten vom alten Landrat!) – Man könnte auch einen aufgelassenen Schweinestall zur Verfügung stellen und umbauen. Das ist auch okay. (Beifall der FREIEN WÄHLER – Vereinzelt Heiterkeit im Hause – Zuruf des Abg. Marco Weber, FDP) Das gleiche Problem finde ich bei den Sporthallen im Kreisgebiet. Wegen Sanierung, Wasserschäden, Abriss und Neubau sind aktuell drei Sporthallen nicht nutzbar. Eine Ersatzturnhalle konnte in Prüm gebaut werden. In Bitburg stehen über 500 Kinder in Kinderturnen, Gymnastik, Handball, Volleyball und Basketball vor der Tür, die weder im Verein Mitglied werden noch ein Trainingsbetrieb aufnehmen können. Das Problem sind fehlende Sportstätten, und dieses Problem ist nicht neu. Selbst ein Ergänzungsangebot für Migranten kann nicht umgesetzt werden, da selbst für die im Sportverein angesiedelten Mitglieder die Kapazitäten nicht ausreichen. Wenn ich meinen persönlichen Referenten Rudolf Rinnen sehe, – – (Heiterkeit des Abg. Marco Weber, FDP) – Jetzt kommt die Zahl. – (Abg. Marco Weber, FDP: 102!) – 102. – – er ist nicht nur Vorsitzender des größten Sportvereins bei uns im Kreis, sondern auch Präsident des Turnverbands Mittelrhein. So berichtet er mir laufend über die Hallenprobleme im ganzen Land, und die Übungsleiterausbildung über die Fachverbände – zuletzt ein dezentraler Übungsleiterkurs Kinderturnen in Bitburg mit 23 Teilnehmern – ist gut besucht. Wie beschäftige ich aber einen erfolgreichen Übungsleiter, wenn keine Sportstätten vorhanden sind? Der Antrag der CDU auf Ergänzung des Tableaus im Leistungskurs Sport der Gymnasien ist eine gute Idee. Für uns im ländlichen Raum ist das große Problem, die meisten Absolventen dieser Kurse gehen nach dem Abitur studieren und stehen zunächst einmal in der Heimat nicht zur Verfügung. Auf freiwilliger Basis kann in Kooperation mit den Sportverbänden eine solche zusätzliche Qualifikation nicht schaden. Das Grundproblem von RheinlandPfalz kann aber auch durch die schönsten Zahlen und Beispiele des Projekts „Land in Bewegung“ nicht gelöst werden. Ich schließe: Wir brauchen dringend mehr Sportstätten und Schwimmbäder, und wir stimmen dem Antrag der CDU-Fraktion zu. Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, gestatten Sie mir bei meiner letzten Rede ein Wort des Dankes. Ich darf mich bedanken für die gute Aufnahme hier im Plenum vor drei Jahren, sowohl bei den Kollegen des Landtags, aber auch bei den Kollegen der Regierung und vor allen Dingen auch bei den Mitarbeitern der Landtagsverwaltung. Sehr geehrte Frau Präsidentin und sehr geehrte Frau Molka, es hat uns wirklich nicht an Beratung und Unterstützung gefehlt. Daher scheide ich, wenn auch mit kleinem Wehmut, dann aber mit Freude auf den neuen Job und schaue mit Demut und Dankbarkeit auf meine Zeit hier im Landtag von Rheinland-Pfalz. (Beifall im Hause)

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