Daniel Köbler
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Schnieder, ich sehe das anders. (Abg. Martin Brandl, CDU: Das wundert mich nicht!) Wir brauchen nicht für jedes Kind die richtige Schule, (Abg. Gordon Schnieder, CDU: Doch!) sondern wir brauchen Schulen, die in der Lage sind, für jedes Kind die richtigen Rahmenbedingungen für bestmögliche Chancen im späteren Leben zu setzen. (Abg. Gordon Schnieder, CDU: Das tun sie nicht!) Meine Damen und Herren, da sehen wir, dass die Sprache, das Folgen der Unterrichtssprache, eben eine Herausforderung ist, der wir uns an manchen Schulen und beim Blick auf manche Kinder stellen müssen und auch stellen werden und auch schon gestellt haben. Lieber Kollege Schwab von den FREIEN WÄHLERN, Ihr Antrag kommt da so ein bisschen hinterher wie die alte Fastnacht. (Zuruf von der CDU: Ui, ui, ui!) Wir haben hier schon mehrfach darüber gesprochen. Es sind jetzt erst die neue Grundschulordnung und die neue Stundentafel in Kraft getreten, in der eben eine zusätzliche Stunde Deutsch in der Grundschule verankert ist, in der die frühzeitige Schuleingangsuntersuchung verankert ist mit der verpflichtenden Sprachstandserhebung für alle Kinder, die nicht eine Kita besuchen, mit verpflichtenden Angaben zum Besuch einer Kita und vieles andere mehr. Das ist jetzt in Kraft getreten und wird dann ab dem nächsten Schuljahr entsprechend wirken. Es ist angekündigt worden. Wir haben schon die Sprachstandserhebungen bei den Kindern in den Kitas in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen verankert. Die findet dort statt, und es wird jetzt eben ergänzt um die verpflichtenden Sprachstandserhebungen für die Kinder, die in keine Kitas gehen, anderthalb Jahre vor dem Schuleintritt. Wir haben gleichzeitig die Einführungsphase in den Grundschulen, damit man eben die ersten beiden Klassen in ein bis drei Schuljahren bewältigen kann, je nach Entwicklungsstand der Kinder. Das sind alles Punkte, die wichtig sind, um eben diesem Förderbedarf gerecht zu werden. Was als Herausforderung systematisch ist, ist der Übergang von der Kita in die Grundschule, an der wir auch arbeiten mit Blick auf den Neun-Punkte-Plan, den die Landesregierung schon vor einigen Monaten vorgestellt hat. Da geht es um solche Fragen wie die Sprachstandsdiagnostik, die in der Kita erhoben wird und in der Schulzeit sozusagen weiter bearbeitet werden kann. Da geht es um Fragen wie: Was passiert denn nun, wenn ein Kind schulpflichtig wird, aber eben noch nicht so weit ist, der Unterrichtssprache Deutsch zu folgen? Wer ist denn dafür eigentlich zuständig? Wer muss das denn machen und regeln? Können das noch die Grundschulleitungen nebenher machen? Ich will Ihnen einmal etwas sagen: Wer macht denn die verbindlichen Schuleingangsuntersuchungen am Ende für alle Kinder? – Ich glaube, dass wir da einen klugen Weg brauchen, einen Weg brauchen, der für die Kinder, die bereits in der Kita sind, eben nicht noch einmal eine doppelte Verwaltungsarbeit macht, wo entsprechende Diagnosen schon gemacht worden sind. Herr Schwab, aber Sie müssten dann zuhören, um es beim nächsten Mal besser zu wissen. Diese Fragen müssen Sie sich doch in der Praxis stellen. Wir haben einen Anstieg an Kindern, die nicht der Unterrichtssprache Deutsch im ersten Schuljahr folgen können. Ja, und dem stellen wir uns auch. Dem müssen wir uns auch stellen. Kollege Teuber hat aber eben die Relationen genannt. Müssen wir wirklich bei 40.000 Kindern, über die wir reden, 40.000 Mal das gleiche Prozedere durchführen, oder müssen wir uns nicht auf die 300 konzentrieren, bei denen die Sachen wirklich notwendig sind? (Zuruf des Abg. Johannes Zehfuß, CDU) Fragen Sie einmal Grundschulleitungen, wie die das einschätzen. Sie wissen doch in der Schulanmeldung und der Schuleingangsuntersuchung relativ schnell, von wem wir reden und von wem wir nicht reden. Deswegen glaube ich, dass der Weg der Diagnostik und der Schuleingangsuntersuchung und dann des individuellen Schauens darauf, welche Fördermaßnahmen notwendig sind, der richtige ist und nicht ein flächendeckender Test über 40.000 Kinder, den dann auch wieder 40.000 Verwaltungsbeamte, Grundschulleitung oder sonst wer auswerten müssen mit irgendwelchen Folgen, die Sie hier auch nicht näher beschrieben haben. Was passiert denn, wenn so ein Test nicht bestanden wird? Was ist denn dann? Wer macht denn dann was? Was passiert denn mit dem Kind? Ich will Ihnen noch etwas sagen: Ich kenne bei mir im Stadtteil mehrere Jugendliche, die vor allem als junge Mädchen 2015 nach Deutschland gekommen sind. Die sind mittlerweile die besten in ihrer Klasse und in ihrer Stufe. Die werden im Sommer möglicherweise, so wie es aussieht, für die Oberstufe zugelassen. Die hätten niemals diesen Test bestanden, weil sie nämlich bei der Einschulung in die Grundschule, kurz nachdem sie von der Flucht hierher kamen, aus Syrien, Afghanistan, gar kein Wort Deutsch konnten. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Wegen Deutsch als Fremdsprache, vielen Fördermaßnahmen und dem Fleiß dieser jungen Mädchen können die das heute aber. Zu suggerieren, es bräuchte also nur einen Test für 40.000 Kinder und alle Probleme sind gelöst – – – Sie machen morgen den Test in Gräfenau, und was kommt da heraus? – Ah ja. Keine Ahnung, von 100 Kindern sind wahrscheinlich in dem Einzugsgebiet 30 bis 40 nicht schulfähig. (Zuruf des Abg. Johannes Zehfuß, CDU) Ja, und jetzt? – Damit haben Sie kein Problem gelöst. Wir müssen uns dem Thema systematisch zuwenden. Hier aber die einfachen Lösungen zu versprechen, dass alle einmal einen Test machen und dann ist es schon erledigt, das ist wirklich – Entschuldigung – der Komplexität der Herausforderungen viel zu kurz gegriffen, (Glocke des Präsidenten) und deswegen werden wir Ihren Antrag ablehnen. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP)
